Internationales Filmfestival Goodbye Berlin – Hallo Durban

Anand Batbileg und Tristan Göbel in Durban
Anand Batbileg und Tristan Göbel in Durban | Foto: Benjamin Keuffel

In „Tschick“, Fatih Akins Verfilmung des Jugendromans von Wolfgang Herrndorf, erleben die beiden Schauspieler Anand Batbileg und Tristan Göbel den perfekten Sommer. Im südafrikanischen Durban waren die beiden auf Einladung des Goethe-Instituts beim Durban International Film Festival (DIFF) auf der Leinwand zu sehen. Zwischen der Gala-Eröffnung des deutschen Filmfokus und dem Besuch einer Delfinshow trafen wir die beiden zum Interview.

Anand und Tristan, in „Tschick“ seid ihr ja die meiste Zeit in einem alten Lada unterwegs. Könnt ihr mittlerweile gut Auto fahren?

Tristan: Ja, klar! Meine Familie hat eine kleine Farm außerhalb Berlins. Den Weg zu den Heufeldern bin ich dort schon oft mit unserem Volvo gefahren.

Anand: Ich habe das Autofahren während des Drehs gelernt. In den meisten Szenen war zwar ein Stuntman auf dem Dach, der das Auto gesteuert hat, und wir haben innen so getan, als würden wir fahren. Aber ab und zu durfte ich auch selbst fahren.

Wie seid ihr eigentlich zu euren Hauptrollen in „Goodbye Berlin“ gekommen?

Anand: Bei mir war das eher ein Zufall. Die Casting-Agentur war damals auf der Suche nach mongolisch aussehenden Teenagern. Sie haben meinen Vater kontaktiert, der in der Botschaft der Mongolei arbeitet. Ich habe das dann aus Spaß einfach mal ausprobiert. Am Anfang musste ich nur ein paar Videos einsenden, in denen ich vorgefertigte Texte vorlese. Dann wurde ich eingeladen, bekam schließlich die Rolle und traf Tristan zum ersten Mal. Das war auch meine erste Rolle überhaupt – ich stand davor noch nie vor der Kamera.

Tristan: Da wir unseren Zug nach Berlin zum Casting verpasst hatten, kam ich anderthalb Stunden zu spät dort an und man hat mich nach nur einer Minute auch schon wieder rausgeschickt. Eigentlich dachte ich schon, dass ich aus dem Casting geflogen sei. Draußen auf dem Gang traf ich dann Fatih Akin und irgendwie haben wir uns sofort verstanden. Später bekam ich die Zusage für die Rolle.

Wie war es dann, gemeinsam vor der Kamera zu stehen?

Tristan: Bei den Dreharbeiten musste ich Absätze in den Schuhen tragen, da Anand zwei Köpfe größer ist als ich und wir das für die Kamera ein bisschen ausgleichen mussten.

Anand: Sogar das Aufnahmeformat wurde geändert, so dass der Größenunterschied zwischen uns beiden nicht so auffällt. (Beide lachen)

  • Tristan Göbel und Anand Batbileg als Maik und Tschick, Foto: Lago Film/Mathias Botor Foto: Lago Film/Mathias Botor
    Tristan Göbel und Anand Batbileg als Maik und Tschick
  • Tristan Göbel und Anand Batbileg, Foto: Benjamin Keuffel Foto: Benjamin Keuffel
    Tristan Göbel und Anand Batbileg
  • Anand Batbileg und Tristan Göbel am Strand, Foto: Sharlene Versfeld Nolzwazi Magwaza Foto: Sharlene Versfeld Nolzwazi Magwaza
    Anand Batbileg und Tristan Göbel am Strand
  • Bonnie Bopela von der südafrikanischen Jugendsendung YoTV interviewt die Hauptdarsteller. Foto: Simanga Zondo Foto: Simanga Zondo
    Bonnie Bopela von der südafrikanischen Jugendsendung YoTV interviewt die Hauptdarsteller.
  • Doris Dörrie (Filmemacherin); Alex Moussa Sawadogo (Kurator), Mariette Rissenbeek (German Films), Tristan Göbel, Anand Batbile, Lien Heidenreich-Seleme (Goethe-Institut Johannesburg), Klaus Streicher (Deutsche Botschaft Pretoria), Petra Epperlein (Filmemmacherin), Karin Steinberger (Filmemacherin), Christine Tröstrum (Berlinale Talents), Nicole Harms (Deutsche Botschaft Pretoria), Foto: Simanga Zondo Foto: Simanga Zondo
    Doris Dörrie (Filmemacherin); Alex Moussa Sawadogo (Kurator), Mariette Rissenbeek (German Films), Tristan Göbel, Anand Batbile, Lien Heidenreich-Seleme (Goethe-Institut Johannesburg), Klaus Streicher (Deutsche Botschaft Pretoria), Petra Epperlein (Filmemmacherin), Karin Steinberger (Filmemacherin), Christine Tröstrum (Berlinale Talents), Nicole Harms (Deutsche Botschaft Pretoria)
  • Die Schauspieler bei der Delfinshow, Foto: Benjamin Keuffel Foto: Benjamin Keuffel
    Die Schauspieler bei der Delfinshow

Anand, deine Großeltern wohnen in der Mongolei. Bist du oft dort?

Ich bin dort bei meinen Großeltern aufgewachsen, da mein Vater gearbeitet hat. In der Mongolei ist das bei vielen Familien so. Meine Großeltern besuchen uns oft in Berlin und ich versuche, jeden Sommer nach Ulan Bator zu fahren. Bei der Filmpremiere dort konnte auch Fatih Akin fast meine ganze Familie kennenlernen.
 
Begegnet ihr euren Charakteren aus dem Film denn manchmal auch im echten Leben?

Anand: Ich glaube, im echten Leben gibt es auf jeden Fall mehr Maiks als Tschicks. Also eher schüchterne Typen, die nicht von allen geliebt werden. Tschick dagegen ist schon ein besonderer Typ. Wer kommt schon auf die Idee, einfach mal so ein Auto zu stehlen?

Sind euch bestimmte Szenen besonders schwer gefallen?

Tristan: Auf jeden Fall die Szene, in der Anand über unsere Klassenkameradin Melanie spricht.

Anand: Ich esse in der Szene die ganze Zeit Gummibärchen und zähle die Namen der Mädels von der Schule auf. In der späteren Szene, in der wir spontan die Geburtstagsparty unserer Klassenkameradin Melanie besuchen und anfangen zu tanzen, kamen wir dann nicht mehr aus dem Lachen heraus. Unser Privatlehrer hat in der Szene übrigens den DJ gespielt.

Tristan: Die Szene, in der ich Isa (gespielt von Nicole Mercedes Müller) küsse. Wir mussten sie einige Male wiederholen. Natürlich war das besonders schlimm. (Grinst)

Ihr habt euren Film schon in einigen Ländern gezeigt. Was habt ihr dabei für Eindrücke gesammelt?

Anand: Die Festivalbesuche sind immer toll, besonders in Mexiko. Wir haben den Film dort in einem riesigen Kino vorgestellt und standen vor 4.000 Menschen auf der Bühne. Als wir dann „Viva Guadalajara“ (deutsch: „Lang lebe Guadalajara“) sagten, waren die Leute aus dem Häuschen.

Im Film geht es ja um den „besten Sommer“. Habt ihr diesen Sommer schon erlebt oder denkt ihr, dass er euch noch bevorsteht?

Tristan: Ich glaube, unser Filmdreh zu „Goodbye Berlin“ war ein ziemlich guter Sommer.

Anand: Ja, vielleicht wie ein post-Sommer. (Lacht)