„Tann(z)häuser“ Hinter Kubas Kulissen

Hinter den Kulissen des „Tann(z)häuser“
Hinter den Kulissen des „Tann(z)häuser“ | Foto: Andreas Schiekofer

Richard Wagner auf Kuba? Klingt fremd. Passt aber zusammen! Das vom Goethe-Institut gestiftete Projekt „Tann(z)häuser“ ist in Havanna zur umjubelten Premiere gekommen. Den durchaus hürdenreichen Weg dorthin zeichnet eine erhellende Reportage der 3sat-Sendung „Kulturzeit“ nach – in voller Länge abrufbar in der Mediathek.

Die kubanische Gesellschaft erlebt gegenwärtig eine Öffnung in vielen Bereichen. In der Ökonomie, der Forschung, und nicht zuletzt in der Kunst. „Da sind wir mit unserem Projekt mittendrin“, findet Regisseur Andreas Baesler. Er hat im sozialistischen Kuba das Richard-Wagner-Werk Tannhäuser als genreübergreifende Verbindung von Oper, Tanz und Bildender Kunst zur gefeierten Premiere gebracht, Tann(z)häuser betitelt – als erste Wagner-Produktion im Opernhaus Alicia Alonso überhaupt.

Hinter die Kulissen dieses ambitionierten Projekts blickt die Reportage Tannhäuser in Havanna, ausgestrahlt am 15. April in der 3sat-Sendung Kulturzeit und in voller Länge noch ein Jahr lang in der Mediathek des Senders abzurufen. Die Autoren Britta Zekorn und Jochen Beckmann beobachten und befragen das deutsch-österreichisch-kubanische Ensemble bei der Arbeit.

Singend nähern sich die kubanischen Hauptdarsteller Johana Símon und Marcos Lima der deutschen Sprache. Keine leichte Aufgabe. Zwar waren beide 2015 mit einem Stipendium in Bayreuth. Doch auf Kuba besitzt die Kunstform Oper keine gewachsene Tradition. Unter Castro war sie lange verpönt. Noch heute gibt es im sozialistischen Inselstaat kaum Dirigenten und Regisseure, die sich dem Musiktheater verschreiben.

Umso wichtiger sind deutsch-kubanische Koproduktion wie Tann(z)häuser, initiiert vom Verbindungsbüro des Goethe-Instituts Havanna, dem Opernensemble Teatro Lírico Nacional de Cuba, der Kompagnie Danza Teatro Retazos und dem Richard-Wagner-Verband International.Es ist immerhin schon die zweite Wagner-Premiere auf Kuba. 2013 kam in Havanna Der fliegende Holländer in deutscher Sprache zur Aufführung, teilweise mit dem gleichen Team.

Der Kulturzeit-Bericht beleuchtet neben den Proben auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Künstler auf Kuba. Viele müssen nebenbei weiteren Berufen nachgehen, um ihren Unterhalt bestreiten zu können. Fast nie habe er deshalb eine vollzählige Besetzung auf den Proben, beschreibt der österreichische Dirigent Walter Gugerbauer. Zum Spiegel eines Landes im Umbruch wird freilich auch die Tann(z)häuser-Produktion selbst. Schließlich erzählt sie die Geschichte eines Künstlers, der sich danach sehnt, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen.