Opernfreunde Wagner erobert Kuba

Beginn einer Opernfreundschaft: Szene aus dem kubanischen „Tannhäuser“
Beginn einer Opernfreundschaft: Szene aus dem kubanischen Tannhäuser | Foto: Andreas Schiekofer

Richard Wagner im sozialistischen Kuba? Das passt irgendwie nicht, oder doch? Es tut sich derzeit schließlich einiges in dem Inselstaat. Und so erfreut sich neuerdings auch der deutsche Komponist einer immer größeren Beliebtheit. Mit Hilfe des Goethe-Instituts kam jetzt auch Tannhäuser nach Havanna.

Kaum hat Barack Obama Havanna verlassen, kommt schon der nächste ungewöhnliche Gast in die kubanische Hauptstadt: Richard Wagner. Es mag nicht ganz so historisch sein, wie der erste Besuch eines amtierenden US-Präsidenten seit 88 Jahren, doch eine Selbstverständlichkeit sind Aufführungen von Wagner-Opern im sozialistischen Kuba keineswegs. Unter Fidel Castro waren Opern nicht gern gesehen. Wenn vor der mittlerweile eingeleiteten Öffnung des Landes doch mal etwas gespielt wurde, waren es die italienischen Klassiker. Doch inzwischen erfreut sich die Oper großer Beliebtheit. Am Samstag nun feierte Wagners Tannhäuser im Opernhaus Alicia Alonso in Havanna Premiere.

Dabei ist das Projekt Tann(z)häuser in Wirklichkeit mehr als nur eine Oper. Es ist eine Mischung aus Tanz, Oper und Bildender Kunst. Auf die Beine gestellt hat es das Verbindungsbüro des Goethe-Instituts in Havanna gemeinsam mit dem Opernensemble Teatro Lírico Nacional de Cuba, der Kompanie Danza Teatro Retazos und dem Richard-Wagner-Verband International. Die beteiligten Künstler kommen aus Kuba, Deutschland und Österreich. Die Regie hat der Deutsche Andreas Baesler übernommen, es dirigiert der Österreicher Walter Gugerbauer. Unterstützt werden sie von dem Künstler Kcho, der mit aus Schiffsteilen gefertigten Installationen bekannt wurde. Die Stars auf der Bühne sind die jungen kubanischen Sänger Johana Símon und Marcos Lima sowie die Mitglieder von Danza Teatro Retazos.

Wagner backstage: Opern erfreuen sich in Kuba neuerdings einer großen Beliebtheit Wagner backstage: Opern erfreuen sich in Kuba neuerdings einer großen Beliebtheit | Foto: Andreas Schiekofer Für Símon und Lima ging im vergangenen Jahr ein Traum in Erfüllung: Im Rahmen eines Stipendiums durften sie auf dem Grünen Hügel in Bayreuth arbeiten. Solche Gelegenheiten sind für junge kubanische Opernsänger besonders wichtig, da es für sie im eigenen Land kaum Perspektiven gibt. Dirigenten und Regisseure, die sich der Oper widmen, fehlen in Kuba fast völlig. Das opernaffine Deutschland gilt daher als wichtiger Partner und Förderer. Vor Wagner waren es bereits Mozarts Zauberflöte oder Hans Werner Henzes Rezital El Cimarron, mit denen das recht übersichtliche Repertoire um Werke aus dem deutschsprachigen Raum erweitert wurde. Der Beginn einer wunderbaren kubanisch-deutschen Opernfreundschaft.

So waren denn Orchester, Chor, Tänzer und Solisten am Ende sichtlich stolz auf ihren Tannhäuser – und das Publikum schloss sich mit stehenden Ovationen dieser Meinung an. Dabei war die kulturelle Konkurrenz an diesem Wochenende in Havanna durchaus beachtlich. Denn auch „Los Rolling“ spielten auf der Insel, andernorts auch bekannt als Rolling Stones.

„Das Goethe-Institut hat das getan, was es am besten kann“, sagte Andreas Schiekofer, Leiter des Verbindungsbüros nach der Premiere: „Menschen zusammenzubringen die den Mehrwert eines Dialogs erkennen.“ Auch in der Karibik und im Kuba von heute trage dies meist die besten Früchte. „Kuba hat sich Wagner ertanzt, und Wagner ist in Kuba angekommen.“ Und der Solist Jorge Martinez ergänzte: „Es war das chaotischste, aber charmanteste Vergnügen der letzten vier Jahren.“

Der Tannhäuser war die erste Wagner-Produktion im Opernhaus Alicia Alonso überhaupt. Wagners karibisches Abenteuer begann jedoch schon vor gut zwei Jahren. Ende 2013 feierte die Oper Der Fliegende Holländer in Havanna Premiere – auf Deutsch. Die Beteiligten waren zu einem Großteil dieselben wie bei dem aktuellen Projekt. Die Aufführung wurde zu einem riesigen Erfolg. Sogar aus Deutschland waren einige Dutzend Wagnerianer angereist, um sich das Schauspiel nicht entgehen zu lassen.

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