Nahaufnahme Medien in Rumänien: „Ich habe Zensur erlebt.“

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Elise Wilk ist Journalistin in Rumänien – wie sie in ihrer Arbeit seitens der Regierung eingeschränkt wird, berichtet sie im Interview.

Nehmen wir als Beispiel die Proteste in Bukarest gegen die Regierung: da konnte man gut sehen, dass nicht immer objektiv berichtet wird. Wenn ein Fernsehsender, der pro Regierung war, berichtete, dann dann kamen immer ganz kleinen Zahlen im Fernsehen – also beispielsweise, wenn 10.000 Leute auf die Straße gegangen sind, dann stand da vielleicht höchstens 2.000 – und dann, wenn es Fernsehsender waren, die gegen die Regierung sind, waren diese Zahlen noch größer. Fernsehen ist ein wichtiges Medium in Rumänien, weil es auch die Leute auf dem Dorf erreicht, die vielleicht keinen Internetzugang haben.

Also sind die Medien oder auch das Fernsehen eher pro Regierung?

Ich würde sagen, die Wichtigsten sind eher pro.

Kann man denn überhaupt noch kritische berichten? Und wo findet das dann statt?

Ja, man kann noch kritisch berichten. Zum Beispiel bei der Zeitung, für die ich arbeite: die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien. Das ist eine deutschsprachige Zeitung und dort kann man kritisch berichten, es lesen uns allerdings nur wenige Leute, weil wenige Leute Deutsch verstehen. Aber es gibt inzwischen auch Blogs und andere Organisationen, zum Besipiel „Casa Jurnalistului“ oder „Recorder“. Dort gibt es mehrere unabhängige Journalisten, die sich von ihren Lesern finanzieren und die dann sehr gut, also qualitativ hochwertig berichten und auch sehr objektiv. Also man kann auch kritisch sein.

Wie war das bei Ihnen selbst? Sie haben ja auch investigativ gearbeitet vor der Allgemeinen Deutschen Zeitung. Erzählen Sie doch mal, was Sie erlebt haben in ihrer Zeit.

Ja, früher habe ich in der rumänischen Presse gearbeitet, und zwar hauptsächlich in der Lokalpresse. Und bei der Lokalpresse ist es so, dass sie meistens von Politikern finanziert wird. Es ist mehrmals geschehen, dass ich Feierabend hatte und angerufen wurde: „Komm in die Redaktion, Du musst irgendetwas schreiben, Dein Artikel ist raus aus der Zeitung, der kann nicht publiziert werden, weil der und der angerufen hat und das nicht wollte.“

Sie wurden also zensiert.

Ja, genau.

Jetzt sind Sie ja bei der Allgemeinen Deutsche Zeitung – aber warum gibt es überhaupt eine deutsche Zeitung in Rumänien?

In Rumänien gibt es eine wichtige deutsche Minderheit, inzwischen sind es nur noch etwa 12.000 Leute, früher waren es noch 300.000. Es gibt deutsche Schulen, deutsche Lehrbücher, Ortsnamen und natürlich gibt es auch eine Zeitung dieser Minderheit.

Wie wichtig ist es denn eine Zeitung für so eine Minderheit, eine deutsche Minderheit, überhaupt eine Minderheit. Sehen Sie sich da auch als Bewahrer der deutschen Sprache in Rumänien?

Ich würde sagen, so eine Zeitung ist lebenswichtig, denn die Aufgabe dieser Zeitung ist es nicht nur korrekt zu informieren, sondern sie ist eine Struktur, die unsere Gemeinschaft zusammenhält. Und ohne diese Struktur würde die Gemeinschaft nicht mehr existieren. Wir hatten eine Feier zum 60-jährigen Bestehen unseres Wochenblatts – und die Herausgeber der Zeitung, vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien meinten, solange die deutsche Minderheit existieren wird, wird auch unsere Zeitung existieren.