Hausbesuch Hallo Europa, jemand zuhause?

Bei ihren „Hausbesuchen“ finden sich Gäste in ganz unterschiedlichen europäischen Lebenswirklichkeiten wieder.
Bei ihren „Hausbesuchen“ finden sich Gäste in ganz unterschiedlichen europäischen Lebenswirklichkeiten wieder. | Foto: Caroline Lessire

Mit dem „Hausbesuch“ schleust das Goethe-Institut zehn Autoren in den Alltag europäischer Stadtbewohner ein. Die Gastgeberinnen und Gastgeber offenbaren ein Stück ihrer Lebenswirklichkeit, die Gäste schreiben darüber. Ein literarisch-verbindendes Miniatur-Europa entsteht und erscheint jetzt als sechssprachiges E-Book.

Über sieben Monate hinweg besuchten zehn bekannte Autorinnen und Autoren aus Portugal, Spanien, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Italien und Deutschland 17 europäische Städte. Dort öffnen Einheimische – Tattoo-Künstler in Porto, Fußballfans in Freiburg oder ein Devotionalienhändler in Palermo – ihre Türen und gewähren Einblicke in ihre Lebenswelt. Ihre persönlichen Eindrücke halten die Autoren literarisch fest.

Einmal in der Woche erscheint hier eine neue Geschichte zum Download – auf sechs Sprachen.

Geistige Brücken bauen

Den Anfang macht Marie Darrieussecqs Geschichte über ihre „Hausbesuche“ in Neapel und Dresden. Die französische Schriftstellerin schreibt darin: „Europa ist gleichzeitig das rosige Blau der Bucht von Neapel und das sehr grüne Grün der Elbufer. Das Süßwasser und das Salzwasser. Hügel und Vulkan, Birken und Olivenbäume, ganz andere Weine.“

Die französische Schriftstellerin Marie Darrieussecq besuchte bei ihrem „Hausbesuch“ Neapel und Dresden. Die französische Schriftstellerin Marie Darrieussecq besuchte bei ihrem „Hausbesuch“ Neapel und Dresden. | Foto: Martin Devrient Im Gespräch mit ihren Gastgebern, einer neapolitanischen Familie, möchte sie wissen: „‚Was sind heutzutage die größten Probleme in Ihrer Stadt?‘ Da haben sie gelacht: ‚Sie meinen, außer der Camorra?‘ Sie erklärten mir: die Verwaltung, die Polizei, der Straßenverkehr, alles lasst sich in Neapel schlagartig lahmlegen und wieder freigeben, gegen Geld oder großen Ärger.“

Weiter ging es nach Dresden. Eine Stadt ohne Mafia, aber „man fragt sich, wovor Dresden Angst hat – denn Angst hat die Stadt. Hier kam vor zwei Jahren die Pegida-Bewegung auf, und die Stadt ist zweigeteilt: die einen sagen Ja zu den Geflüchteten, die anderen Raus. Die einen wollen Europa, die anderen hassen es. In diesem Sinne ist Dresden typisch europäisch.“

In Dresden ist Marie Darrieussecq zu Gast bei der Stadtführerin Grit Werner. Die beiden sprechen über die Vergangenheit der Stadt und deren Aufarbeitung. Dresden, eine Stadt, „die im Selbstgefühl der Unschuld lebt. Grit und ich überlegen bei einem Glas Wein aus der Gegend, was wohl die Bombardierung der Stadt und die Angst vor den Migranten miteinander verknüpft.“ Gerne hätten die beiden sich noch tagelang ausgetauscht über dieses gemischte Europa.

Begleiten Sie Marie Darrieussecq im folgenden Video bei ihrem Hausbesuch.
 
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