Dr. Bruno Gross am 17. Mai 2015 Grusswort von Dr. Bruno Gross zur Internationalen Kanzlertagung

Im Mai 2015 fand im Goethe-Institut Krakau die 7. Internationale Kanzlertagung der Hochschulen statt. Das Tagungsthema lautete „Diversity als Chance für Hochschulen". Herr Dr. Gross eröffnete die Tagung mit einem Grußwort.

Es gilt das gesprochene Wort.
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
Sehr geehrte Frau Dr. de Ridder,
Sehr geehrte Frau Jorzik,
Lieber Herr Klöver,
 
ich freue mich sehr, Sie zur 7. Internationalen Kanzlertagung begrüßen zu dürfen. Die Eröffnung dieser Tagung ist eine wunderbare Gelegenheit, um über die enge Verbindung von Kultur und Bildung zu sprechen und anhand einiger Beispiele zu zeigen, wie das Goethe-Institut und Hochschulen von einer direkten Zusammenarbeit profitieren.

Kunst, Kultur und Wissenschaft spielen eine entscheidende Rolle bei der Konstituierung von Gesellschaften und der Bewältigung aktueller Herausforderungen auf globaler und regionaler Ebene. Kunst, Kultur und Wissenschaft sind die Bereiche, in denen Innovationen entstehen! Dabei zeigt sich, dass die besten Ideen dann geboren und weiterentwickelt werden, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kontexten, mit unterschiedlichen Bildungshintergründen und verschiedenen kulturellen Erfahrungen vertrauensvoll zusammenarbeiten. Diversity ist eine große Chance für das gemeinsame Lernen und die gemeinsame Forschung. Es gilt, diese Chance zu nutzen und Diversität aktiv zu gestalten. Dazu zählt auch die zunehmende Internationalisierung der Hochschulen.
 
Das Goethe-Institut trägt mit seinem weltweiten Netzwerk aus über 159 Instituten plus Verbindungsbüros dazu bei, den interkulturellen Austausch lebendig zu halten. In vielen Weltregionen ist es sogar eine der wenigen Anlaufstellen für Kulturaustausch, ein geschützter Raum für freies Denken und Meinungsaustausch.
 
Ein ganz konkretes Arbeitsfeld des Goethe-Instituts ist die deutsche Sprache. Weltweit gibt es über 95.000 Schulen, an denen Deutsch unterrichtet wird. Das Goethe-Institut erreicht mit seinen Angeboten, die oft auch über Multiplikatoren funktionieren, 90 Prozent dieser Schulen. Etwa 13,4 Millionen Schüler und Schülerinnen lernen weltweit Deutsch. Der zweite Bereich ist die kulturelle Bildung: Hier qualifizieren, vernetzen, beraten wir Akteure aus Kulturinstitutionen. Dabei geht unser Verständnis von Kultur- und Bildungsarbeit weit über die Vermittlung der deutschen Sprache und die Unterstützung von Schulen hinaus.
 
Es zeichnet sich bereits deutlich ab, dass die Studierendenzahlen in Deutschland sinken. Sie kennen die Gründe, die zu dieser Situation führen. Sie wissen aber auch, dass hier Handlungsbedarf besteht. Deutsche Hochschulen müssen zukünftig noch attraktiver für Studierende aus dem Ausland werden. Zur Attraktivität zählt nicht nur die Qualität der Lehre und der Abschlüsse, sondern auch die Erleichterung des Zugangs für international Studierende. Das Goethe-Institut verfügt durch sein weltweites Netzwerk an Auslandsschulen inklusive der PASCH-Schulen, an denen Deutsch besonders intensiv gefördert wird, über sehr gute Möglichkeiten, die Zugänge zum deutschen Hochschulsystem in den Gastländern zu fördern. In einigen Ländern sind wir bereits dabei, sogenannte Studienbrücken aufzubauen. Bei diesen Studienbrücken geht es darum, Schülerinnen und Schüler früh fachlich und sprachlich auf ein Studium in Deutschland vorzubereiten. Im Vordergrund steht insbesondere die Förderung der Begeisterung für ein Studium der MINT Fächer. Neben der deutschen Sprache wird großer Wert auf die Vermittlung von interkultureller Kompetenz gelegt.
 
Das Goethe-Institut begreift Bildung - ganz ähnlich wie dies Hochschulen tun - als Schlüssel zur Persönlichkeitsentwicklung und zu einem selbstbestimmten Leben. Bildung ist elementar für alle Menschen, nicht nur während der Ausbildung, sondern ein Leben lang. Für uns bleibt Bildung somit nicht bei Einrichtungen wie Schulen und Universitäten stehen, sondern umfasst die Förderung des lebenslangen Lernens, das auch durch Bibliotheken, Museen und andere Kultureinrichtungen gewährleistet wird. Mit all diesen Akteuren arbeitet das Goethe-Institut zusammen und trägt zu einer Professionalisierung und Vernetzung in Deutschland bei. Unsere Arbeit kann beispielsweise darin bestehen, dass wir Kulturschaffenden unterschiedlicher Länder Einblick in Kulturinstitutionen in Deutschland ermöglichen und sie mit Experten aus ihrem jeweiligen Fachgebiet zusammenbringen.

