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„Das Kabinett“ in Polen
Hereinspaziert, hereinspaziert!

Einblick von außen: Besucher*innen vor der Caligari-Ausstellung
Einblick von außen: Besucher*innen vor der Caligari-Ausstellung | Foto: Jakub Tabaczek

Treten Sie nur näher. „Das Kabinett“ ist eine Containerinstallation des Goethe-Instituts Warschau, die das Publikum virtuell in Robert Wienes Stummfilmklassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“ versetzt. Nach drei Wochen und fast 3000 Besucher*innen vor dem Warschauer „Nowy Teatr“ ist die Containerinstallation mit einem volumetrischen, „begehbaren“ Film nun weiter nach Breslau gezogen.

Von Christoph Bartmann

„Das Cabinet des Dr. Caligari“ ist ein Meisterwerk des expressionistischen Films. Fast so berühmt wie der Film selbst ist die These geworden, die Siegfried Kracauers Buch „Von Caligari zu Hitler“ (1947) im Titel führt: in Doktor Caligari, so Kracauer, verkörpere sich der Typus des wahnsinnigen Tyrannen, dessen Untertanen seinen Willen mit lustvollem Gehorsam vollstrecken. Caligari als Vorläufer Hitlers, Hitler als Wiedergänger Caligaris – Kracauers Interpretation ist umstritten, doch sie begleitet Robert Wienes Film wie ein Schatten.

„Der Traum des Cesare“ – ein volumetrischer Film

Der 100. Geburtstag des Caligari-Films ist zugleich die 100. Wiederkehr des Epochendatums 1919 mit Weimarer Republik und Bauhaus: Anlass genug, um an den Klassiker und seine Zeit zu erinnern. Zwei Ideen kamen hier zusammen: zum einen eine Virtual Reality-Erfahrung, hier in Gestalt des fünfminütigen volumetrischen Films „Der Traum des Cesare“, den das Goethe-Institut eigens von UFA X in Babelsberg produzieren ließ. Der volumetrische Film, eine noch ganz junge Technologie, erlaubt es dank „3D Human Body Reconstruction“, sich im dreidimensionalen virtuellen Raum zu bewegen. Der Film wird auf diese Weise „begehbar“, und die Zuschauer*innen begegnen in ihm zwei bekannten polnischen Schauspielern, Arkadiusz Jakubik als Caligari und Jakub Giersza  als sein Medium Cesare. Neo-expressionistische Wandbemalungen der Künstler Zdislaw Nitka und Eugeniusz Minciel Neo-expressionistische Wandbemalungen der Künstler Zdislaw Nitka und Eugeniusz Minciel | Foto: Jakub Tabaczek

Von einem Jahrmarkt zum anderen

Die zweite Idee waren die Container: ein Wiedersehen mit Caligaris Kabinett, jetzt als begehbare Installation aus Exponaten ergänzt durch einen kleinen Kinoraum für den Originalfilm und den volumetrischen Film. Das Kabinett soll die Anmutung einer Jahrmarktsattraktion haben, die – ähnlich wie eine Geisterbahn –  ihren Besucher*innen nicht gleich verrät, was sie erwartet. Das Innere des Containers spiegelt mit neo-expressionistischen Wandbemalungen von Zdislaw Nitka und Eugeniusz Minciel und mit kubistisch gebrochenen Perspektiven den Geist des originalen Bühnenbilds wider.

Die erste Station in Warschau zeigte, dass die Attraktion wirkt. Das Kabinett weckte Neugier: bei Passant*innen, Familien, Kindern, Kenner*innen und Nicht-Kenner*innen. Manche lockte der volumetrische Film, viele wollten aber auch im gut besuchten Containerkino das komplette Original sehen. Viele hätte es sicherlich gefreut, wenn „Das Kabinett“ länger an seinem Platz geblieben wäre. Die Idee ist aber, dass die Container wandern sollen – von einem Jahrmarkt zum anderen. „Das Kabinett“ in Warschau wurde gut besucht – jetzt zieht es weiter „Das Kabinett“ in Warschau wurde gut besucht – jetzt zieht es weiter | Foto: Jakub Tabaczek

Und zur Berlinale

Nun macht „Das Kabinett“ Station in Breslau, wo es bis Ende August gegenüber der berühmten Jahrhunderthalle von 1913 geöffnet ist. Von dort geht es dann weiter nach Posen und Krakau sowie 2020 zur Berlinale nach Berlin, an jenen Ort also, wo im Februar 1920 Robert Wienes Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“ uraufgeführt wurde.
Ausschnitt aus "Das Cabinet des Dr. Caligari"

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