Deutschlandjahr Mex, Dix und die Freunde des Vulkans

Das Bundesjugendorchester
Das Bundesjugendorchester | Foto: Bundesjugendorchester

Die deutsch-mexikanische Freundschaft ist tief, wird meist allerdings fernab des Rampenlichts gelebt. Das wird sich nun ändern: Im Juni beginnt in Mexiko das Deutschlandjahr – mit mehr als 1000 Veranstaltungen im Laufe der nächsten zwölf Monate. Einer der Höhepunkte kommt aus Gera.

Dienstag, 22. März 1803: Im Hafen von Acapulco geht ein Berliner nach der Überfahrt von Ecuador an Land. Für den Deutschen – der unter spanischer Flagge reist – beginnt ein aufregendes Jahr in dem nordamerikanischen Land, über das man hierzulande noch reichlich wenig weiß. Alexander von Humboldt, so heißt der Mann, erkundet die Umgebung der Hafenstadt und schlägt sich dann von der Pazifikküste aus bis in die Hauptstadt Mexiko-Stadt durch. Dort entziffert er den großen aztekischen Kalenderstein, der auf der Plaza Mayor ausgegraben wurde, dann reist er weiter, besucht Bergwerke und Entwässerungsanlagen und besteigt schließlich den Vulkan El Jorullo.

Die erlebten Abenteuer vertraut Humboldt seinem Tagebuch an. Allein die Erzählungen über den erst 44 Jahre zuvor entstandenen Vulkan begeistern unzählige Leser daheim, Abenteurer machen sich auf den Weg über den Ozean, um El Jorullo ihre Aufwartung zu machen. Mexiko begeistert. Es ist der Beginn einer jahrhundertelangen Freundschaft.

Montag, 6. Juni 2016: Ein Politiker aus Berlin steigt in Mexiko-Stadt aus dem Flugzeug. Der Weg dorthin ist für Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier weit weniger beschwerlich, als er es für Humboldt war, aber die Begeisterung ist noch immer da. So kann es auch nicht verwundern, dass Steinmeier kommt, um das Deutschlandjahr in Mexiko zu eröffnen. Ein Jahr, das es in sich hat: Unter dem Motto „Allianz für die Zukunft“ finden hier in den kommenden zwölf Monaten über 1000 Veranstaltungen statt. Wissenschaft, Kultur, Bildung, Innovation, Mobilität und Nachhaltigkeit – das Themenspektrum ist breit gefächert. „Mexiko ist als Mitglied der G20 ein wichtiger Partner Deutschlands bei der Lösung globaler Zukunftsfragen“, sagt Steinmeier. „Deshalb wollen wir unsere politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit weiter ausbauen und unsere Gesellschaften enger miteinander vernetzen.“

Einen Höhepunkt dieses Deutschlandjahres bieten die Organisatoren schon gleich zum Auftakt. Zugegeben, allzu schwer ist dies nicht, denn das Veranstaltungsprogramm des Deutschlandjahres ist voll von Höhepunkten. In diesem Fall ist es ein musikalischer: Ein deutsch-mexikanisches Jugendorchester, das allein für diesen Zweck zusammengestellt worden ist, spielt unter Leitung der Dirigentin Alondra de la Parra im Palast der Schönen Künste in Mexiko-Stadt. Ebenfalls am Eröffnungstag wird der Deutsche Pavillon im Gebäude der ehemaligen Galería OMR im Herzen der Hauptstadt eingeweiht, abends folgt dann eine Creative Night mit elektronischer Musik und Kunst-Performances im neuen Hub des Berliner Kreativnetzwerks Platoon.

Durchs „Science Tunnel“ ins 21. Jahrhundert

Apropos Höhepunkte: Im Juni und Juli wird im Rahmen des Deutschlandjahres eine Werkschau von Otto Dix zu sehen sein, mit dem Titel: Passion, Gewalt und Leidenschaft. Dix und Mexiko, das passt besonders gut, wie der Direktor der Geraer Kunstsammlung, Holger Peter Saupe, dem MDR sagte. Der mexikanische Realismus ähnele in seinem Ausdruck stark dem Stil von Dix. Und auch der Termin liegt gut, schließlich wird in diesem Jahr der 125. Geburtstag des Künstlers aus Gera gefeiert. Aus diesem Anlass würden drei Gemälde aus dem Bestand der Kunstsammlung sowie zehn Dauerleihgaben der Otto-Dix-Stiftung in Liechtenstein nach Mexiko gebracht. Darunter sind etwa das Selbstbildnis als Raucher von 1914 und Der heilige Christophorus von 1939. Dix polarisiere mit seinen Werken bis heute. „Er hat uns die Ereignisse des Ersten Weltkriegs vor Augen geführt“, so Saupe.

Weitere Glanzlichter: Mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit wird sich eine ganze Themenwoche auseinandersetzen. Der in Deutschland lehrende mexikanische Professor für Intelligente Systeme, Raúl Rojas, wird in dem Projekt Visionen städtischer Mobilität gemeinsam mit mexikanischen Universitäten die Entwicklung autonom gesteuerter Autos vorantreiben. Auf der Industriemesse Hecho en Alemania werden etliche in Mexiko ansässige deutsche Unternehmen ihre Innovationen zeigen. Und im Science Tunnel der Max-Planck-Gesellschaft schließlich werden die Megatrends der Wissenschaft des 21. Jahrhunderts präsentiert.

Eine Besonderheit des diesjährigen Deutschlandjahres: Es beruht völlig auf Gegenseitigkeit. Denn zeitgleich findet in Deutschland ein Mexiko-Jahr statt. Eröffnet wurde es bereits im April bei einem Staatsbesuch von Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto und seiner Frau Angelica Rivera in Berlin. Auch hier gibt es Konzerte, Theateraufführungen, Veranstaltungen aller Art – darunter auch die Ausstellung Die Maya – Sprache der Schönheit im Berliner Martin-Gropius-Bau.

Ob auf politischer Ebene, in der Wirtschaft oder bei der Bildung: Mexiko und Deutschland pflegen bereits seit Jahrzehnten enge Beziehungen miteinander. In der kulturellen Zusammenarbeit spielt das Goethe-Institut eine herausgehobene Rolle. Das 1966 in Mexiko-Stadt gegründete Institut bietet neben intensiver Spracharbeit ein hochwertiges, modernes Kulturprogramm. Das Deutschlandjahr in Mexiko wird von der Bundesrepublik Deutschland veranstaltet. Für die Projektleitung vor Ort ist das Goethe-Institut Mexiko zuständig.

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