SPAM

  • SPAM © Elsa Westreicher
  • SPAM © Elsa Westreicher

Spam sind all die unerwünschten Nachrichten, die uns zugestellt werden, die wir vielleicht öffnen oder auch nicht öffnen, die aber dennoch unser Leben beeinflussen, uns verbinden und eine Geschichte unserer Zeitgenossen erzählen. So verstanden, können wir zum Beispiel die Kongo-Konferenz von 1884-1885 als einen der grössten Spams der Menschheitsgeschichte bezeichnen - an Millionen von Menschen verschickt, bevor das Internet oder die Idee des Spam überhaupt aufkam. Mit "SPAM: einem Radioprogramm unerwünschter Nachrichten", aktiviert das Afrika Diva Collectif vier Räume in Deutschland (Berlin und Halle a.d. Saale) und der D.R. Kongo (Kinshasa und Goma), um Verbindungen und Trennungen, koloniale Auswirkungen, mögliche und unmögliche Wege der Interaktion jenseits kolonialer Machtstrukturen und anderen Spam zu diskutieren.

Sechs Cluster - zusammengehalten von Jasmina Al-Qaisi und Ralf Wendt (Halle), Jeunialissime (Scaly Kepna und Gäste [Kinshasa]), Nyabinghi Lab (Nathalie Anguezomo Mba Bikoro, Saskia Köbschall und Tmnit Zere [Berlin]), ACUD MACHT NEU (Ange da Costa, Laba Alamazani Ebisa, Tresor Ilunga Mukuna und Gäste [Berlin]), Cécile Walo und Gäste (Goma), und natürlich die Afrika Diva Collectif selbst (vertreten durch Bernie Bobina Mpia, Gina Ndaya, Sarah Ndele, Orakle Ngoy, Soraya Odia [Kinshasa]) - nutzen Radiowellen, um Gespräche zu übertragen und auszutauschen.

Eines der Merkmale von Spam ist, dass Absender und Empfänger in unvorstellbarer Zahl anwesend sind. Mit diesem Projekt eröffnen wir einen Raum, in dem sich die Öffentlichkeit vernetzen kann, indem sie persönliche Erfahrungen und Fragen anhören darf, die sie vielleicht nur allzu gut kennt oder von denen sie vielleicht gerade lernt. Das Projekt schafft einen Raum, in dem äußere Einflüsse, die unser Leben prägen, ob wir es wollen oder nicht - thematisiert werden. Wir wollen aus dem Vergessenen und Ignorierten zu (wieder-)entdeckten Wirklichkeiten kommen. Von dem, was nicht übermittelt wurde, zur Erkenntnis, wie sehr diese Realitäten die Codes unserer Zeitgenossen ordnen und wie wir uns vorstellen können, sie neu zu ordnen. Einschließlich all der unmöglichen Übersetzungen, Missverständnisse und idiosynkratischen Sprachmischungen. Die Realitäten der Erfahrungen und die breiteren, miteinander verbundenen Rahmen, in denen sie existieren, stehen im Zentrum der klanglichen Begegnung mit SPAM. Um deutlich zu machen, dass die Beziehungen zwischen ihnen nicht neu sind, sondern schon lange bestehen - dass sie einem kontinuierlichen Rückgängigmachen in der Art und Weise bedürfen, wie wir unser Leben leben, durch unser Verhalten, unsere Wege, unsere Erziehung.

Als Medium für diese gemeinsame Arbeit wird das Radio gewählt - als ein radikales Medium der Übertragung in alle möglichen Kontexte und sogar über das Terrestrische hinaus.

Dieses Projekt ist Teil der Runde 9 des Internationalen Koproduktionsfonds, Jahr 2020.