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Fachtagung Bildung: Mobilität global denken.
„Wir müssen nur noch handeln!“

Die Veranstaltung bot viel Raum für Austausch.
Die Veranstaltung bot viel Raum für Austausch. | Foto: Bernhard Ludewig

Arbeitsroboter unerwünscht: Auf der Fachtagung „Bildung: Mobilität global denken“ des Goethe-Instituts stand die internationale Zusammenarbeit im Kontext der Migration von Fachkräften im Zentrum.

Von Kristina von Klot

Dass sich Deutschland als Einwanderungsland versteht, ist Common Sense; ebenso unbestritten ist der demografische Wandel und ein massiver Rückgang des Arbeitskräfte­angebots in der Bundesrepublik, der zu einem zusätzlichen Bedarf an qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland führt: Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung besteht bis 2060 ein jährlicher Einwanderungsbedarf von 260.000 Menschen. Doch auch wenn am 1. März 2020 das neue Fach­kräfte­einwanderungs­gesetz in Kraft treten wird: Was im Einzelnen auf institutioneller Ebene verbesserungs­würdig ist und wie sich die internationale Zusammen­arbeit bei der Weiterbildung und Qualifizierung optimieren lässt, ist noch offen.

Protagonist*innen der Videoreihe „Wir in Deutschland“ Protagonist*innen der Videoreihe „Wir in Deutschland“ | Foto: Bernhard Ludewig

Gemeinsam strukturelle Herausforderungen meistern

Mit dem Ziel, diesen Fragen ein Podium zu bieten, lud das Goethe-Institut Ende Oktober zu einer Fachtagung nach Berlin: Unter dem Titel „Bildung: Mobilität global denken“ konnten sich Vertreter*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in drei Workshops über verschiedene Rahmenbedingungen und Angebote in den Herkunfts- und Zielländern austauschen, um gemeinsam über einen neuen Handlungsbedarf und mögliche Stellschrauben nachzudenken. So fehlen allein dem Handwerk in Deutschland 200.000 qualifizierte Fachkräfte. Eine strukturelle Herausforderung: Arbeitsmigrant*innen erwerben in höchst unterschiedlichen nationalen Ausbildungssystemen ihre berufliche Qualifikation, sodass deren Anerkennung im Zielland häufig hohe bürokratische Hürden im Weg stehen. Eine andere Herausforderung: Sowohl bei der Integration in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft des Ziellandes als auch bei der Reintegration nach der Rückkehr in die Heimat müssen kulturelle Hürden und Entfremdungsprozesse überwunden werden.

Generalsekretär Johannes Ebert bei seiner Eröffnunsgrede Generalsekretär Johannes Ebert bei seiner Eröffnunsgrede | Foto: Bernhard Ludewig

„Wir brauchen eine Willkommenskultur“

Aus diesem Grund betonte Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, in seiner Eröffnungsrede die wachsende Bedeutung umfassender Qualifizierung, die bereits im Herkunftsland beginnen sollte – etwa mit der Vermittlung eines „realistischen Deutschlandbildes“. Nicht zuletzt der kürzlich gegründete Beirat Migration spiegele die Tatsache wider, dass der Bedarf nach passender Sprach- und Kulturvermittlung „kontinuierlich steigt.“ Ebert empfahl dringend eine Verstärkung der systematischen Förderung von Deutschunterricht an öffentlichen Schulen und Hochschulen im Ausland. Um auch in Deutschland die Angebote weiter ausbauen zu können, sei man nicht nur auf die Unterstützung der Politik angewiesen: „Wir brauchen eine Willkommenskultur. Wenn auf unseren Straßen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu spüren ist, wird das Bild von Deutschland im Ausland beschmutzt.“ Eines der jüngst entwickelten Werkzeuge des Goethe-Instituts, um Arbeitsmigrant*innen das Ankommen in Deutschland zu erleichtern: 50 neue Info-Säulen, die bald bundesweit im ländlichen Raum stehen werden. Sie informieren über die Bandbreite und Zugänge des Webportals „Mein Weg nach Deutschland“, das in 26 Sprachen abrufbar ist. Eberts Resümee: „Wir sind auf Migration angewiesen, wir haben viele Instrumente und müssen nur noch handeln.“

Expert*innen auf der Bühne im Berliner Hotel Oderberger Expert*innen auf der Bühne im Berliner Hotel Oderberger | Foto: Bernhard Ludewig

Kulturelle Partizipation

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit fasste eine Podiumsdiskussion am Ende der Konferenz zusammen. Vor allem müsse dem Zielland durch die Migration ein klarer Vorteil für den Arbeitsmarkt entstehen, „allerdings ohne, dass dadurch im Sendeland das Wachstum verlangsamt oder ein Brain-Drain droht“, meinte Vassiliy Yuzhanin von der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Entscheidend sei zudem, durch Gegenseitigkeitsabkommen und einen intensiven Austausch Erwartungen und Bedürfnisse im Vorfeld zu bestimmen, um diese bei der Ausbildung im Heimatland berücksichtigen zu können, ergänzte Delmer Cruz von der Botschaft der Philippinen. Auf eine bessere Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und einen Abbau von Bürokratisierung in Deutschland hofft Rosario Jiménez Rodríguez (Rat der Botschaft von Spanien). Sie fügte hinzu: „Man sollte nie vergessen, dass man es mit Menschen zu tun hat. Migrant zu sein, ist nur ein Aspekt unter vielen!“ Und Christoph Veldhues, Leiter des Fachbereichs Sprache, vom Goethe-Institut ergänzte, dass man bei der Sprachvermittlung nicht auf ein reines „Funktions-Deutsch“ setzen dürfe. „Schließlich geht es auch um die kulturelle Partizipation von Fachkräften – nicht um Arbeitsroboter.“

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