Freiraum Europa vernetzen

Die Projektkoordinatoren und -koordinatorinnen trafen sich letztes Wochenende in Warschau.
Die Projektkoordinatoren und -koordinatorinnen trafen sich letztes Wochenende in Warschau. | Foto: Adam Burakowski

Wie ist es in Europa um die Freiheit bestellt? In 38 europäischen Städten widmen sich Goethe-Institute und ihre Partner aus Kultur und Zivilgesellschaft dem Freiheitsbegriff. Sie knüpfen Netzwerke und erproben den Perspektivwechsel mit dem Projekt „Freiraum“. 

Europa ist im Begriff, sich zu ändern. Populistische und nationalistische Parteien erleben in vielen Ländern Zuspruch. Skepsis gegenüber der Europäischen Union, wie sie sich zum Beispiel im Brexit-Referendum artikuliert, ist nicht auf Großbritannien beschränkt. Drastische Sparmaßnahmen suchen Portugal, Spanien oder Griechenland heim. Und der Integrationsprozess verläuft mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, so dass Länder wie Rumänien oder Bulgarien eine Rolle am Rand einnehmen.
 
Projektleiterin Cristina Nord bei der Abschlussrunde des zweitägigen Treffens in Warschau mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Freiraum-Projektes, Foto: Projektleiterin Cristina Nord bei der Abschlussrunde des zweitägigen Treffens in Warschau mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Freiraum-Projektes, Foto: | Foto: Adam Burakowski Wie können europafreundliche Bürgerinnen und Bürger mit jenen ins Gespräch kommen, die nicht von Europa überzeugt sind? Wie kann man deren Zweifel ernst nehmen, ohne deshalb die europäische Idee aufzugeben? Wie können wir eine knallbunte Gesellschaft gestalten, sodass Diversität nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung begriffen wird? Darum geht es im Projekt „Freiraum“.

 

Der Netzwerk-Gedanke

Grundlegend für „Freiraum“ ist der Netzwerk-Gedanke, der die Arbeit der Goethe-Instituts maßgeblich bestimmt. Damit er sich konkret manifestieren kann, werden ab Januar 2018 jeweils zwei europäische Städte eng zusammenarbeiten und Projekte zu gesellschaftlichen Fragen entwickeln.
Bis Ende September 2017 entwickelte jede Partnerorganisation vor Ort eine Fragestellung zum Begriff der Freiheit. „Wie verstehen wir Isolation und wie können wir sie überwinden?“, möchte zum Beispiel die Organisation AWAZ Cumbria in Carlisle wissen – der Ort in Nordengland ist eine Hochburg der Brexit-Befürworter.



Im slowakischen Banská Bystrica dreht sich alles um die Frage, was man einer machtvollen, rechtsextremen Bewegung entgegensetzt und wie man das öffentliche Gespräch über Freiheit, Demokratie und Grenzen bereichert.

Die Außenperspektive

Wer genug Empathie und Vorstellungskraft mitbringt, sich in die Probleme einer anderen Stadt, eines anderen Gegenübers hineinzuversetzen, ist bereits einen wichtigen Schritt gegangen. 2018 werden die Fragestellungen in einer Reihe von Veranstaltungen mit ganz unterschiedlichen Mitteln bearbeitet: Sie werden durch die Partner und die Goethe-Institute in ihren beiden Städten ausrichten – so wandert eine Fragestellung an einen anderen europäischen Ort und wieder zurück. Im März 2019 lädt das Goethe-Institut im Berliner Haus der Statistik zu einer Abschlusskonferenz ein, in der alle Fragen und Lösungsansätze zusammengetragen werden.