Berlinale-Frühstück „Plötzlich entstehen Brücken“

Zahlreiche Preise wurden beim Berlinale-Frühstück des Goethe-Instituts verliehen.
Zahlreiche Preise wurden beim Berlinale-Frühstück des Goethe-Instituts verliehen. | © Uwe Steinert

Regisseure, Schauspieler, Produzenten, Kultur- und Filmschaffende drängen sich, Kaffeeduft zieht durch den Raum. „Ein schöner Auftakt“ sei das Berlinale-Frühstück des Goethe-Instituts, sagt Caroline Mutz, Redakteurin bei Arte Kultur, und genießt es, die Berlinale mit dieser „guten Schnittmenge an Menschen, die man nicht überall und schon gar nicht an einem Ort trifft“, zu beginnen. Traditionell findet das Frühstück am ersten Berlinale-Wochenende statt, in der Berliner Niederlassung, mitten in Mitte.

Von Julia Teichmann

Generalsekretär Ebert lüftet das Geheimnis des Gartenzwergs. Generalsekretär Ebert lüftet das Geheimnis des Gartenzwergs. | © Uwe Steinert Der Rahmen ist ungezwungen und informell, obwohl es eine so originelle wie sympathische Preisverleihung gibt: Einige wichtige Filmpreise, die ihre Gewinner auf den vom Goethe-Institut ausgerichteten Festivals im Ausland nicht entgegennehmen konnten, werden nun hier von den Festivalleitern an die Filmschaffenden vergeben. Auf der kleinen Bühne hebt Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, einen goldenen Gartenzwerg in die Höhe und bemerkt augenzwinkernd: „Am Schluss werden Sie erfahren, was es mit diesem Kerl auf sich hat.“

Filmischer Kulturaustausch auf der Berlinale

Während also im größeren Nebenraum die Stimmen schwirren, herrscht hier gespannte Stille. In der Menge ist Victoria-Regisseur Sebastian Schipper zu sehen, weiter links der Schauspieler Florian Stetter und der Regisseur Dietrich Brüggemann. Minuten später vertritt Stetter, der in Dominik Grafs flirrender Liebesgeschichte Geliebte Schwestern den Friedrich Schiller spielt, seinen Regisseur auf der Bühne: „Er muss noch ganz schnell seinen aktuellen Film (Verfluchte Liebe deutscher Film) fertig stellen – denn der läuft nächste Woche hier auf der Berlinale!“
 
Graf wurde vom Dea International Film Festival in Albanien für sein Drehbuch ausgezeichnet. „Ich bin der glücklichste Mensch der Welt, weil ich diesen Film machen durfte.“ Mit Geliebte Schwestern und Dietrich Brüggemanns Kreuzweg sei er um die Welt gereist, nach China, Australien, Russland. Dafür sei er dem Goethe-Institut sehr dankbar, erzählt er später: „Vor allem für den Kulturaustausch: Plötzlich entstehen Brücken. Die Sprache des Films ist universell.“
 
Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, begrüßt die Gäste. Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, begrüßt die Gäste. | © Uwe Steinert Den filmischen Kulturaustausch fördert das Goethe-Institut auch auf der Berlinale: So lädt es gemeinsam mit der Berlinale im Rahmen des Berlinale-Talents-Programms seit vielen Jahren junge Kritiker aus aller Welt ein, die unter der Anleitung eines Mentors über die gezeigten Filme schreiben und sich mit internationalen Kollegen in Workshops austauschen. Oris Aigbokhaevbolo aus Nigeria, einer der Teilnehmer von 2015, berichtet von einem ungeheuren Schub für sein Selbstbewusstsein: „Ich komme aus Nollywood, einer Filmkultur, die nicht besonders entwickelt ist, was die Filmkritik betrifft. Das, was ich tue, hat auf einmal etwas bedeutet.“

Berlinale weltweit
 
Großer Andrang auf dem Berlinale-Frühstück. Großer Andrang auf dem Berlinale-Frühstück. | © Uwe Steinert Ein Projekt begeistert Johannes Hossfeld, seit kurzem Leiter des Bereichs Film, Fernsehen und Hörfunk in der Zentrale des Goethe-Instituts in München, ganz besonders: „Seit letztem Jahr verstärken wir die Zusammenarbeit mit der Berlinale im Ausland. Mit den Berlinale Spotlights findet die Berlinale das ganze Jahr hindurch statt.“ Die Spotlights sind ein Filmprogramm der Berlinale, das im Ausland gebucht werden kann. Auf diese Weise kommt das Festival zu den Menschen – weltweit.

Hossfeld persönlich freut sich nun besonders auf die zwei Filme des Dokumentarfilmemachers Philip Scheffner, die dieses Jahr im Forum laufen. Auch Generalsekretär Johannes Ebert ist, nach dem „satirischen Blick auf die wahre Welt“ der Coen-Brüder mit ihrem Eröffnungsfilm Hail, Caesar!, gespannt auf die neuen deutschen Filme. Besonders wichtig ist ihm das Medium Film im Zusammenhang mit den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen: So hat das Goethe-Institut 2015 das Projekt „Cinemanya“ aus der Taufe gehoben und 15 Filmkoffer für den Einsatz in Flüchtlingsunterkünften, Schulen und Kulturzentren gepackt. Flüchtlingskinder können, medienpädagogisch begleitet, nun 18 deutsche Kinder- und Jugendfilme synchronisiert oder mit arabischer Untertitelung sehen.
 
Im Umfeld der Berlinale fand am ersten Freitag ein verwandter Workshop für Medienschaffende statt. Er drehte sich um die aktuelle und drängende Frage, „wie Flucht medial kindgerecht dargestellt werden kann“.
 
Das aktuelle Theater- und Filmprojekt des Goethe-Instituts, Europoly, hat  in seinem filmischen Teil auch auf der Berlinale Premiere: Die sehr persönlichen und formal freien Kurzfilme über das „Neue Alte Europa“ werden im Arsenal 2 uraufgeführt. International und multiperspektivisch berichten auf der Homepage des Goethe Instituts 13 Journalisten als Berlinale Blogger.

Der beste und schönste aller Preise
 
Sebastian Schipper nimmt seinen Preis entgegen. Sebastian Schipper nimmt seinen Preis entgegen. | © Uwe Steinert Auf der Bühne nimmt Sebastian Schipper den Preis für die beste Regie entgegen, für seine zweistündige, leidenschaftliche Tour-de-Force durchs nächtliche Berlin Victoria – verliehen von Carlos Nuñez, Direktor des Santiago Festival Internacional de Cine. Schipper zeigt sich begeistert: „Am anderen Ende der Welt machen Leute diesen Trip durch Berlin – und er bedeutet ihnen was!“ Als deutschem Filmemacher gäben einem die Reisen mit den eigenen Filmen um die Welt „Selbstbewusstsein, sie machen einen stark“ und schärfen „das Bewusstsein für die Welt, aus der wir kommen und was wir erzählen aus dieser Welt“.
 
Da war doch noch etwas? Der goldene Gartenzwerg! Der Zwerg ist, so bedankt sich sein Gewinner Baran bo Odar, „der Beste und Schönste aller Preise“ – nämlich der Publikumspreis, den er für seinen Film Who Am I auf dem traditionsreichen, vom Goethe-Institut ausgerichteten Festival of German Films in Australien zugesprochen bekam. Der Zwerg hieße im Übrigen leider nicht Gartenzwerg, erläutert Johannes Ebert auf der Bühne, sondern „Golden Gnome“ – für seine wahre Identität setze er sich noch ein.