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Ausstellungseröffnung „Der Raub des Feuers – Von Prometheus zum Erdöl“
Der Preis des schwarzen Goldes

Innenansicht der Ölbohrturm-Installation von Marco Montiel Soto im Kapellhaus neben der deutschen Kirche in Baku
Innenansicht der Ölbohrturm-Installation von Marco Montiel Soto im Kapellhaus neben der deutschen Kirche in Baku | Foto: Adil Yusifov

In Baku fragen zehn internationale Künstlerinnen und Künstler nach Fluch und Segen des Erdöls. Seit Jahrtausenden gehören Gas und Öl in Aserbaidschan zur Kultur des Landes. Eine Ausstellung des Goethe-Zentrums Baku widmet sich nun der Geschichte.
 

Von Simone Reber

Aserbaidschan gilt als das Land, in dem die industrielle Ölförderung erfunden wurde. Schon Ende des 19. Jahrhunderts zog es Glücksritter nach Baku auf der Suche nach dem schwarzen Gold, aber auch Bankiers und Industrielle wie die Rothschilds oder die Brüder Nobel. Heute werden Öl und Gas überwiegend offshore gefördert. Aber die alten russischen Pumpen geben immer noch den Takt an in den Vororten der Stadt. Während der Ausstellungseröffnung Während der Ausstellungseröffnung | Foto: Adil Yusifov

Die Armut im Ölreichtum

Die Ausstellung „Von Prometheus zum Erdöl“  im Kapellhaus neben der deutschen Kirche in Baku knüpft an diese alten Mythen an. Aber Asli Samadova und Alfons Hug, der Leiter des Goethe-Zentrums Baku, erweitern als Kuratoren mit der Auswahl von zehn internationalen Künstlerinnen und Künstlern die Perspektive über die Landesgrenzen hinaus.
 
Ins Zentrum der Halle hat Marco Montiel-Soto aus Venezuela einen historischen Bohrturm aus Holz gesetzt. Seine Heimatstadt Maracaibo geht gerade zugrunde an den Folgen der Monokultur Erdöl. Weil das schnelle Geld alle anderen Wirtschaftszweige an den Rand drängte, müssen die Einwohnerinnen und Einwohner oft Stunden für Benzin und Lebensmittel anstehen. Ein noch dunkleres Bild zeichnet der nigerianische Künstler George Osodi in seiner bedrückenden Dia-Show. Korruption und bewaffnete Banden kanalisieren in Nigeria das Geld aus dem Ölexport in die Hände weniger. Die ausgeplünderte Landschaft gleicht einer rauchenden Hölle.
Ölbohrturm-Installation von Marco Montiel Soto im Kapellhaus Baku Ölbohrturm-Installation von Marco Montiel Soto im Kapellhaus Baku | Foto: Adil Yusifov

Ein Tässchen Öl im Teehaus

In Aserbaidschan deuten die Menschen dezent auf die Hosentasche, wenn man fragt, wo das Geld aus dem Ölboom hinfließt. Allerdings profitieren auch Kulturszene und Infrastruktur. Besucherinnen und Besucher passieren in Baku erst die schicke weiße Sport-Arena, dann das pompös geschwungene Kulturzentrum von Zaha Hadid. Eine Zugverbindung von Baku nach Istanbul ist in Planung. Die neuen Helden des Landes, die Bauarbeiter, nimmt Orkhan Huseynov in seinem pointierten Video auf die Schippe. Da sitzen zwei Bauarbeiter im orangefarbenen Overall im Teehaus und nippen genussvoll an Tassen voll mit fettem, schwarzem Öl.
 
Um das helle, leichte Öl, das Naftalan, das in den Bergen gewonnen wird, geht es in dem Animationsfilm von Samir Salahov. Dem Naftalan wird heilende Wirkung zugeschrieben. Wer daran glaubt, nimmt Bäder in Öl. Samir Salahov erzählt vom Krieg zwischen Russen und Japanern, als die Soldaten stets ein Fläschchen Naftalan bei sich trugen und auf ihre Verletzungen strichen. Der Zeichentrickfilm zeigt die wundersame Heilung in Sekundenschnelle. Leichthändig macht die Ausstellung Licht- und Schattenseiten des schwarzen Goldes greifbar. In Baku kann man sehen, wie geschunden die dünne Haut der Erde ist.

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