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Lange Nacht der Ideen in Luxemburg
Engagiert euch!

Nacht der Ideen im Mudam Luxemburg
Nacht der Ideen im Mudam Luxemburg | Foto: Mudam Luxembourg

Die lange Nacht der Ideen in Luxemburg stand im Zeichen des Engagements. Hierzu luden das Institut Pierre Werner, das Mudam, das Institut français und das Goethe-Institut mit Unterstützung des deutsch-französischen Kulturfonds zu 30 offenen Diskussionsrunden ein.

Die dritte Auflage der langen Nacht der Ideen stand unter dem Motto des individuellen wie kollektiven Engagements. Was bedeutet es, sich angesichts weltweiter Konflikte zu engagieren?

Mehr als 300 Besucherinnen und Besucher kamen ins Luxemburger Mudam zur Nacht der Ideen Mehr als 300 Besucherinnen und Besucher kamen ins Luxemburger Mudam zur Nacht der Ideen | Foto: Mudam Luxembourg

Gespräche über Kultur, Gesellschaft, Politik und Umwelt

In Zeiten von wachsendem Populismus, Klimakatastrophen, Kriegen und weltweit flüchtenden Menschen wirkt das luxemburgische Museum für Moderne Kunst „Mudam“, wie es die Luxemburger nennen, wie ein Ruhepol. In der weitläufigen Eingangshalle versammelte sich am frühen Abend des 31. Januar 2019 ein internationales Publikum. Rund 30 offene Diskussionsveranstaltungen aus unterschiedlichen Sparten fanden hier statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Nacht der Ideen konnten sich in rund zwei Dutzend Rundtischgesprächen aus den Bereichen Kultur, Gesellschaft, Politik und Umwelt einbringen. Darüber hinaus bot das Rahmenprogramm neben Lesungen bis Mitternacht einen musikalischen Workshop, der zur Improvisation einlud, sowie eine „Silent Disco“. Die Referentinnen und Referenten des Abends sind bekannte Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, wie die französische Kriegsreporterin Florence Aubenas, der irakisch-deutsche Publizist Najem Wali und Camille de Toledo, Schriftsteller und Gründer der kuratorischen Plattform Mittel-Europa, aber auch Expertinnen und Experten aus der Großregion Luxemburg. Einige von ihnen engagieren sich in politischen Vereinigungen, ökologischen Initiativen oder Künstlerkollektiven. 

Der französische Schriftsteller Camille de Toledo spricht über die Unüberschaubarkeit der Medien Der französische Schriftsteller Camille de Toledo spricht über die Unüberschaubarkeit der Medien | Foto: Mudam Luxembourg

Die Brise des schwarzen Windes

In seinem Impulsvortrag zur Auftaktveranstaltung hob Camille de Toledo die Schwierigkeit hervor, angesichts der Flut an Ereignissen, aber auch der Unüberschaubarkeit der Nachrichten, den aktuellen Herausforderungen zu begegnen: „Ich bin mir nicht sicher, ob man die gegenwärtigen Entwicklungen greifen kann, denn man müsste quasi überall präsent sein und die Gesamtheit an Kanälen – eine schier unüberschaubare Mischung aus News, Fake-News, Plots und Komplotte – überblicken und verstehen.“ Angesichts der Vielzahl an Medien wisse man heute kaum mehr, wem man gegenüberstehe. Unsere Zeit charakterisiere sich durch eine Summe an Dramen, ob im Mittelmeer oder bedingt durch Naturkatastrophen und politisch repressive Systeme. „Eine Brise dieses schwarzen Windes“ sei ihm bereits als kleiner Junge entgegengeweht. Nicht zuletzt erschreckende Medienbilder seien für ihn ausschlaggebend gewesen dafür, sich zu engagieren.

Die Reporterin Florence Aubenas wurde 2005 mehrere Monate lang im Irak festgehalten Die Reporterin Florence Aubenas wurde 2005 mehrere Monate lang im Irak festgehalten | Foto: Mudam Luxembourg Über die Schwierigkeit einer differenzierten Berichterstattung sprach Florence Aubenas in einem der ersten Rundtischgespräche. Als Journalistin befinde man sich zwischen allen Stühlen, betonte die Kriegsreporterin und warnte davor, die Bewegung der Gelbwesten in Frankreich einseitig zu verurteilen. Für die Wut der Menschen gebe es Gründe.

Alexis Nouss diskutiert während eines Rundtischgesprächs mit dem Publikum Alexis Nouss diskutiert während eines Rundtischgesprächs mit dem Publikum | Foto: Mudam Luxembourg

Wechselwirkung zwischen Literatur und Politik

„Wir versuchen zu verstehen, wie sich die Politik auf die Literatur auswirkt und die Literatur wiederum ein Lehrstück für die Politik bildet“, beschrieb Alexis Nuselovici (Nouss), Professor für vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität Aix-en-Provence, die Wechselwirkung zwischen Literatur und Politik. Ein Ansatz, den der irakisch-deutsche Publizist Najem Wali im Sinne einiger Exilschriftsteller der letzten Jahrhunderte fortführte: „Da, wo Herrschaft ist, ist auch Verbannung.“ Weiterhin zitierte Wali den kolumbianischen Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez: „Belletristik ist revolutionäres Schreiben.“ Man dürfe Literaten nicht trauen, die ihr Land rühmen. Sein Fazit: „Literatur kann nicht anders, als sich gegenüber der Gegenwart in Sarkasmus zu üben.“

Der Journalist und Schriftsteller Najem Wali kurz vor seinem Abschlussvortrag Der Journalist und Schriftsteller Najem Wali kurz vor seinem Abschlussvortrag | Foto: Mudam Luxembourg

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