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Ausstellungseröffnung am Goethe-Institut Mexiko
Die Gegenöffentlichkeit der Schrift

Einblick in die Vernissage
Einblick in die Vernissage | Foto: Daniel Espinoza

Am 1. August wurde die Fotoaustellung „escribiendo lo público“/ „writing the public“ des deutschen Künstlers Flo Maak im Goethe-Institut Mexiko eröffnet. Sie zeigt künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum von Tijuana. Der Umgang mit Gewalt zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten.

Von Adrian Kopps

Tijuana hat den deutschen Künstler Flo Maak schon bei seinem ersten Besuch 2007 fasziniert und seitdem nicht mehr losgelassen. Die mexikanische Grenzstadt, an deren Strand der stählerne Grenzwall zu den USA unwirklich in den Pazifik hineinragt und deren Himmel durch die Flutlichter der amerikanischen Grenzbehörde nachts  zu glühen scheint, war im vergangenen Jahr die Stadt mit der höchsten Mordrate der Welt. Gleichzeitig erlebte Maak sie als einen Ort von ungeheurer Herzlichkeit und berührender Solidaritität.
 
Auch Rudolf de Baey, Leiter des Goethe-Instituts Mexiko, hob bei der Eröffnung von Maaks neuer Fotoausstellung in Mexiko-Stadt die symbolische Aufgeladenheit des Ortes hervor. „Tijuana ist einer der neuralgischen Punkte in Amerika. Jeden Tag kommen hier Hunderte von Migrant*innen aus Zentral- und Südamerika an, mit dem Ziel, die Grenze zu überwinden und in den USA ihr Glück zu suchen. Gleichzeitig überqueren täglich Tausende US-Amerikaner die Grenze in die andere Richtung, um in Mexiko ihr Glück in günstigen Drinks, preiswerten Medikamenten und schnellem Sex zu suchen.“ Werke von Flo Maak Werke von Flo Maak | Foto: Daniel Espinoza


„Öffentlichkeit heißt poetisches Welterschaffen“

Das besondere Wesen Tijuanas, als Ort des Übergangs und der Temporarität, ließ es für Maak naheliegend erscheinen, sich genauer mit der räumlichen Beschaffenheit der Stadt und  ihrem öffentlichen Raum zu beschäftigen. Aber was bedeutet Öffentlichkeit an einem Ort, der über keinen zentralen Platz oder ein klassisches Stadtzentrum verfügt und dessen geographische Ränder aufgrund seines kontinuierlichen Wachstums immer weiter ausfransen? Welche Gruppen werden in dieser Öffentlichkeit repräsentiert? Und wie können Gegenöffentlichkeiten in diesem Kontext entstehen?
 
Diesen Fragen ist Maak auf Einladung des Goethe-Instituts im Herbst 2018 bei einem Workshop mit lokalen Künstler*innen nachgegegangen. Inspiration fand die Gruppe in dem Essay „Publics and Counterpublics“ des amerikanischen Sozialtheoretikers Michael Warner. Dieser begreift Öffentlichkeit als prozesshafte Beziehung zwischen Fremden. „Öffentlichkeit heißt poetisches Welterschaffen“, sagt Warner und hebt besonders die Möglichkeit von performativen Akten hervor, die die gegenwärtig hegemoniale Öffentlichkeit unterbrechen und so eine Gegenöffentlichkeit schaffen. Flo Maak beim Workshop Flo Maak beim Workshop | Foto: Daniel Espinoza

Das Nebeneinander von Licht und Schatten

Wie eine solche Intervention aussehen kann, zeigt Flo Maaks Arbeit „Olga“, die neben den Arbeiten der anderen Workshopteilnehmer*innen in der Austellung zu sehen ist. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte von Olga Camacho Martinez, die 1938 in Tijuana als achtjähriges Mädchen brutal ermordet worden ist. Nichts in Tijuana erinnert an sie, während ihr mutmaßlicher Mörder bis heute unter dem Namen Juan Soldado als Heiliger verehrt wird: ein verdrehtes öffentliches Erinnern, das gerade mit Blick auf die in Mexiko häufigen Frauenmorde eine traurige Aktualität besitzt.
  Fragen an „Olga“ Fragen an „Olga“ | Foto: Daniel Espinoza
Flo Maak hat kurze Fragen an Olga auf die Wände einer alten Einkaufspassage in Tijuana geschrieben und diese Texte später mit farbigem Licht inszeniert und fotografiert. Die dabei entstandenen Bilder zeigen einen temporären Raum des Erinnerns und Fragens inmitten des geschäftigen Stadtzentrums von Tijuana. Wie eine Séance wollte Maak die Arbeit anmuten lassen. Bei all ihrer Traurigkeit und Melancholie ruft sie aufgrund der grellen Farben unweigerlich etwas Hoffnungsvolles hervor. Wie so oft in Tijuana und in Mexiko kann sie dabei auch für das direkte Nebeneinander von Licht und Schatten stehen, das häufig schwer zu begreifen ist. Eine Besucherin der Ausstellung Eine Besucherin der Ausstellung | Foto: Daniel Espinoza
 

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