Johannes Ebert im Interview „Freiheit ist die Grundlage unserer europäischen Gesellschaft“

Zivilgesellschaften sind durch populistische Strömungen weltweit immer stärker unter Druck. Kulturinstitutionen tragen deshalb eine besondere Verantwortung: Sie haben die Aufgabe, Diskussionsprozesse anzustoßen und den internationalen Dialog zu fördern. Im Interview erklärt Generalsekretär Johannes Ebert, wie das Goethe-Institut diesen globalen Herausforderungen aktuell begegnet.


Europa stärken

Gemeinsam mit anderen europäischen Kulturinstitutionen gelte es, die Probleme und die Zukunft Europas zu reflektieren. Dazu merkt Johannes Ebert an: „In unseren unmittelbaren Nachbarländern und auch direkt vor unserer Haustür führen wir plötzlich wieder Diskussionen, die viele von uns für ausgestanden gehalten hatten. Ich glaube fest daran, dass Institutionen hier eine besondere Verantwortung tragen: Wir sollten vermeintliche Gewissheiten hinterfragen und das Gespräch miteinander suchen – auch dort, wo Gemeinsamkeiten nicht auf der Hand liegen." In den nächsten Jahren wird das Goethe-Institut durch Beratung, Weiterbildung und Vernetzung zivilgesellschaftliche Initiativen und Infrastrukturen stärken, innerhalb und außerhalb Europas. Denn ob mit Blick auf das Brexit-Referendum, auf das Erstarken europakritischer, oft rechtspopulistischer Parteien oder auf das ökonomische Gefälle innerhalb der Mitgliedsstaaten: Europäisches Engagement sei wichtiger denn je. Beispielsweise mit dem Projekt „Freiraum“ nutzt das Goethe-Institut sein europaweites Netzwerk, um europäische Partner an einen Tisch zu bringen.

Digitalisierung voranbringen

Ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld seien digitale Angebote. Johannes Ebert dazu: „Wir können erstens die Reichweite, also die Kapazität Menschen zu erreichen, deutlich steigen. Das heißt, wir können in Flächenländern überall Angebote machen. Zweitens können wir junge Menschen viel besser erreichen, denn das Kommunikationsverhalten hat sich in den letzten 20 Jahren völlig verändert.“ Für den Kulturaustausch sei es wichtig, die digitalen Medien als integralen Anteil der Kulturarbeit zu verstehen, allerdings auch ihre Risiken kritisch zu betrachten und zu thematisieren.