Ausstellung: A Better Version of You Willst du meinen Job, Alexa?

Die Kampagne „Facing the same direction“ von Maja Čule ruft dazu auf, zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit wählen zu können
Die Kampagne „Facing the same direction“ von Maja Čule ruft dazu auf, zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit wählen zu können | Foto: Yunsik Lim/Goethe-Institut

Künstlerinnen und Künstler preisen Produkte einer schönen, neuen Welt an, die es gar nicht gibt. Die Grenzen zwischen Geschäftsleben, Technologie und Kunst verschwimmen. „A Better Version of You“ fragt in Seoul nach den gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen der Künstlichen Intelligenz und des wissenschaftlichen Fortschritts. Die Ausstellung des Goethe-Instituts reist im März weiter nach Peking.

Vergangenes Jahr hat die Upgrade-Version von AlphaGo Master Ke Jie geschlagen. Von nun an soll es keinem menschlichen Go-Spieler mehr gelingen, eine Künstliche Intelligenz (KI) zu besiegen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie von McKinsey wird aufgrund des Einsatzes Künstlicher Intelligenz in den nächsten zehn Jahren ein Drittel der US-amerikanischen Arbeitnehmerschaft den Beruf wechseln müssen. Welche Konsequenzen wird es also haben, wenn sich Wissenschaft und Technologie in diese Richtung weiterentwickeln?

Wenn alles so viel Spaß macht…

Diese Frage stand am Anfang von „A Better Version of You“, einer Ausstellung, die das Goethe-Institut mit dem Art Sonje Centre in Seoul präsentierte: Als ich das Museum betrat, hatte ich zuallererst den Eindruck, mich im Ort geirrt zu haben. Im Unterschied zu den in den letzten Jahren so populären Medienkunst-Ausstellungen, die eine Vielfalt ungewöhnlicher, cooler Effekte präsentierten, ist hier jedes Ausstellungsstück sehr „sauber“ und kommt praktisch ohne Kunst aus. In allen Ausstellungskiosken, die wie Messestände gestaltet sind, hängt der Name eines Technologieunternehmens.

Atmosphäre wie auf der Messe: an den einzelnen Ständen sind die Kunstwerke wie ernstzunehmende Technologien ausgestellt Atmosphäre wie auf der Messe: an den einzelnen Ständen sind die Kunstwerke wie ernst zu nehmende Technologien ausgestellt | Foto: Yunsik Lim/Goethe-Institut Die Künstlerinnen und Künstler tragen westliche Kleidung, wie sie normalerweise Unternehmer tragen, und erkundigen sich ganz ernsthaft nach den Kaufabsichten des Publikums, um dann ein Technologieprodukt anzupreisen, das gar nicht existiert. Man muss die Beschreibungen der Produkte sehr genau studieren, um deren verborgene Bedeutung entschlüsseln zu können. So lässt sich erfahren, wie Wissenschaft und Technologie uns auf scheinbar harmlose Art und Weise Schritt für Schritt unseres Lebens entfremden.

… wer braucht dann noch eine gesunde Work-Life-Balance?

Das Playstation-Projekt beispielsweise, das das fiktive Technologieunternehmen Farsight im Jahr 2037 entwickelt hat, arbeitet mit mehr als 160 Gehirnscannern. Man braucht nur ein Mandala-ähnliches VR-Headset aufzusetzen, und schon findet man sich wieder in einer virtuellen Welt. Das Projekt nimmt für sich in Anspruch, „den Eliten eine verlässliche Ganzhirn-Simulation bieten zu können, sodass sie bei ihrer Beförderung neue Freunde finden und ihre Superstar-Fähigkeit entfalten können.“ Es kann nicht nur helfen, sich von der Arbeit zu befreien, sondern auch sich zu unterhalten – schließlich gibt es hier auch einen Kasino-Themenpark. „Wenn alles so viel Spaß macht, wer braucht dann noch eine gesunde Work-Life Balance?“

„Play Station™ - Farsight“ von Lawrence Lek ist ein VR-Erlebnis, das Eliten belohnt „Play Station™ - Farsight“ von Lawrence Lek ist ein VR-Erlebnis, das Eliten belohnt | Foto: Yunsik Lim/Goethe-Institut

Schöne neue Welt?

„Wir sind ein Unternehmen aus Dubai und helfen Ihnen, einen Chip in Ihr Gehirn zu implantieren. Wir wollen das Potenzial der Menschheit nutzbar machen, Ihre soziale Wettbewerbsfähigkeit steigern und die neuen Ressourcen generieren, die aus der Mensch-Maschine-Beziehung erwachsen.“ Du Yuqing überreicht einem einerseits eine Visitenkarte, die ihn als „Manager“ ausweist, andererseits demonstriert er den „Chip“ an seinem Körper. „Mit diesem Chip können Sie bereits vor Ihrem zehnten Geburtstag all das lernen, was Sie sonst erst auf der Universität lernen würden. Dadurch kann sich die Arbeitseffizienz der Menschen drastisch steigern lassen.“
 
Du Yuqing geht davon aus, dass die Zukunft der Technologie uns vor allem extremer Kontrolle aussetzen wird, der sich kein Mensch entziehen wird können. Seine Arbeit erinnert mich an Aldous Huxleys Roman „Schöne neue Welt“. Und diese Schöne neue Welt ist beängstigend.

Die unheilige Dreifaltigkeit von Hardware, Software und Wetware

Der deutsche Medienwissenschaftler Friedrich Kittler hat einmal geschrieben: „Die Welt, in der wir seit vierzig Jahren leben, zerfällt nicht mehr in Steine, Pflanzen und Tiere, sondern in die unheilige Dreifaltigkeit von Hardware, Software und Wetware.“ In jeder Epoche bedienen sich Künstlerinnen und Künstler des jeweils aktuellen Kontexts und des verfügbaren Materials, um ihre Zeit zu reflektieren.

„SWARM“ von Metasitu ist eine soziale Software, die das kollektive Bewusstsein visualisiert „SWARM“ von Metasitu ist eine soziale Software, die das kollektive Bewusstsein visualisiert | Foto: Yunsik Lim/Goethe-Institut „Kittlers Denken bildet die theoretische Grundlage dieser Ausstellung“, sagen die Kuratoren Christian von Borries und Nina Franz. Immer mehr Künstlerinnen und Künstler greifen in ihren Arbeiten auf wissenschaftlich-technologische Methoden zurück und lassen die Grenzen zwischen Business, Technologie und tatsächlicher Kunst verschwimmen. Sie wollen mit diesen „gemischten Gefühlen“ spielen und das Kunstwerk mittels wissenschaftlich-technologischer Formate ausstellen. „Wir versuchen, uns von Gemeinplätzen wie der Vorstellung von der Auslöschung der Menschheit durch KI zu distanzieren“, betonen von Borries und Franz. Zu sehen ist hingegen, wie es die digitale Kunst Künstlern ermöglicht, neue narrative Formen hervorzubringen, bei denen Zustimmung und Kritik nebeneinander existieren.

Der Artikel von Liu Chuchu ist eine gekürzte Fassung. In voller Länge erschien er im chinesischen Online-Magazin LENS.