Dr. Bruno Gross am 14. Februar 2014 Dankesrede von Dr. Bruno Gross bei der Verleihung des Alexander-Men-Preises

Am 14. Februar 2014 wurde in der Allrussischen Bibliothek für ausländische Literatur der Alexander-Men-Preis an das Goethe-Institut Moskau für die interkulturelle Vermittlung zwischen Russland und Westeuropa verliehen. Herr Gross nahm die Auszeichnung entgegen und hielt die Dankesrede.
 
Es gilt das gesprochene Wort.

 
Sehr geehrte Frau Genijewa
Sehr geehrter Herr Iwlijew
Sehr geehrte Frau Sparwasser
Sehr geehrter Herr Dr. Birgelen
Sehr geehrter Herr von Studnitz
Liebe Frau Dittrich van Weringh
Lieber Herr Dr. Bolz,
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
 
Liebe Kolleginnen und Kollegen des Goethe-Instituts Moskau,
 
Es ist für mich eine große Ehre heute hier in Moskau in der Bibliothek für Ausländische Literatur zu stehen und den Alexander-Men-Preis stellvertretend für das Goethe-Institut Moskau entgegenzunehmen. In der Einladung zu der heutigen Preisverleihung steht, dass der Preis in diesem Jahr erstmals einer Institution verliehen wird. Ich möchte aber betonen, dass die mit diesem Preis verbundene Ehre vor allem den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Goethe-Institut in Moskau aber auch in München sowie weltweit zukommt, die tagtäglich mit großem Engagement, hoher Kompetenz und ansteckender Begeisterung den interkulturellen Dialog auf Augenhöhe, für den das Goethe-Institut steht, ermöglichen. Insofern ehren Sie heute nicht in erster Linie eine Institution, sondern vor allem die Personen, aus denen das Goethe-Institut besteht.

Das Goethe-Institut handelt aus der tiefen Überzeugung heraus, dass nur durch langfristig angelegte Partnerschaften und einen kontinuierlichen Austausch mit den Menschen vor Ort ein kultureller Dialog auf Augenhöhe möglich ist. Kern unserer Arbeit ist ein gleichberechtigtes Miteinander, das auf Partizipation basiert. Zukünftig möchte sich das Goethe-Institut den verschiedenen Aspekten von Partizipation in Diskussionsrunden, künstlerischen Projekten und sicher auch digitalen Aktionen annähern und gleichzeitig selbst eine Kultur der Teilhabe pflegen.
 
Partizipation - das zeigt sich nicht nur in der Arbeit des Goethe-Instituts - ist das Fundament einer Gesellschaft, in der Demokratie gelebt wird und in der die Achtung der Menschenrechte zu den Grundwerten gehört. Es gilt, gesellschaftliche Teilhabe immer wieder neu einzufordern und zu sichern. Nur so können sich Gesellschaften entwickeln und ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Dies wusste auch Alexander Men, der den Mut hatte, in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Repression Andersdenkende zu hören und ihnen Kraft zu geben. Er unterstützte Künstler und Intellektuelle, die in Opposition zum Regime standen und lehrte junge Menschen ein offeneres und demokratisches Denken. Von ihm stammt der Satz: "Das Eigene lieben heißt nicht, das Fremde zu hassen. Wo immer sich der Chauvinismus breit macht – ganz gleich in welchem Volk – stimmt uns das traurig."
 
Der Alexander-Men-Preis ist eine große Anerkennung für die Arbeit des Goethe-Instituts. Ich verstehe ihn nicht in erster Linie als Auszeichnung der Erfolge, die das Goethe-Institut Moskau für das vergangene Jahr vermelden kann, sondern für die langfristige Arbeit. Das Goethe-Institut Moskau wurde 1992, unmittelbar nach dem Ende der Sowjetunion gegründet. Es zog in das Gebäude der ehemaligen DDR-Auslandsvertretung am Leninski Prospekt ein. Neben Sprachkursen und Prüfungen waren von Anfang an die Bibliothek sowie ein abwechslungsreiches Kulturprogramm Anziehungspunkte für die Bürger Moskaus. Zu Beginn konnte man die Teilnehmer der Sprachkurse noch an zwei Händen abzählen, aber das änderte sich rasch. Heute ist das Goethe-Institut Moskau das größte Goethe-Institut weltweit. In Moskau ist es zu der wichtigsten Anlaufstelle für an Deutschland interessierte Personen jeden Alters geworden.
 
