Kooperationsvereinbarung Goethe-Institut und bpb Wahlverwandte

Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts und Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung.
Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts und Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung. | Foto: bpb

Das Goethe-Institut und die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb bauen ihre bisherige Zusammenarbeit weiter aus. Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, und Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, sprechen über die am 22. März 2018 unterzeichnete Kooperationsvereinbarung.

Lieber Herr Krüger, lieber Herr Ebert: Was schätzen Sie jeweils an der Institution des anderen? Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten und Schnittflächen?

Thomas Krüger: Das Kapital des Goethe-Instituts, über Kultur und Sprache weltweit präsent zu sein und zu den spannendsten Leuten auf dieser Welt einen direkten Draht zu haben, ist beeindruckend. Im Kontext der Globalisierung können wir nicht mehr zwischen innen und außen unterscheiden, sondern müssen uns auf die Durchlässigkeiten konzentrieren. Das Goethe-Institut ist eine der Schlüsseleinrichtungen, um die Kommunikation zwischen innen und außen voranzutreiben. Für uns als eine Einrichtung, die bisher sehr stark im deutschen Kontext unterwegs sein musste, die sich aber in den letzten Jahren rapide internationaler vernetzt hat, also geradezu ein idealer Partner. Auch dass wir in die Gegenden schauen, die tabuisiert oder marginalisiert sind – da sind wir im goetheschen Sinne Wahlverwandte.

Förderung der Zivilgesellschaften

Johannes Ebert: Ich finde es bemerkenswert, wie die Bundeszentrale für politische Bildung sich konsequent weiterentwickelt hat und sich den Fragen stellt, die in Deutschland virulent sind, Fragen der Zivilgesellschaft. Dafür hat sie immer wieder neue Formate entwickelt. Uns interessiert besonders die Erfahrung der bpb mit der Förderung der Zivilgesellschaften. Wir hoffen deshalb, von diesen Ansätzen lernen zu können und unsere Stärken gemeinsam im Ausland und in Deutschland einzusetzen.

Was genau beinhaltet die Kooperationsvereinbarung zwischen dem Goethe-Institut und der Bundeszentrale für politische Bildung?

Johannes Ebert: Kooperation in Projekten und Publikationen. Wir hatten ein spannendes, gemeinsames Projekt im letzten Jahr, „Sensible Daten“, bei dem wir die kulturellen Unterschiede im Umgang mit Daten in Deutschland und den USA beleuchtet haben. Wir haben im Nahen Osten Tagungen zur politischen Bildung veranstaltet und in Osteuropa mit unseren Partnern vor Ort in diskursiven und künstlerischen Formaten zum Thema Korruption gearbeitet. Diese Zusammenarbeit wollen wir ausbauen. Des Weiteren wollen wir Personal austauschen. Im Kooperationsvertrag ist vereinbart, dass wir, wenn es thematisch nahe liegt, Kolleginnen und Kollegen der bpb zu regionalen Arbeitsbesprechungen und Strategiebesprechungen des Goethe-Instituts einladen können und umgekehrt. So können wir einen Blick von außen gewinnen und nachhaltig voneinander lernen.
 
Thomas Krüger: Bezogen auf Strategie und Arbeitsfelder gibt es zwischen Goethe-Institut und bpb signifikante Überschneidungen. Die Idee ist, in den Kooperationen zweikanalig zu arbeiten. Das heißt, unsere Vertriebswege in Deutschland und im Ausland miteinander korrespondieren lassen, um Synergieeffekte zu schaffen.

Gibt es schon konkrete Pläne der Zusammenarbeit für die Zukunft?

Johannes Ebert: Viele Kulturinstitutionen in der freien Szene sind zivilgesellschaftlich organisiert. Davon ausgehend haben wir in den neunziger Jahren begonnen, verstärkt mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zu arbeiten. Was sind die Herausforderungen im Bereich der kulturellen Bildung im jeweiligen Land? Welches Angebot können wir von deutscher Seite her machen? Sowohl das Goethe-Institut als auch die Bundeszentrale für politische Bildung haben eine Plattformfunktion, um Akteure der Zivilgesellschaft zusammenzubringen. Da ist die bpb ein Vorreiter. Nun können wir gegenseitig auf unsere Netzwerke zurückgreifen, um eine nachhaltige internationale Vernetzung zu ermöglichen. Zivilgesellschaftliche Organisationen, die im Ausland unter Druck stehen, können von internationalen Verbindungen profitieren. Das verleiht ihnen Stärke.

Was bisher nicht zur Sprache kam

Thomas Krüger: Wir verstehen uns als der aktivierende, unterstützende Motor der Zivilgesellschaft, der durch Teilhabe agiert und als Kooperationspartner wirkt. Eine demokratische, heterogene Gesellschaft braucht mehr zivilgesellschaftliche Akteure. Wir können seismografisch Impulse aufnehmen, was die Diskussionen von morgen sind. Man denke nur an die Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands. Es geht darum, die Augen zu öffnen für Teile der Vergangenheit, die bisher nicht zur Sprache kamen.

Welche Themen wollen Sie gemeinsam angehen?

Thomas Krüger: Digitalisierung ist ein globales Thema. Die unterschiedlichen kulturellen Kontexte gilt es mit ins Spiel zu bringen und die Augen aufzumachen für ökonomiekritische Perspektiven. Künstlerinnen und Künstler können dazu beitragen, zu polarisieren und Engagement hervorzubringen. Ein weiteres Thema ist das des Exils, das angesichts der vielen Autokratien auf der Welt stärker auf die Tagesordnung gesetzt werden muss. Unsere beiden Institutionen haben da eine gewisse Grundsensibilität.

Johannes Ebert: Ein weiteres akutes Thema sind politische Strömungen, die auf Abgrenzung aus sind und die Oberwasser bekommen, auch in vielen europäischen Ländern. Das können wir uns aus heutiger Sicht gar nicht mehr leisten. Deshalb müssen wir deutlich machen, dass Abgrenzung schädlich ist – nicht nur für unser Land, sondern auch für Europa und für jeden Einzelnen. Menschen zu erreichen, die wir bisher mit unserem Angebot nicht erreicht haben, ist eine große Herausforderung. Ein weiteres wichtiges Thema ist Ökologie. Das müssen wir als Bildungsinstitution künftig noch stärker aufnehmen.

Kreative globale Kulturpolitik und politische Bildung

Thomas Krüger: Wir müssen aufpassen, nicht als eine politische Elite betrachtet zu werden. Deshalb müssen wir uns sowohl mit Urbanisierung als auch mit ländlichen Räumen beschäftigen: Ländliche Regionen, die sich abgehängt fühlen, aber nicht abgehängt bleiben dürfen. Für ländliche Räume ist aber nicht nur Fürsorge angesagt, sondern wir können auch etwas von ländlichen Räumen lernen. Das muss ein Thema für eine kreative globale Kulturpolitik und politische Bildung sein, weil jeder politisch teilhaben kann.