Music in Africa Online-Plattform für Afrikas Musikszene

Die Musiker Kunle Ayo aus Nigeria und Oliver Mtukudzi aus Zimbabwe.
Die Musiker Kunle Ayo aus Nigeria und Oliver Mtukudzi aus Zimbabwe. | Foto: Dave Durchbach

54 Länder, 10.000 Künstler, eine Plattform: Um Kenntnisse in der afrikanischen Musiklandschaft zu vertiefen und Kooperationen zu ermöglichen, ist seit 2014 die Plattform „Music in Africa“ online. Der Clou: Jeder kann an der Seite mitarbeiten, Inhalte hinzufügen und so zu einem umfassenden Bild beitragen.

Über 54 Länder verteilt sich die Musiklandschaft in Afrika variantenreich. Doch Informationen oder fundierte Kenntnisse über den klanglichen Reichtum und das vielfältige musikalische Leben auf dem Kontinent sind äußerst schwer zu finden und zu bündeln. Nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika selbst. Auch wenn sich Musik in starkem Maß mit kultureller Identität verbindet, ist ein Erfahrungsaustausch unter Musikschaffenden selbst mit den unmittelbaren Nachbarländern bislang kaum vorhanden gewesen.

Eine fest im Kulturbetrieb verankerte und strukturierte Musikindustrie baut sich in Afrika erst langsam auf. Nur selten findet man Labels, über die sich beispielsweise junge Musiker am Markt etablieren können. Vor diesem Hintergrund will „Music in Africa“ die öffentliche Wahrnehmung stärken und Netzwerke innerhalb der afrikanischen Musikkultur ausbauen.



Gut recherchierte Informationen

Kostenlos und frei zugänglich dient das Onlineportal seit 2014 als Wegweiser, Musik aller stilistischen Richtungen aus Afrika weltweit bekannt zu machen und bietet fundierte Informationen zum Musikleben Afrikas an. Dabei geht es um die Vermittlung von musikalischen Traditionen ebenso wie um die Verbreitung gesellschaftlich relevanter Themen über Protestmusikbewegungen.

Das ambitionierte Projekt „Music in Africa“ bietet als gemeinsame Initiative der Siemens Stiftung und des Goethe-Instituts mit Partnern aus ganz Afrika eine multimediale Austauschplattform: Über die Website können sich Musikerinnen und Musiker sowie Interessierte zum regionalen Musikschaffen Afrikas informieren.

Teilnehmende einer „Music in Africa“-Paneldiskussion in Nairobi. Teilnehmende einer „Music in Africa“-Paneldiskussion in Nairobi. | Foto: Julian Manjahi Natalie von Siemens, geschäftsführender Vorstand der Siemens Stiftung, betont die Notwendigkeit kultureller Arbeit für nachhaltige gesellschaftliche Entwicklungen:

„Kultur ist für uns insofern wesentlich, als wir wahrnehmen, dass sie einen elementaren Einfluss auf die Qualität von Beziehungen, auf das Verhältnis des Menschen zu der Gesellschaft und auf Transformationen hat. Die vielfältigen Veränderungsprozesse, die wir in allen Gesellschaften sehen, zeigen, dass Künstler eine sensible Wahrnehmung für Veränderungen haben. Uns geht es bei diesen Transformationen darum, im Blick zu behalten, wo und was kulturelle Identität ist, wie soziale Kohäsion und wie Zusammenleben in Gesellschaften gelingt.“

Qualitätssicherung durch lokale Fachkräfte

Verantwortlich für die inhaltlichen Aspekte und den Aufbau von „Music in Africa“ ist die 2013 gegründete Africa-Foundation, eine panafrikanische Organisation mit Sitz in Südafrika. Für die Qualitätssicherung sorgen vor Ort Fachkräfte aus Wissenschaft, Pädagogik und Journalismus, damit ein zuverlässiges – und nicht durch europäische Wahrnehmungen verfälschtes – Bild über die Musiklandschaft, Instrumente und einzelne Genres entsteht.

Grundlegende Aufbauarbeiten, die auch offline angeboten werden, konzentrieren sich auf Kulturmanagement oder rechtliche Fragen, die zum Beispiel das Copyright betreffen. Übersichtsartikel zu Musikerinnen und Musikern, Kritiken, Unterrichtsmaterial und Kontaktdaten können die Besucherinnen und Besucher einsehen, wenn sie auf Directory, Education Magazine oder Resources klicken. Dabei müssen auch die sehr verschiedenen Märkte in Afrika bedient werden – Internetverbindungen sind oft nicht ausreichend und Smartphones keine Selbstverständlichkeit.

Die Band Macase während eines Auftritts in Kamerun. Die Band Macase während eines Auftritts in Kamerun. | Foto: Simon Messina Jens Cording, Projektleiter von Music in Africa, Siemens Stiftung:

„Die afrikanische Musiklandschaft ist mindestens so reichhaltig wie die ganze europäische zusammen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Stile, die unter anderem auf amerikanischem Pop oder Jazz basieren, aber auch von der lokalen Tradition geprägt sind. Ein wichtiges Genre ist beispielsweise Hip-Hop: Allein im Senegal gibt es 10.000 Hip-Hop-Künstlerinnen und -Künstler. Sie haben einen enormen politischen Einfluss im Senegal und in Mali. Dort thematisieren die Musikerinnen und Musiker Aspekte, die einschneidend für die Gesellschaften sind, wie Überlebenskampf versus Lebensqualität. Auf der anderen Seite sagen die Hip-Hopper den Jugendlichen: Bitte packt nicht eure Koffer, geht nicht nach Europa, sondern gestaltet hier euer eigenes Leben – und geht nicht in eine destruktive Opposition, sondern fokussiert das Positive."

100.000 Klicks pro Monat

Etwa 10.000 Musikerinnen und Musiker präsentieren sich derzeit mit eigenem Profil, 100.000 Klicks pro Monat verzeichnet die Seite – Tendenz steigend. Vor dieser Kulisse lässt sich der Austausch unter den Künstlerinnen, Pädagogen und Neugierigen etablieren, und der Musikjournalismus stärken. Nathalie von Siemens weiß: „Musik ist in allen afrikanischen Kulturen ein gleichwertiges Kommunikationsmittel wie Sprache und damit ein wesentlicher Ort der gesellschaftlichen Interaktion.“

Dass dieses Projekt besonderes Potential birgt, betont auch der aus Nigeria stammende Musiker Ade Bantu. Für ihn spricht Musik Gefühle auf besondere Weise an und verschafft oftmals mehr Gehör als politische Aktionen. Sein Fazit: „Musik ist die Waffe der Zukunft.“


Der Text von Yvonne Petitpierre erschien erstmals auf Deutschlandfunk am 26. Juli 2016. Der Text wurde redaktionell bearbeitet und gekürzt.