Glossar Papierrestaurierung Wissen teilen, Kultur erhalten

Vorbereitung von Einbandleder zur Restaurierung von Bucheinbänden.
Vorbereitung von Einbandleder zur Restaurierung von Bucheinbänden. | Foto: Sun-Yat-Sen Universität Guangzhou

Was bedeutet „Massenentsäuerung im Lösemitteltränkverfahren“ auf Mongolisch, „Holzdeckleinband“ auf Chinesisch oder „Albertina-Kompresse“ auf Koreanisch? Ein mehrsprachiges Glossar des Goethe-Instituts bietet ein einzigartiges Hilfsmittel für Expertinnen und Experten der Buchrestaurierung.

Seit 2008 organisiert das Goethe-Institut Hongkong in Kooperation mit der Sun-Yat-sen-Universität in Guangzhou (Süd-China) und dem Nationalen Zentrum für Bestandserhaltung und Restaurierung in China Fortbildungen zur Bestandserhaltung und Papierrestaurierung westlicher Druckschriften. In deren Rahmen entstand das erste mehrsprachige Glossar zur Papierrestaurierung. Denn oftmals fehlte ein Hilfsmittel für die Übersetzung des Fachwissens in die jeweilige Landesprache.

Pinsel und Bürsten zur Papierbehandlung in einer chinesischen Restaurierungswerkstatt. Pinsel und Bürsten zur Papierbehandlung in einer chinesischen Restaurierungswerkstatt. | Foto: Sun-Yat-Sen Universität Guangzhou Das Glossar als Kommunikations- und Arbeitsinstrument hilft, eine korrekte und einheitliche Terminologie anzuwenden. Besonders wichtig ist das für Begriffe, die kein echtes sprachliches Äquivalent haben – europäische Bücher werden bekanntlich anders gebunden als asiatische. Deshalb ist manche Bezeichnung vor Ort völlig unbekannt.

Ein Jahr nach seiner Einführung wurde das Glossar zusätzlich in die mongolische Sprache und 2015 ins Japanische übersetzt. Nun liegt es in insgesamt sechs Sprachen vor und ist damit einzigartig im Bereich der Papierrestaurierung.

Über sprachliche Grenzen hinweg jonglieren

Geschädigte Blätter werden im Reinigungsbad behandelt. Geschädigte Blätter werden im Reinigungsbad behandelt. | Foto: Sun-Yat-Sen Universität Guangzhou Der Leiter des Dezernats Historische Bestände der Universitäts- und Landesbibliothek Münster, Reinhard Feldmann, der das Glossar mitinitiiert hat, berichtet über dessen Entstehungsgeschichte:

„Es ist immer wieder faszinierend und nötigt Respekt ab, wie Dolmetscher auf Konferenzen mit Begriffen jonglieren: In allen Sprachen, auf allen Sachgebieten. Allerdings stoßen diese bisweilen auch an Grenzen: Oftmals perfekt im allgemeinen Sprachgebrauch daherkommend, aber mitunter sehr unsicher in der Fachterminologie. Diese Erfahrungen mussten auch wir machen: Organisatoren von Konferenzen zur Bestandserhaltung in China, Korea, auf den Philippinen oder in Vietnam. Überall stießen wir, aber auch die Restauratorinnen und Restauratoren sowie die Dolmetscher an sprachliche Grenzen. Aber wer weiß auch schon auf Anhieb, was ,Massenentsäuerung im Lösemitteltränkverfahren‘ auf Mongolisch, ,Holzdeckleinband‘ auf Chinesisch oder ‚Albertina-Kompresse“ auf Koreanisch bedeuten?“

Mehr als 500 Fachbegriffe in sechs Sprachen

Restauratorinnen erproben das Einfärben von Restaurierungsmaterialien. Restauratorinnen erproben das Einfärben von Restaurierungsmaterialien. | Foto: Sun-Yat-Sen Universität Guangzhou Mehr als 500 Fachbegriffe wurden von einem internationalen Team in sechs Sprachen übersetzt und nach einer ersten Druckauflage in ein Softwareprodukt verpackt. Dieses erkennt sowohl lateinische als auch nicht-lateinische Zeichen und gibt sie auf E-Readern korrekt wieder. Somit können alle Begriffe auf Deutsch, Englisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch und Mongolisch vergleichend oder per Register in einzelnen Landessprachen abgerufen werden. Illustrationen erleichtern zusätzlich das Verständnis.

Zugang für alle: Das Glossar als Online- und Printprodukt

Neben der Onlineversion erscheint das Glossar Papierrestaurierung auch als Printprodukt und kann so auch in Gegenden ohne Internetzugang oder mit Zensur genutzt werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Universitäten, Restaurierungswerkstätten, Archiven und Bibliotheken können sich mit seiner Hilfe ein überregionales Wissen aneignen und bekommen einen Überblick über die Terminologie und Methodik bestandserhaltender Techniken westlichen Schriftguts.

Das Glossar zur Papierrestaurierung liegt auch im digitalen Format vor. Das Glossar zur Papierrestaurierung liegt auch im digitalen Format vor. | Foto: Goethe-Institut e.V. Für Maßnahmen zur Erhaltung von gedrucktem Kulturerbe in Ostasien ist das Glossar ein wichtiges Instrument, um die sprachliche Brücke zwischen Ost und West auszubauen.

Von Michaela Bodesheim
Michaela Bodesheim leitet in Hongkong den Fachbereich Information und Bibliothek.