60 Jahre Goethe-Institut Ankara Die Dinge beim Namen nennen

Präsident Klaus-Dieter Lehmann spricht mit dem Künstler Ünsal İçöz.
Präsident Klaus-Dieter Lehmann spricht mit dem Künstler Ünsal İçöz. | Foto: Mert Öner

Die deutsch-türkischen Beziehungen sind derzeit belastet. Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, betonte in seiner Rede anlässlich des 60-jährigen Jubiläums des Goethe-Instituts in Ankara, dass es daher umso wichtiger sei, den Dialog aufrechtzuerhalten und als Garant für Meinungsfreiheit in Erscheinung zu treten. „Es mag bessere Zeitpunkte für eine Jubiläumsfeier geben, aber sicher keinen notwendigeren”, sagte er.
 

Das 1957 eröffnete Goethe-Institut Ankara ist eines der ältesten Institute weltweit. Dank der intensiven kulturellen sowie bildungspolitischen Zusammenarbeit ist es fester Bestandteil der künstlerischen und kulturellen Szene. Angesichts der aktuellen Lage haben sich die Arbeitsbedingungen vor Ort jedoch verschlechtert: Stipendiaten aus Förderprogrammen werden in die Türkei zurück beordert, aufgrund der Sicherheitslage und der politischen Repressionen reisen immer weniger Wissenschaftlerinnen und Künstler in die Türkei.

Eine Tänzerin beim Begleitprogramm der Eröffnung. Eine Tänzerin beim Begleitprogramm der Eröffnung. | Foto: Mert Öner

Klischees auflösen und Vertrauen schaffen

Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, sagte, dass es gerade in diesen Zeiten von Bedeutung sei, Klischees aufzulösen und Vertrauen zu schaffen: „Die wechselhafte Geschichte in der Türkei und in Deutschland hat immer wieder gezeigt, wie wichtig eine offene und diskursfähige Debatte für die Entwicklung einer Gesellschaft ist. Kunst, Kultur und Wissenschaft sind weder die Spielwiese für Intellektuelle und Künstler noch das Propagandainstrument des Staates, sie sind ein essentieller Bestandteil der Gesellschaft selbst.“ Lehmann verwies auf zahlreiche Beispiele einer gelungenen Zusammenarbeit, auf das Programm „SinemaDans Ankara“ etwa, mit dem das Goethe-Institut in Ankara die größte Tanzfilmplattform der Türkei geschaffen hat, oder auch auf die jahrelange Unterstützung deutsch-türkischer Theaterproduktionen zwischen dem Staatstheater Ankara und dem Theater an der Ruhr. Um die deutsche Sprache und Literatur zu vermitteln, wurden in und um Ankara zudem etliche Wanderausstellungen mit kulturellem Begleitprogramm realisiert, wie die erfolgreiche Buchausstellungsreihe „Bücher überwinden Grenzen“, die sich gesondert an Kinder und Jugendliche richtete.

Der Empfang zu Beginn der Feierlichkeiten. Der Empfang zu Beginn der Feierlichkeiten. | Foto: Mert Öner

Am Puls der Zeit

Diese Beispiele verdeutlichten die Bandbreite und die Nähe zu zentralen gesellschaftlichen Fragen, so Lehmann. Das Goethe-Institut in Ankara sei nahe am Puls der Zeit. „Wir wollen noch weitere Jubiläen in Ankara begehen und auch weiterhin die Dinge beim Namen nennen.“