Deutsch-italienische Zusammenarbeit in Lyon „Außenkulturpolitisches Neuland“

(V.l.n.r.) Max Maldacker (Generalkonsul der BRD in Lyon), Ugo Ciarlatani (Erster Botschaftsrat der italienischen Botschaft in Paris), Anna Pastore (Leiterin italienisches Kulturinstitut Lyon), Joachim Umlauf (Leiter Goethe-Institut Lyon und Marseille), Susanne Höhn (Leiterin Goethe-Institut Brüssel sowie der Region Südwesteuropa), Denis Broliquier (Bürgermeister vom zweiten Bezirk in Lyon), Alberto Bertoni (italienischer Generalkonsul Lyon), Giuseppe Pastorelli (Botschaftsrat im italienischen Auswärtigen Amt)
(V.l.n.r.) Max Maldacker (Generalkonsul der BRD in Lyon), Ugo Ciarlatani (Erster Botschaftsrat der italienischen Botschaft in Paris), Anna Pastore (Leiterin italienisches Kulturinstitut Lyon), Joachim Umlauf (Leiter Goethe-Institut Lyon und Marseille), Susanne Höhn (Leiterin Goethe-Institut Brüssel sowie der Region Südwesteuropa), Denis Broliquier (Bürgermeister vom zweiten Bezirk in Lyon), Alberto Bertoni (italienischer Generalkonsul Lyon), Giuseppe Pastorelli (Botschaftsrat im italienischen Auswärtigen Amt) | Foto: Tonino Contucci

Es ist ein bedeutender Schritt für die deutsch-italienische Zusammenarbeit: In Lyon ist das Istituto Italiano di Cultura nach umfangreichen Renovierungsarbeiten in die Räumlichkeiten des Goethe-Instituts gezogen. Ein starkes Zeichen gegen Europaverdruss und Populismus. Am 23. Oktober wurde das gemeinsame Haus in der französischen Stadt feierlich eröffnet.

Die Begrüßungsworte des Leiters der Goethe-Institute in Lyon und Marseille, Dr. Joachim Umlauf, setzten den Ton des Abends: „Diese Zeremonie ist ein besonderes und ermutigendes Ereignis.“ Mit dem Einzug des Istituto Italiano di Cultura in die renovierten Gebäude des Lyoner Goethe-Instituts arbeiten zwei europäische Kulturinstitute unter einem Dach. Nicht nur für Umlauf ist das ein deutliches Zeichen gegen Populismus und Demokratiefeindlichkeit in Europa. Auch die weiteren Rednerinnen und Redner sowie die musikalischen Beiträge am Eröffnungsabend machten deutlich, dass die deutsch-italienische Zusammenarbeit auf französischem Boden im bewussten Gegensatz zur aktuellen Schwarzmalerei steht.

Mehr als ein „Teilen von Raum“  

Der Lyoner Generalkonsul Max Maldacker drückte es in seiner Ansprache so aus: „In Zeiten von Brexit und den Problemen in vielen Ländern sollte dieser Abend als Beispiel dienen.“ Die Kollokation zwischen den Flüssen Rhone und Saône sei mehr als nur ein „simples Teilen von Raum“, so sein italienischer Kollege Alberto Bertoni. „Durch Zusammenarbeit werden sich Völker ihres Wesens bewusst und lernen gleichzeitig den anderen schätzen.“ 

Joachim Umlauf: „Diese Zeremonie ist ein besonderes und ermutigendes Ereignis“ Joachim Umlauf: „Diese Zeremonie ist ein besonderes und ermutigendes Ereignis“ | Foto: Tonino Contucci

Ein Versprechen für den Frieden

Den Mittelpunkt der Eröffnungszeremonie bildete die Rede des Generalsekretärs des Goethe-Instituts, Johannes Ebert, der leider nicht persönlich anwesend sein konnte. An seiner Stelle sprach Susanne Höhn, EU-Beauftragte und Leiterin des Brüsseler Goethe-Instituts sowie der Region Südwesteuropa. Die Kollokation in Lyon sei „außenkulturpolitisches Neuland“, das bereits in Straßburg in kleinerem Maßstab erfolgreich betreten worden sei, so Höhn. Dort zog die Mitarbeiterin der Außenstelle des Goethe-Instituts in das Büro des italienischen Kulturinstituts. Lyon sei als „italienischste Stadt Frankreichs“ ein guter Ort für diese vertiefte Zusammenarbeit. Die Rede schlug den Bogen vom Gründungsmythos der Europäischen Union hin zu den aktuellen Problemen: Entstanden aus den Trümmerfeldern des Zweiten Weltkriegs, war die EU ein Versprechen für Frieden und Wohlstand. Um dieses Versprechen angesichts von Wirtschaftskrise, Zukunftsängsten und der Tendenz zur Nationalstaaterei zu erhalten, seien Dialog und Zusammenarbeit wichtiger denn je. Das Angebot der beiden Institute solle vor allem junge Menschen im Blick haben.
Höhn erinnerte zudem stellvertretend für Ebert an Goethes Faszination für Italien und sein Gedicht „Ginkgo biloba“. Der Dichter sah das von ihm in Italien entdeckte Ginkgoblatt als „Sinnbild der Freundschaft“ und in diesem Sinne hätten auch die Vertreterinnen und Vertreter der Lyoner Kulturinstitute einen Ginkgobaum in der Stadt gepflanzt: „Als Symbol für unsere gemeinsame Arbeit, die darin besteht, sich in Besinnung auf unser gemeinsames europäisches kulturelles Erbe den Herausforderungen von heute zu stellen.“ 

Susanne Höhn spricht über die Idee Europas Susanne Höhn spricht über die Idee Europas | Foto: Tonino Contucci

Kräfte bündeln

Dazu ist im deutsch-italienischen Haus ein gemeinsames Kulturprogramm geplant. Mit Blick auf die 2019 stattfindende Europawahl soll es Diskussionsveranstaltungen geben, bei denen es unter anderem um 100 Jahre Frauenwahlrecht geht oder um die Frage, wie die Jugend für Europa begeistert werden kann. Auch ihre Bibliotheken haben beide Institute zusammengelegt. Besucherinnen und Besucher können 13.000 deutsche und italienische Medien nutzen. „Aber wir werden kein verschlossenes Paar sein“, versprach Umlauf. So sei zum Beispiel ein Projekt mit Montenegro geplant. „Italien eröffnet uns neben Frankreich einen weiteren Zugang zum Mittelmeerraum.“

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Goethe-Instituts und des Istituto Italiano di Cultura bei einer gemeinsam einstudierten Gesangseinlage Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Goethe-Instituts und des Istituto Italiano di Cultura bei einer gemeinsam einstudierten Gesangseinlage | Foto: Tonino Contucci Die Kooperation mit dem Istituto Italiano di Cultura entspricht dem Bestreben des Goethe-Instituts, seine Zusammenarbeit mit anderen nationalen Kulturinstituten auszuweiten. So betreiben Goethe-Institut und Institut Franꞔais das Deutsch-Französische Kulturzentrum in Ramallah. In Palermo haben das deutsche und das französische Kulturinstitut eine gemeinsame Liegenschaft. In Kiew arbeiten Goethe-Institut und British Council unter einem Dach und in Stockholm kooperiert das deutsche Kulturinstitut mit dem Instituto Cervantes.