Deutsch-Ukrainisches Sprachenjahr Das Land der Deutschlerner

Generalsekretär Ebert (M.) und Botschafter Ernst Reichel (r.) im Literaturgarten
Generalsekretär Ebert (M.) und Botschafter Ernst Reichel (r.) im Literaturgarten | Foto: Goethe-Institut Ukraine

Konzerte, Theateraufführungen, Sommercamps und, und, und ... In Kiew wurde jetzt das Deutsch-Ukrainische Sprachenjahr eröffnet. Dass die Wahl auf das Land fiel, ist kein Zufall.

Manchmal beginnt das Jahr eben schon im September. Oder erst im September – ganz, wie man’s nimmt. Das gilt etwa für das Schuljahr in Bayern, aber auch für das Deutsch-Ukrainische Sprachenjahr, das jetzt in Kiew eröffnet wurde. Für Johannes Ebert, den Generalsekretär des Goethe-Instituts, war die Reise zur Eröffnung eine Art Heimkehr. Von 1997 bis 2002 leitete Ebert das Goethe-Institut in Kiew.

„Das Goethe-Institut arbeitet auf der Basis der seit Jahren gewachsenen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Ukraine“, sagte Ebert nun an seiner ehemaligen Wirkungsstätte. Es könne auf ein großes, landesweites Netzwerk von Kulturgesellschaften, Lesesälen, Sprachlernzentren, Partnerschulen und -bibliotheken bauen. Der Generalsekretär betonte auch die Sonderprogramme „Östliche Partnerschaften“. „Hier entwickeln wir mit unseren Partnern in der Ukraine und in Deutschland Plattformen, um Werte zu verhandeln, Reformen anzustoßen und Netzwerke aufzubauen.“

700.000 Deutschlerner

Deutsch-Ukrainisches Sprachenjahr – wer jetzt an Vokabelstudium und Grammatik denkt, liegt jedoch falsch. Denn das vom Auswärtigen Amt und dem Goethe-Institut organisierte Programm ist durchaus kurzweilig. Dazu tragen Konzerte, Lesungen und ein Literaturgarten bei.

Dass man ausgerechnet die Ukraine als Partnerland für ein solches Sprachenjahr gewählt hat, kommt natürlich nicht von ungefähr. In wenigen Ländern lernen so viele Menschen Deutsch wie in der Ukraine. Deutlich mehr als 700.000 Menschen sind es. Nur Russland, Polen, Frankreich und Großbritannien haben noch mehr Deutschlerner. Nach Englisch ist Deutsch die wichtigste Fremdsprache in der Ukraine. Allein am Goethe-Institut und seinen 13 Sprachlernzentren haben im vergangenen Jahr 10.000 Ukrainer an Deutschkursen teilgenommen. Und es werden jährlich mehr.

Das Sprachenjahr begann am Wochenende mit einem Open-Air-Festival auf dem Kontraktowa-Platz, einem der ältesten Plätze in Kiew. In einem Sprach- und Literaturgarten wurde die Vielfalt der deutschen Sprache vorgestellt, daneben gab es Autorenlesungen, Theateraufführungen und eine Kinderuniversität. Es spielten die ukrainischen Bands Haydamaky und Sergij Zhadan i Sobaki sowie die deutschen Bands Kellerkommando und Messer. Am Mittag fand auch die größte Deutschstunde in Kiew statt - mit 600 Teilnehmern. Insgesamt kamen über 1500 Menschen zur Eröffnung.

Grundlage für das gemeinsame Friedensprojekt

Ziel des deutsch-ukrainischen Sprachenjahres ist es, bestehende Kooperationen zwischen Bildungs- und Kultureinrichtungen der beiden Länder auszubauen und neue Partnerschaften und Projekte anzustoßen. Dabei liegt der Schwerpunkt des Sprachenjahrs auf drei Themen: Welche beruflichen Perspektiven kann die deutsche Sprache jungen Menschen in der Ukraine bieten? Wie lässt sich zivilgesellschaftliches Engagement stärken? Und auf welche Weise kann man den deutsch-ukrainischen Literaturdialog vorantreiben, etwa durch Übersetzungsförderung und literarische Begegnungen? Kurzum: Es geht nicht um Sprache als Selbstzweck, sondern als Grundlage für das gemeinsame Friedensprojekt europäischer Integration.

Noch bis zum Sommer 2018 wird es insgesamt rund 50 Veranstaltungen geben, etwa eine Musiktournee, eine Lesereise mit Autoren, Sommercamps für Schüler, verschiedene Fachtagungen, Lehrerfortbildungen, Jugendaustausch-Projekte, eine Ausstellung und die Vergabe von Auszeichnungen an hervorragende Übersetzer, Lerner, Lehrer und Verlage. „Ein ambitioniertes Programm“, wie Generalsekretär Ebert sagte. Ein Höhepunkt ist auch das Videoprojekt Flüchtlinge damals und heute”. In Filmworkshops beschäftigen sich Schüler aus der Ukraine, Polen und Deutschland mit Menschenrechtsthemen. Zu Ende geht das gemeinsame Jahr schließlich mit einem internationalen Kongress zu den Zukunftsperspektiven der Schulbildung.

Beschlossen wurde das Deutsch-Ukrainische Sprachenjahr 2016 von den Außenministern beider Länder, um 25 Jahre nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen das gegenseitige Verständnis und die Freundschaft voranzutreiben. In der Vergangenheit gab es auch schon Sprachenjahre mit anderen Partnern, etwa mit China und mit Russland.