Werkstatt-Konferenz Startklar?! Das Beste aus beiden Welten

Digitalisierung auf der Startklar-Konferenz
Digitalisierung auf der Startklar-Konferenz | Foto: Bernhard Ludewig

Die Werkstatt-Konferenz „Startklar?!“ in den Berliner Spreewerkstätten lieferte neue Impulse zum Digitalen Sprachenlernen. Dass eine neue Rollenverteilung zwischen der Technik und den Akteuren in Lernprozessen formuliert werden muss, war eine der vielen wichtigen Erkenntnisse der dreitägigen Veranstaltung im März 2018.

Ein leicht verpixeltes Video wird auf eine große Leinwand projiziert. Darin ist B. F. Skinner zu sehen. Der Professor für Psychologie an der Universität Harvard stellte im Jahre 1954 eine sogenannte „Lernmaschine“ vor, mit der es Schulkindern ermöglicht werden sollte, Vokabeln oder mathematische Formeln einfacher zu lernen. Torben Schmidt, Professor für Didaktik des Englischen an der Lüneburger Leuphana Universität, nutzt dieses kurze Video in seinem Eröffnungsvortrag auf der Werkstatt-Konferenz „Startklar?!“. Anhand dieses Beispiels macht er deutlich, wie wenig sich didaktische Formate in den letzten 60 Jahren weiterentwickelt hätten. Tatsächlich könne man viele digitale Lernangebote von heute, die mit ihren geschlossenen und selbstkorrigierenden Übungsformaten keinen wesentlichen Fortschritt für Lernende geleistet haben, mit Skinners Worten von damals einleiten.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Startklar-Konferenz Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Startklar-Konferenz | Foto: Bernhard Ludewig

Ein notwendiges Forum

Es ist offensichtlich, dass die voranschreitende Digitalisierung neue Bildungs- und Lernangebote braucht. Doch wie wird man in Zukunft überhaupt Fremdsprachen lernen? Steht eine Zeitenwende für Bildungsmedien bevor? Wie ist es um Datenschutz und Datenethik im Kontext von Learning Analytics bestellt? Wie stellt man sicher, dass auf aktuelle Bedürfnisse von Lernenden eingegangen wird?
 
Mit der dreitägigen Konferenz „Startklar?!“, unterstützt durch den Eventpartner re:publica, wurde ein notwendiges Forum geboten, auf dem man diesen Fragen in verschiedenen Werkstätten, Praxis-Workshops und einem Philosophischen Nachtgespräch nachgehen konnte. In Gesprächen, Diskussionen und Ideenwerkstätten wurden Schnittstellen aufgezeigt und die Weichen für zukunftsweisende Projekte gestellt. 

Panel Diskussion auf der Startklar-Konferenz Panel Diskussion auf der Startklar-Konferenz | Foto: Bernhard Ludewig

Mensch und Maschine

Es vergeht inzwischen kein Tag mehr, an dem man nicht mit digitalen Angeboten oder der neuesten Technik konfrontiert wird. Doch wo viele einen Kampf zwischen diesen zwei Parteien sehen, sahen die meisten Expertinnen und Experten auf der Startklar-Konferenz eher eine Chance. In den sechs Foren der Werkstatt-Konferenz wurden hierzu wichtige Impulse gegeben. Sie widmeten sich den Schwerpunkten Digital Literacy, Künstliche Intelligenz, Learning Analytics, Globale Arbeitswelten, Immersives Lernen und Übersetzungstechnologie. Und ein Punkt, der sich durch all die Foren zog, war, dass man den Erwartungen der Lernenden gerecht werden muss.
 
Beim Schwerpunkt Digital Literacy wurde etwa darüber diskutiert, dass Lehrkräfte sich nicht davor fürchten dürften, dass ihre Schülerinnen und Schüler an manchen Stellen mehr wissen könnten als sie. Ferner sei auch in Bereichen wie Künstliche Intelligenz facettenreiches Denken gefragt, und zwar in dem Sinne, dass man das Menschliche und Algorithmische verbindet. Dieses Dilemma wurde wiederholt angesprochen: Lehrkräfte oder Software? Bots oder Lehrer? Obwohl die Digitalisierung in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist und sich dadurch die Möglichkeiten erweitert haben, handelt es sich nicht zwingend um ein Entweder-Oder. Man müsste in der Lage sein, das Beste aus beiden Welten zu nutzen. Lehrkräfte sind nach wie vor unverzichtbar und doch können Technologien wie etwa Virtual-Reality neue Lernszenarien schaffen. Learning Analytics geben Lernenden ein greifbares Tool zur Selbstreflexion und zum Lernfortschritt.

VR auf der Startklar-Konferenz VR auf der Startklar-Konferenz | Foto: Bernhard Ludewig Bildungsprozesse verändern sich im Zeitalter der Digitalisierung – und damit verändert sich auch die Aufgabenverteilung zwischen Lehrenden, Lernenden und der Technologie innerhalb von Lernprozessen. Das hat „Startklar?!“ drei Tage lang gezeigt. Diesen Wandel gilt es ebenso kritisch wie produktiv zu steuern und zu begleiten. Der Name der Konferenz deutet es bereits an: „Startklar?!“ dient als ein Startschuss für die Zukunft.