In mehr als 20 Jahren kontinuierlicher Arbeit war es uns möglich, ein dichtes Netz aus Partnern und Freunden aus ganz Russland zu knüpfen. Wie tragfähig dieses Netz ist, hat sich auch im Deutschlandjahr in Russland 2012/13 gezeigt, in dessen Rahmen mehr als 1.000 Veranstaltungen und Aktionen in insgesamt 141 russischen Städten stattgefunden haben. Dieser große Erfolg war nur mit vielen Partnern und Freunden des Goethe-Instituts möglich. An dieser Stelle gilt mein Dank auch dem Auswärtigen Amt, das heute Abend durch Frau Sparwasser vertreten ist.
 
Einen langjährigen Kooperationspartner des Goethe-Instituts möchte ich an dieser Stelle besonders hervorheben. Es handelt sich um unseren heutigen Gastgeber, die Bibliothek für ausländische Literatur. Ihrer Leiterin, Frau Genijewa, gebührt mein und Herrn Eberts besonderer Dank - nicht nur für den heutigen Abend, sondern auch und vor allem für über 20 Jahre vertrauensvolle Zusammenarbeit.
 
Der Alexander-Men-Preis ist für das Goethe-Institut nicht nur eine Ehre, sondern auch ein enormer Ansporn für unsere zukünftige Arbeit. Da liegen große Aufgaben vor uns. Für 2014 und 2015 ist das insbesondere das Jahr der deutschen Sprache und Literatur in Russland. Unser Ziel ist es, ein Programm zu bieten, das Einblicke in die zeitgenössische Sprache und Literatur Deutschlands ermöglicht und zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Austausch über russische und deutsche Kultur liefert. Ich bin überzeugt, dass dabei sehr spannende Gespräche, neue Ideen und Freundschaften entstehen werden. Das wird dem Goethe-Institut Moskau mit Unterstützung seiner russischen Partner sowie dem Auswärtigen Amt sich hervorragend gelingen.
 
Das mit dem Alexander-Men-Preis verbundene Preisgeld in Höhe von 2.600 Euro möchten wir einem unserer Partner stiften. Ich freue mich diesen Umschlag Herrn Andrej Afonin, Leiter des Integrativen Theaterstudio KROOG II überreichen zu dürfen.
Mit KROOG II hat das Goethe-Institut im Deutschlandjahr ein wunderbares deutsch-russisches Theaterprojekt auf die Beine gestellt. In achtmonatiger enger Zusammenarbeit haben Herr Afonin und sein Kollege, der Berliner Regisseur Gerd Hartmann vom Theater Thikwa, das Theaterstück Entfernte Nähe: Auf der Suche nach dem Eigenen und den Anderen inszeniert, in dem behinderte und nichtbehinderte Schauspieler und Tänzer gleichberechtigt und professionell zusammenarbeiten. Dies ist, wie ich finde, ein sehr gelungenes Beispiel für ein Projekt, das von der Partizipation lebt. Hier zeigt sich: wenn Menschen aus verschiedenen Kulturen mit verschiedenen Fähigkeiten respekt- und vertrauensvoll zusammenarbeiten, kann etwas Wunderbares entstehen.
 
Nun bleibt mir nur, mich nochmals für die große Auszeichnung, die dem Goethe-Institut mit dem Alexander-Men-Preis zuteil geworden ist, zu bedanken und uns eine schöne Feier zu wünschen. Bedanken möchte ich mich auch bei dem Ensemble „Studio Neuer Musik“ vom Tschaikowski-Konservatorium, das den heutigen Abend durch seine Stücke bereichert. Mit dessen Leiter Wladimir Tarnopolski arbeitet das Goethe-Institut seit mehr als 10 Jahren eng zusammen - zuletzt beim Konzertzyklus „Klangstrom“ im Deutschlandjahr.