African Mobilities Stadtlandschaften und Science Fiction

Shanty Megastruktur
Shanty Megastruktur | Foto: Olalekan Jeyifous

In Afrika entstehen und wachsen Städte schneller als anderswo. Die Ausstellung „African Mobilities“ thematisiert die komplexe Mobilität innerhalb des Kontinents. Die südafrikanische Architektin und Kuratorin Mpho Matsipa spricht im Interview darüber, was man von der Ausstellung erwarten kann und was sie sich von der Zukunft erhofft.

Frau Matsipa, „African Mobilities“ befasst sich sowohl mit der Vergangenheit, der Gegenwart als auch mit der Zukunft. Sie haben Arbeiten aus 14 verschiedenen Städten in einer einzigen Ausstellung untergebracht. Was war Ihnen dabei am wichtigsten?

Auf dem afrikanischen Kontinent befinden sich die am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Daher wollte ich vor allem afrikanischen Wissenschaftlerinnen, Denkern, Architektinnen und Künstlern eine Plattform bieten. Leider gibt es kaum Finanzierung oder Unterstützung für lokal produzierte Inhalte, im Gegenteil sind wir oft das Sujet von Forschern und Forscherinnen, die von außerhalb nach Afrika kommen. Diese Ausstellung ist also eine wunderbare Möglichkeit für mich gewesen, etwas Neues zu ermöglich, ein Netzwerk zu schaffen und über eine große Fläche hinweg zu arbeiten, die unglaublich vielfältig ist. So habe ich auch feststellen können, dass die Erzählungen und Bedenken aller Teilnehmer und Teilnehmerinnen sehr verschieden sind. Es gibt nicht die afrikanische Vision.

Wohnhaus in Niamey Wohnhaus in Niamey | Foto: Mariam Kamara

Unsere Vorstellungskraft befindet sich in der Krise

Was kann das Publikum von der Ausstellung erwarten?

Es gibt viele Videoinstallationen, Animationen, 360° VR-Plätze, aber auch Handzeichnungen und Kartographie. Wenn ich an einzelne Werke zurückdenke, dann frage ich mich immer, wie man überhaupt eine neue afrikanische Karte entwerfen kann und was das für die Kartographie bedeutet? Zum einen können die Leute also ein neues Vokabular erwarten. Zum anderen unterschiedliche Möglichkeiten, Geschichten über afrikanische Städte zu erzählen. Hierbei fand ich Science Fiction als Genre sehr hilfreich, um Themen wie Volkswirtschaft oder Ungleichheit anzusprechen. Das habe ich in den Vordergrund gerückt, zum Beispiel mit dem „Lagos Science Fiction Project“. Ansonsten hoffe ich, dass die Besucherinnen und Besucher ein Verständnis dafür bekommen, wie facettenreich die Umgebungen im urbanen Sinne sind. Ich hoffe wirklich, dass die Leute viel Zeit in der Ausstellung verbringen. „Chimurenga“, ein Künstlerkollektiv aus Kapstadt, hat für „African Mobilities“ eine kleine Bibliotheksfläche zusammengestellt. Dort kann man zum Beispiel einfach gut abhängen.

Stoffverkäufer Elvis in Kampala Stoffverkäufer Elvis in Kampala | Foto: Adengo Architects

Johannesburg ist nicht Vancouver 

Geflüchtete ändern und prägen die Stadtlandschaften vieler afrikanischer Metropolen, gleichzeitig haben diese Städte architektonisch gesehen ein großes koloniales Erbe vorzuweisen. Wie sehen Sie diese Gegenüberstellung?

Nehmen wir mal Johannesburg als Beispiel. Das einzige Bild, was viele Strategen beispielswiese aus der Politik haben, ist, das Johannesburg eines Tages wie Vancouver sein soll. Das paradigmatische Zeichen der Moderne ist also ein Ort, der nicht einmal in Afrika liegt. Unsere Vorstellungskraft befindet sich eindeutig in der Krise. Wie wäre es, sich die Zukunft eines afrikanischen Orts in einem afrikanischen Paradigma vorzustellen? Und dies nicht nur mit Blick auf den Westen, denn Information, Wissen und Technologie können aus vielen verschiedenen Orten kommen. Wir müssen polyphon werden, wir müssen lernen, in mehreren Stimmen zu sprechen. Übrigens glaube ich nicht, dass diese Fragen durch eine einzige Ausstellung in München beantwortet werden können.
 
Und was wünschen Sie sich persönlich von der Ausstellung?

Eines der Dinge, die sowohl für mich als auch für das Architekturmuseum wichtig sind, ist, die Ausstellung an verschiedene afrikanische Orte zu bringen und das Gespräch in diesem Kontext weiterzuführen. Es geht darum, die Ideen und auch das dazugehörige Netzwerk am Laufen zu halten. Ich persönlich wäre beispielsweise sehr glücklich darüber, wenn diese Ausstellung weiterreisen würde. Vor allem nach Afrika. Das wäre der eigentliche Coup.