Kongo Musik überall – ein Jahr Goethe-Institut Kinshasa

In Kinshasa spielt Musik eine große Rolle
In Kinshasa spielt Musik eine große Rolle | Foto: Gitte Zschoch

159 Goethe-Institute gibt es weltweit: Eines der jüngsten ist das Institut in der Hauptstadt des Kongo. Zum ersten Geburtstag erzählt Gitte Zschoch, Leiterin des Instituts, von der erstaunlichen Improvisationsgabe der Künstler im Land und der lebendigen Musikszene.

Frau Zschoch, wie haben Sie sich auf die Arbeit in einer Metropole vorbereitet, die gut neun Millionen Einwohner hat und nicht aufhört zu wachsen?

Während meines Volontariats am Goethe-Institut habe ich ein Jahr am Goethe-Institut in Johannesburg gearbeitet, das ist unser Regionalinstitut für die Region Subsahara-Afrika. Dort hatte ich bereits viele Kontakte mit den anderen Ländern der Region. Unter anderem ist in dieser Zeit auch die Idee entstanden, ein Büro in Kinshasa zu eröffnen, eine Idee, die uns alle begeistert hat.

Gitte Zschoch Gitte Zschoch | Foto: Bettina Siegwart Als ich im Anschluss an mein Volontariat in München eine Stelle in der Kommunikationsabteilung hatte, kam dann die Stellenausschreibung – und für mich war klar, dass ich mich bewerben muss. Eigentlich hatte ich Kinshasa über die ganze Zeit nicht aus den Augen verloren.

Welche Projekte haben Sie seit der Eröffnung im Februar 2015 schon auf den Weg bringen können?

Kinshasa ist die Hauptstadt der Musik, nicht nur im Kongo, sondern in ganz Afrika. Die Rumba congolaise ist über alle Grenzen Afrikas hinweg bekannt. Deshalb haben wir zusammen mit der Stiftung Music in Africa einen Workshop organisiert, der junge Musiker bei ihren ersten Schritten auf dem Weg zu einer professionellen Karriere unterstützt. Das war der Einstieg. Und wir haben ein Gastspiel von Gintersdorfer/Klaßen veranstaltet, einer Kompanie, die mit Deutschen, Ivorern und mit Kongolesen zusammengearbeitet hat. In dem Stück Mobutu choreographiert ging es um die Regierungszeit von Präsident Mobutu und seine Liebe zur Selbstdarstellung.

Das Gastspiel hat im Institut Français stattgefunden, wo wir auch lokalisiert sind. Wir hatten ein proppevolles Haus! Es war eine sehr sichtbare, große Veranstaltung.

Außerdem haben wir viel mit Initiativen vor Ort zusammengearbeitet: Im November 2015 fand an der Kunstakademie in Kinshasa in Zusammenarbeit mit Universitäten aus Johannesburg und São Paulo ein Symposium statt, auf dem wir uns der Frage gewidmet haben, wie Kunst und Kunstgeschichte im globalen Süden unterrichtet werden können.

Und welche Ansätze gibt es dafür?

Das wurde breit diskutiert, denn die Frage ist ja, wie ein Land des globalen Südens seine eigene Kunstgeschichte schreiben kann. Vor kurzem wurde in der Fondation Cartier in Paris die Ausstellung Kongo Kitoko gezeigt, die großes Aufsehen erregt hat und von einem französischen Kurator betreut wurde. Und daraus ergab sich die zentrale Frage für die Teilnehmer der Konferenz: Wie können wir als Kongolesen unsere eigene Kunstgeschichte schreiben? Und natürlich auch: Wie können die Kunsthochschulen des globalen Südens voneinander profitieren?

Das Goethe-Institut hatte einen Blog mit Posts aus aller Welt, „Liebe Heimat“. Darin finden sich auch Impressionen von Ihnen. Man sieht Männer, die mit einer Kiste, Bündeln aus trockenem Gras und Zweigen, die sie als Drumsticks nutzen, Musik machen. Man sieht auch improvisierte Ausstellungen auf Mauern unter freiem Himmel. Ist es auffällig, dass die Menschen all diese Lücken in Kinshasa nutzen, um sich auszudrücken?

Auch eine Kiste und trockenes Gras können Musikinstrumente sein. Auch eine Kiste und trockenes Gras können Musikinstrumente sein. | Foto: Gitte Zchoch Ja, auf jeden Fall. Das hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen und ich wollte es unbedingt in Liebe Heimat thematisieren. Das Goethe-Institut arbeitet im Moment intensiv zum Thema urbaner Raum. Kinshasa ist eine unheimlich große Stadt, die sehr dicht besiedelt ist. Die Improvisationskunst der Künstler ist wirklich enorm, weswegen – auch aufgrund der mangelnden Strukturen in der Kulturförderung – eben neue Räume genutzt werden.

Ein Künstler zum Beispiel hat einfach in seiner Wohnung ein Studio aufgemacht und seine Werke ausgestellt. Oft verfügen Musiker nicht über hochwertige Instrumente, sondern bauen sich mit dem, was sie haben, etwas Eigenes zusammen – zum Beispiel Schlagzeuge. Und ich finde, dass der Sound, der da entsteht, wirklich beeindruckend ist und etwas Besonderes für die Kunstszene in Kinshasa darstellt.

Wie überschaubar ist denn die Kunstszene in Kinshasa?

Es leben hier unheimlich viele Künstler aller Sparten. Wenn man sich den Kongo insgesamt anschaut, gibt es mit Goma, Lubumbashi und Kisangani noch weitere Städte, in denen es durchaus respektable Kunstszenen gibt. Kinshasa sticht da allerdings am stärksten heraus. Es gibt die Kunstakademie, es gibt das Institut National des Arts, also zwei große Ausbildungsstätten. Dann noch das Nationalmuseum und ein Museum für moderne Kunst.

Und die Stadt ist geprägt von zahllosen Strukturen. Bildende Künstler schließen sich oft in losen Kollektiven zusammen und arbeiten zu bestimmten Themen. Aber es gibt auch kleine private Strukturen wie zum Beispiel das KinArt Studio, ein Zentrum für Bildende Kunst, mit dem wir zusammenarbeiten und wo sich Künstler mit viel Eigeninitiative darum bemühen, neue Strukturen aufzubauen.

Transkription eines Gesprächs zwischen Gitte Zschoch und Sigrid Brinkmann, geführt am 15. Februar 2016 (Deutschlandradio Kultur)
 
Gitte Zschoch leitet seit dem 1. April 2015 das Goethe-Institut in der Demokratischen Republik Kongo. Die studierte Literaturwissenschaftlerin und Koreanistin war vorher in Johannesburg und München für das Goethe-Institut tätig.