Auszeichnung Gernot Rohr ist Fußball- botschafter

Preisverleihung in Berlin
Preisverleihung in Berlin | Foto: Deutscher Fußballbotschafter

Kurz vor der Europameisterschaft in Frankreich gab es in Berlin ein Fußballfest fernab des Rasens: die Kür des Deutschen Fußballbotschafters. Ausgezeichnet wurden eine Fußballlegende, ein Trainer, der sich stark im Ausland engagiert hat, und ein deutsch-türkischer Hoffnungsträger aus Liverpool.

Der Fußball verführt gern zum Gebrauch von Phrasen. Und nicht alle sind so schön wie die von Sepp Herberger. Das wissen nicht nur Kommentatoren. Aber manchmal stimmen sie halt einfach auch – zum Beispiel die vom Fußball, der über fast alle Gräben hinweg Brücken zu bauen vermag. Genau genommen ist es natürlich nicht der Ball, der sie baut, sondern die Menschen, die mit ihm zu tun haben: Spieler, Funktionäre und besonders häufig Trainer. Die engagiertesten unter ihnen zu ehren, das hat sich der Verein Deutscher Fußballbotschafter zum Ziel gesetzt. Auch das Goethe-Institut ist Partner der Initiative. Am Mittwochabend, nur wenige Wochen vor Beginn der EM in Frankreich, wurden die diesjährigen Preisträger ausgezeichnet – von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und seinem französischen Amtskollegen Jean-Marc Ayrault.



Bei der Vergabe des Preises hat der Verein dabei wieder drei absolute Paradebeispiele erwischt. Zunächst beim Hauptpreis: Der Preisträger ist gebürtiger Deutscher, hat aber einen Großteil seines Lebens in Frankreich verbracht, die dortige Staatsbürgerschaft angenommen, wenn er Deutsch spricht, vermeint man schon einen französischen Akzent zu hören, und auf die Frage, ob er sich mehr als Deutscher oder als Franzose fühlt, antwortet er: „Als Europäer“. Gernot Rohr ist der Fußballbotschafter 2016.

Geboren wurde Rohr 1953 in Mannheim. Seine ersten Vereine waren Neckarau, Bayern München und Kickers Offenbach. Fußballgeschichte schrieb er als Spieler dann aber vor allem bei Girondins Bordeaux, dem Verein, mit dem er in den Achtzigerjahren dreimal die französische Meisterschaft gewann. Seither arbeitet Rohr vor allem als Trainer. Nach Engagements bei Vereinen in Frankreich, Österreich, der Schweiz und Tunesien trainierte er seit 2010 mehrere Nationalmannschaften in Afrika, zunächst Gabun, dann Niger und im Jahr 2015 Burkina Faso.



Im Dezember trat er wegen der schwierigen politischen Lage im Land als Nationaltrainer zurück, nachdem sich die Mannschaft kurz zuvor noch in der 2. Runde der WM-Qualifikation in zwei Spielen gegen Benin durchgesetzt hat. Damit erreichte Burkina Faso die Gruppenphase der Afrika-Ausscheidung. Mit seinem Preisgeld will Rohr die Fußballschule der deutsch-burkinischen Gesellschaft in Ouagadougou unterstützen, die nach den Wirren der Revolution stark beschädigt ist. Neben Rohr waren die Trainer Burkhard Pape und Erich Rutemöller für den Hauptpreis nominiert worden. „Der Award macht mich stolz, und die Übergabe durch meinen ehemaligen Teamkollegen Dieter Müller hat mich besonders gefreut“, sagte Rohr in Berlin. Und Außenminister Steinmeier sagte: „Wie sehr die Fußball-Kultur Deutsche und Franzosen verbindet, das weiß kaum jemand besser als Gernot Rohr. Wenn in seiner Brust zwei Herzen für den Fußball schlagen, dann ist wohl eines deutsch und eines französisch.“

Den Ehrenpreis vergab die Jury des Deutschen Fußballbotschafters in diesem Jahr an Karl-Heinz Schnellinger. Es gibt nicht viele deutsche Fußballspieler, die an gleich vier Weltmeisterschaften teilgenommen haben. Ein bisschen muss es einen als Spieler da doch wurmen, wenn es ausgerechnet die Turniere von 1958 und 1970 waren – und man somit genau die beiden Titel 1954 und 1974 verpasste. Andererseits: Eine Fußballlegende wie Schnellinger, dem genau dies passierte, dürfte da drüber stehen.

Schnellinger galt zu seiner Zeit als einer der besten Verteidiger der Welt. Legendär war sein Tor bei der WM 1970 zum 1:1 im „Jahrhundertspiel“ zur Verlängerung gegen Italien (Endstand 3:4). Als einer der ersten deutschen Fußballer ging er ins Ausland und feierte mit dem AC Mailand große Erfolge. Die Laudatio auf Schnellinger hielt eine andere Fußballlegende: Uwe Seeler. Die beiden kennen sich seit langem, schließlich standen sie bereits bei dem legendären WM-Finale 1966 im Wembley-Stadion gemeinsam auf dem Rasen.

Aber auch die Fans haben bei der Preisvergabe des Deutschen Fußballbotschafters ein Wörtchen mitzureden. So wurde auch dieses Jahr der dritte Preisträger von ihnen gekürt: Emre Can erhielt als einer von elf Nominierten den Publikumspreis. Der 22-jährige Frankfurter spielt derzeit beim FC Liverpool. Aus diesem Grund konnte Can auch nicht zur Preisverleihung kommen – zeitgleich spielte Liverpool gegen Chelsea.

In einer Videobotschaft wandte sich Can deshalb an das Publikum im Auswärtigen Amt in Berlin: „Es ist mir eine große Ehre, den Publikums-Preis Deutscher Fußball Botschafter zu bekommen“, sagte er. „Klar, ich arbeite jeden Tag hart dafür und gebe alles im Spiel und im Training, deswegen kann ich nur ,Danke’ sagen.“ Vor Can hatten Sami Kheidira, André Schürrle und Mesut Özil den Preis gewonnen. „Große Fußballer mit großen Namen haben diesen Preis schon bekommen, und jetzt dazuzukommen ist schon etwas Schönes."

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