IKAT/eCUT in Jakarta Die schnelle Mode kommt aus der Mode

Besucher des Begleitprogramms For Keepsake, Keep Me
Besucher des Begleitprogramms For Keepsake, Keep Me | Foto: Ramos Pane

Traditionelles Handwerk, faire Produktion, zeitgenössisches Design: Die Textilresidenzen im Rahmen des Projekts IKAT/eCUT bringen sechs Designerinnen aus Deutschland mit Produzenten traditioneller Textilien in Indonesien, Malaysia, den Philippinen und Thailand zusammen. „Fast Fashion – The Dark Side of Fashion“ ist eine Ausstellung im Rahmen des Projekts.

Textilien sind dabei, unsere Lebenswelten zu verändern: Als Träger moderner Technologie können sie inzwischen weit mehr als nur vor Wärme und Kälte schützen. „IKAT“ ist ein traditionelles Gewebe asiatischen Ursprungs, das durch eine spezielle Färbetechnik sein typisches Muster erhält.
Neben dem Töpfern ist die Textilkunst die älteste Kulturtechnik überhaupt; gleichzeitig ist das textile Raster das Ur-Netz der digitalen Revolution, welche die Formen der Kommunikation, der Umweltwahrnehmung und der Lebenswelt in Zukunft radikal beeinflussen und verändern kann. Das Projekt „IKAT / eCUT“ verknüpft nun Tradition und Zukunft von Textilien im Rahmen eines einzigartigen Residenzprogramms.

Textiles Ungleichgewicht

Die Modewelt ist geprägt vom ständigen Verlangen nach neuen Kollektionen, besseren Preisen und schnellerer Produktion. Gleichzeitig bildet sie einen der wichtigsten Industriezweige weltweit. Neunzig Prozent der Bekleidung des europäischen und amerikanischen Marktes werden in Ländern wie China, Bangladesch, Vietnam oder Kambodscha kostengünstig produziert. In der Berechnung der Artikelpreise machen die Gehälter der Textilarbeiter nicht mehr als ein oder zwei Prozent aus.
In Jakarta setzen sich die Residenten des Textilprojekts „IKAT/eCUT“ im März und April 2017 mit dem Thema Textil, Design und Nachhaltigkeit auseinander und gestalten im Austausch mit lokalen Produzenten neue Produkte.

„Fast Fashion – The Dark Side of Fashion“

Ein Teil der Ausstellung Ein Teil der Ausstellung | Foto: Shera Rindra Im Zentrum einer Vielzahl von Veranstaltungen steht die Ausstellung „Fast Fashion – The Dark Side of Fashion“ des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg,die nach einer Einladung des Goethe-Instituts nach Manila nun in Jakarta halt macht. Sie lädt das Publikum ein, einen Blick hinter die Fassade von Textilindustrie, Mode und Konsumwelt zu werfen. Einflüsse von Massenproduktion werden kritisch beleuchtet, nachhaltige Alternativen werden aufgezeigt.

Konsum, Ökonomie und Ökologie

Das System der Bekleidungsindustrie und ihre globalen sozioökonomischen und ökologischen Konsequenzen werden aus verschiedenen Perspektiven heraus untersucht: Mode und Opfer, Armut und Überfluss, global und lokal, Gehälter und Verdienste, Kleidung und Chemikalien, Kleidung und Ökobalance.
„Fast Fashion“ steht für spezielle Produktionsbedingungen der Massenproduktion, die günstig Markenprodukte kopiert und verkauft. Diese Art von Mode hat einen neuen Konsumententypus hervorgebracht, der eine Wegwerf-Couture besitzt, ohne die zum Produkt führenden Umstände zu beachten.
 

Slow Fashion Laboratory

Im Kontrast dazu werden im „Slow Fashion Laboratory“ nachhaltige Mode, Textilien, Initiativen und Praktiken, vorwiegend aus Indonesien, vorgestellt. Gearbeitet wird mit Rohmaterialien, Upcycling oder technischen Prozessen. Die Besucherinnen und Besucher erhalten Einblick in einen ethisch einwandfreien Kleiderschrank und in den gesamten Produktionsprozess.

Begleitprogramm

Begleitend zur Ausstellung finden zahlreiche Veranstaltungen zu den Themen „Fast Fashion“, „Slow Fashion“ und „DIY-Kultur“ statt. Hier soll explizit die Möglichkeit geboten werden, selbst zu kreieren, zu entwickeln und zu lernen.

Der Repair Fair im Rahmenprogramm Der Repair Fair im Rahmenprogramm | Foto: Ramos Pane Das Projekt wirft aber auch Fragen auf: Wie kann ein T-Shirt weniger als eine Tasse Kaffee kosten, ein Kleid weniger als ein Eis und eine Jeans so viel wie ein Kinoticket? Was sagt das über die Qualität der Mode aus? Wer sind die wirklichen „Fashion victims“? – Die Ausstellung thematisiert nicht allein die Zukunft, sondern auch die Schattenseiten der Modeindustrie.