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Goethe-Institut Ramallah
Eine hölzerne Wolke voller Wünsche

Ein Manifest der gesellschaftlichen Befindlichkeiten. Die „wooden cloud“ ist ein Spiegel der Träume, Ängste und Sehnsüchte der Stadtbevölkerung Ramallahs
Ein Manifest der gesellschaftlichen Befindlichkeiten. Die „wooden cloud“ ist ein Spiegel der Träume, Ängste und Sehnsüchte der Stadtbevölkerung Ramallahs | Foto: André Mailänder

Die Befindlichkeiten einer Stadt: Der Künstler Martin Steinert hat im Westjordanland seine Skulptur „wooden cloud“ errichtet. Das Goethe-Institut in Ramallah unterstützte das Projekt. Schon jetzt lassen sich die größten Wünsche der Menschen an diesem Ort ablesen.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Von der Ferne sieht es wie ein überdimensioniertes Vogelnest aus, das sich im Al Istiqlal Park mitten in Ramallah, dem Zentrum des Westjordanlandes, aus dem sandigen Boden erhebt. Wer sich nähert, sieht die filigrane Struktur der Skulptur: Aus Holzlatten ist diese „hölzerne Wolke“ des deutschen Künstlers Martin Steinert mit einem Durchmesser von rund vier Metern entstanden, die sich schneckenförmig windet und begehbar ist.

Ängste, Wünsche, Hoffnungen

Rund zweitausend Holzlatten sind bereits verarbeitet, etwa die Hälfte davon schon beschriftet. „Wir laden die Menschen dazu ein, ihre Ängste, ihre Wünsche, ihre Hoffnungen aufzuschreiben. So wird eine Momentaufnahme der Befindlichkeit einer Stadt daraus“, erklärt Steinert. 2015 hat er mit seinen „wooden cloud“-Installationen in seiner Heimatstadt Saarbrücken in der Johanneskirche begonnen. Dann folgten weitere Projekte in Sankt Petersburg, Berlin, Paris und nun Ramallah. Jedes Kunstwerk unterscheidet sich in seiner Größe und Struktur. Von jedem Werk gibt es eine Fotodokumentation von Andre Mailänder, die Französin Mathilde Nodenot arbeitet an einem Film.
Kunst im öffentlichen Raum. In der vierwöchigen Entstehungszeit war die Bevölkerung eingeladen, sich in die Gestaltung der Installation einzubringen und die Holzlatten zu beschriften, aus denen die einmalige Skulptur entstand Kunst im öffentlichen Raum. In der vierwöchigen Entstehungszeit war die Bevölkerung eingeladen, sich in die Gestaltung der Installation einzubringen und die Holzlatten zu beschriften, aus denen die einmalige Skulptur entstand | Foto: André Mailänder

2500 Holzlatten verbinden

Noch sind nicht alle Holzlatten verarbeitet. Rund 2500 werden es am Ende sein, schätzt Steinert. Nach der offiziellen Eröffnung des vom Goethe-Institut in Ramallah und dem saarländischen Kultusministerium unterstützten Projekts am 30 Juni können die Menschen ihre Gedanken weiterhin auf den Holzlatten festhalten. Während Steinert und sein Team, das aus drei weiteren Personen besteht, im Schatten eine Pause einlegen, kommen zwei Teenager heran und fragen nach Stiften. Aktham heißt der eine, Waleed der andere. Beide wünschen sich „Frieden“. Für sich und für ihr Land Palästina, wie sie erzählen. Sie kommen aus Hebron und sind gerade zu Besuch bei ihrem Onkel in Ramallah. Aus den Medien haben sie von dem Projekt erfahren und sind extra in den Park gekommen, um mitzumachen. Präzisionsarbeit. Künstler Martin Steinert reiste mit seinem Team aus Saarbrücken an. Architektin Marija Kiefer unterstützte beim Bau der Installation Präzisionsarbeit. Künstler Martin Steinert reiste mit seinem Team aus Saarbrücken an. Architektin Marija Kiefer unterstützte beim Bau der Installation | Foto: André Mailänder

Wünsche sind weltweit ähnlich

„Es gab eine Menge Skeptiker, und es macht Spaß, wenn man erlebt, wie die Menschen mitmachen. Manche bedanken sich dafür, dass man mit so einer Idee in ihre Stadt kommt“, berichtet Steinert. Die Reaktionen seien sehr positiv, manche signalisierten angesichts der Sprachbarrieren mit hochgereckten Daumen, dass ihnen die Installation gefällt. Seine ursprüngliche Annahme, dass die Wünsche weltweit ähnlich seien, sieht Steinert bisher „im großen und ganzen bestätigt“. Frieden und Gesundheit kämen am häufigsten vor.
 
Hier in Ramallah sind aber auch politische Botschaften zu finden. Der Wunsch nach einem Ende der israelischen Besatzung und die Forderung nach einem eigenen palästinensischen Staat tauchen mehrfach auf. „Ramallah ist für die Idee des Projekts sehr ergiebig. Uns interessiert sehr, wie ticken die Menschen hier, was treibt sie um“, sagt Steinert. Die Installation in Ramallah soll mehrere Jahre bleiben, während Steinert mit seinem Team und seinem Projekt weiterzieht: Die nächste „wooden cloud“ entsteht im kommenden Jahr in Prag auf einer Insel in der Moldau in Sichtweite der Karlsbrücke in der Form eines Bootes. Von Saarbrücken über Paris, Berlin und St. Petersburg nach Ramallah. Die Idee ist es, Gedanken der Menschen aus Städten weltweit zu sammeln und ihre Ähnlichkeiten und Unterschiedlichkeiten kennenzulernen Von Saarbrücken über Paris, Berlin und St. Petersburg nach Ramallah. Die Idee ist es, Gedanken der Menschen aus Städten weltweit zu sammeln und ihre Ähnlichkeiten und Unterschiedlichkeiten kennenzulernen | Foto: André Mailänder

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