Hier ergeben sich wunderbare Möglichkeiten für Kooperationen mit Hochschulen. Ein sehr gelungenes Beispiel ist der Moderated Open Online Course zum Thema Kulturmanagement, den das Goethe-Institut gerade zusammen mit der Leuphana Universität Lüneburg durchführt. Auf dieser Plattform lernen ca. 17.000 Menschen aller Kontinente gemeinsam anhand von Praxisbeispielen, was es heißt, professionelle Kulturarbeit zu leisten. Sie finden sich in kleinen Teams zusammen, erarbeiten Paper und tauschen sich in einem virtuellen Forum untereinander sowie mit erfahrenen Kulturmanagern aus. Das Goethe-Institut profitiert bei dieser Kooperation von der wissenschaftlichen Expertise der Professorinnen und Professoren sowie dem direkten Zugriff auf Studierende. Die Universität hingegen kann das weltweite Netzwerk des Goethe-Instituts nutzen.

Auch im Sprachbereich gibt es solche Symbiosen. So hat das Goethe-Institut gerade zusammen mit der Hochschule Jena einen neuen Fernstudienkursen „Deutsch lehren lernen” entwickelt.

Ein anderes Beispiel für eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit ist die Kooperation des Goethe-Instituts mit der Hochschule der Wirtschaft für Management in Mannheim. Hier ist das Goethe-Institut neuerdings direkt auf dem Bildungscampus in Mannheim-Lindenhof angesiedelt. Dank dieser räumlichen Nähe können Studierende optimal Deutschkurs und Hochschulleben kombinieren. Insbesondere ausländische Studierende, die den englischsprachigen Studiengang “Management in International Business" gewählt haben, profitieren davon. Der Studiengang gewinnt dadurch an Attraktivität. Aber auch das Goethe-Institut profitiert von den Strukturen und der lebendigen Atmosphäre auf dem Campus.
 
Man sieht, das Goethe-Institut und Hochschulen können auf mehrfache Weise voneinander profitieren. Gerade in Zeiten, in denen deutsche Hochschulen vor der großen Herausforderung stehen, internationaler zu werden, können sie von dem weltweiten Netzwerk des Goethe-Instituts und seinen über Jahrzehnte gewachsenen Kontakten in die Kultur- und Bildungsszenen der Gastländer profitieren. Für das Goethe-Institut wiederum ist es wichtig, die eigene Arbeit immer wieder zu reflektieren und dabei auch aktuelle Forschungsergebnisse, technische Entwicklungen und neue Lern- und Lehrformate einzubeziehen. Hierfür gibt es keinen besseren Partner als die Hochschulen.
 
Für die Zukunft sehe ich zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Zusammenarbeit zwischen dem Goethe-Institut, Universitäten und Fachhochschulen. Einige möchte ich kurz aufzählen:

Ein besonders relevantes Thema ist das Thema der Migration und Integration. Immer mehr junge Leute kommen nach Deutschland, um hier zu studieren und zu arbeiten. Bei ihrer sprachlichen und fachlichen Ausbildung könnten Hochschulen und das Goethe-Institut zukünftig noch enger zusammenarbeiten.
 
Das Goethe-Institut greift Themen, die in verschiedenen Weltregionen große gesellschaftliche Relevanz besitzen, auf und behandelt sie schwerpunktmäßig. Dies findet dezentral an den einzelnen Goethe-Instituten im Ausland statt, sodass ein multiperspektivischer Blick auf bestimmte Fragestellungen entsteht. Zu den aktuellen Schwerpunktthemen gehören Partizipation, Urbaner Raum, Zukunft. Auch auf universitärer Ebene findet viel Forschung zu diesen Themen statt; hier wäre es spannend, Praxis und Wissenschaft näher zusammenzubringen
 
Eine klare Trennung von Natur- und Gesellschaftswissenschaften lässt sich in der heutigen Zeit nicht mehr aufrechterhalten. Technische Entwicklungen beeinflussen nachhaltig unser soziales Zusammenleben und unsere Kultur. Die sogenannten „Neuen Medien“ sind hierfür ein Beispiel. Andersherum können auch kulturelle Trends und gesellschaftliche Veränderungen bestimmte technische Entwicklungen beeinflussen. Ein Beispiel ist Gaming. Gerade in den Bereichen, in denen Technik und gesellschaftliche Trends sich gegenseitig beeinflussen, sehe ich zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit des Goethe-Instituts mit Hochschulen.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche uns eine interessante Tagung sowie anregende Gespräche.