Tourneeausstellung „Verschwindende Vermächtnisse“ Die Welt als Wald

„Useful Nature, Useless Nature“ (2017) ein Kunstwerk von Robert Zhao Renhui
„Useful Nature, Useless Nature“ (2017) ein Kunstwerk von Robert Zhao Renhui | Foto: UHH, CeNak, Reiss

​Die Ausstellungshalle wird zum Wald. Bis zum 29. März 2018 zeigt das Centrum für Naturkunde der Universität Hamburg im Zoologischen Museum „Verschwindende Vermächtnisse: Die Welt als Wald“. Die vom Goethe-Institut Singapur unterstützte Ausstellungsreihe handelt vom europäischen Kolonialismus in den Tropen und der Zerstörung des Regenwaldes.

Bildende Kunst begegnet naturkundlicher Sammlung, botanische und zoologische Objekte erhalten einen neuen Bezugsrahmen. Aktuelle Forschungsergebnisse, historisches Archivmaterial und naturkundliche Sammlungen treffen auf Drohnenaufnahmen, Röntgenbilder und Videoessays. Zum ersten Mal wird im Zoologischen Museum Hamburg ein raumfüllendes Kunstprojekt gezeigt. Für den Direktor des Centrum für Naturkunde (CeNak), Prof. Dr. Matthias Glaubrecht, eine Selbstverständlichkeit: „Tatsächlich sollten wir Wissenschaft und Kunst nicht streng voneinander trennen. Deshalb gehört Kunst für mich eigentlich selbstverständlich auch in ein Naturkundemuseum.“

Die Künstler Armin Linke und Giulia Bruno bei Dreharbeiten in der indonesischen Provinz Riau, Sumatra Die Künstler Armin Linke und Giulia Bruno bei Dreharbeiten in der indonesischen Provinz Riau, Sumatra | Foto: Reassembling the Natural/Anna-Sophie Springer

Installationen, Fotografien, Filme und Skulpturen

Ausgangspunkt der Kunst- und Wissenschaftsausstellung sind die Arbeiten des britischen Naturforschers Alfred Russel Wallace (1823–1913), der die Biologie als akademische Disziplin mitbegründet hat. Installationen, Fotografien, Filme und Skulpturen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler ziehen Verbindungen von seinen Expeditionen zur aktuellen Zerstörung der Regenwälder in Südostasien und Südamerika. „Verschwindende Vermächtnisse: Die Welt als Wald“ erzählt von der Vielfalt des Ökosystems – und veranschaulicht, wie sie nach und nach zu verschwinden droht. Die Entwicklung der Ausstellung reicht zurück bis in das Jahr 2013. Auf einer durch das Goethe-Institut geförderten Recherchereise wurden erste Ideen für das Ausstellungskonzept entwickelt.

Aus Südostasien stammende Insekten, gesammelt von Alfred Russel Wallace Aus Südostasien stammende Insekten, gesammelt von Alfred Russel Wallace | Foto: Reassembling the Natural/Etienne Turpin, Oxford University Museum of Natural History

Von der Regenwaldinsel zur Megametropole

Einer der teilnehmenden Künstler ist der Fotograf Robert Zhao Renhui aus Singapur. Der Künstler erkundet und katalogisiert die Evolution der Natur – wobei er auch den Menschen und seinen Einfluss näher betrachtet. Mit seiner Installation reflektiert er, wie Singapur von einer Regenwaldinsel zur heutigen Megametropole gewachsen ist. Hierzu lässt er Objekte und Bilder aus seiner eigenen Sammlung sowie aus den Sammlungen des CeNak und des Nutzpflanzenmuseums der Universität Hamburg aufeinandertreffen. 
 
Robert Zhao Renhui, „Moondust“ (Ausschnitt), 2013. Ein Häufchen Asche von 103 an einer Glühlampe in Singapur verbrannten Insektenarten, davon 25 wissenschaftlich noch unbekannte Arten Robert Zhao Renhui, „Moondust“ (Ausschnitt), 2013. Ein Häufchen Asche von 103 an einer Glühlampe in Singapur verbrannten Insektenarten, davon 25 wissenschaftlich noch unbekannte Arten | Foto: Courtesy Robert Zhao Renhui Die in der Ausstellung präsentierten künstlerischen Positionen widersprechen einem romantischen Bild unberührter Natur und fragen stattdessen nach den Vermächtnissen, die bleiben, angesichts der fortschreitenden Zerstörung hochkomplexer Ökosysteme. „Wir glauben, dass das Naturkundemuseum das Potential und die Aufgabe hat, aktuelle Problematiken wie Artensterben, Entwaldung und Klimawandel zu thematisieren“, so Anna-Sophie Springer und Etienne Turpin, Kuratoren und Initiatoren der Ausstellung. „Es ist nach wie vor ein zentraler Ort, an dem die Menschen etwas über die Natur lernen.“

Weitere Stationen in Berlin und Halle-Wittenberg

Nach ihrer Station in Hamburg reist „Verschwindende Vermächtnisse“ weiter nach Berlin und im Herbst 2018 nach Halle-Wittenberg. Die Ausstellung wird vor Ort weiterentwickelt und an die jeweiligen Sammlungsbestände angepasst.