Dr. Bruno Gross am 6. Oktober 2015 Dr. Bruno Gross zur Wiedereröffnung des historischen Gebäudes in Nancy

Am 6. Oktober 2015 hat das Goethe-Institut sein ursprüngliches Gebäude in Nancy wiederbezogen, das zuvor aufwendig renoviert wurde.

Es gilt das gesprochene Wort.
 
Sehr geehrter Herr Hénart (OB Stadt Nancy),
sehr geehrter Herr Küntzle (Generalkonsul Straßburg),
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich sehr, heute gemeinsam mit Ihnen die Wiedereröffnung des historischen Gebäudes des Goethe-Instituts Nancy feiern zu dürfen! Mein herzlicher Dank geht an das Generalkonsulat Straßburg, das das Goethe-Institut Nancy in vielerlei Hinsicht unterstützt hat und den heutigen Empfang ausrichtet. Herzlichen Dank für diesen schönen Rahmen.
 
Daneben möchte ich Ihnen, unseren langjährigen Partnern, ganz herzlich danken. Ohne die Unterstützung der Stadt Nancy, der Communauté Urbaine des Grand Nancy sowie dem Département Meurthe et Moselle wäre eine Wiedereröffnung nicht möglich gewesen. Eigentlich müsste ich an dieser Stelle zahlreiche weitere Partner und Freunde des Goethe-Instituts aus Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft nennen, aber dann kämen wir lange nicht zum gemütlichen Teil des Abends. Deshalb danke ich an dieser Stelle allen Unterstützern des Goethe-Instituts Nancy gemeinsam, ohne einzelne Namen zu nennen. Ein Goethe-Institut lebt durch seine Kontakte vor Ort, durch Gespräche und Ideen, die gemeinsam entwickelt und realisiert werden. Das Goethe-Institut sind wir nur gemeinsam mit Ihnen! Das wissen wir sehr zu schätzen und freuen uns, dass Sie heute Abend hier sind, um mit uns zu feiern.
 
Einem Goethe-Institut in der deutsch-französischen Grenzregion kommt eine besondere Bedeutung zu. Unsere Länder sind geografisch und geschichtlich aufs engste miteinander verbunden. Die deutsch-französische Freundschaft gehört zum Herzstück Europas. Wir haben es in Europa geschafft, ein friedliches Zusammenleben aufzubauen. Dabei profitieren die Länder Europas nicht nur vom dem politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluss, sondern auch von dem kulturellen Austausch. Aktuell stehen wir in Europa vor besonders großen Herausforderungen. Dazu zählen die Finanzkrise sowie eine immer weiter auseinandergehende Schere zwischen Arm und Reich in vielen Ländern Europas. Gleichzeitig ist Europa damit konfrontiert, dass immer mehr Menschen als Flüchtlinge zu uns kommen, um sich hier ein neues Leben aufzubauen. Unsere Aufgabe ist es, sie zu integrieren, ihnen Perspektiven zu geben. Sie müssen Teil unsere Gesellschaften werden, da es andernfalls zu großen gesellschaftlichen Verwerfungen kommen wird.
 
Um diese große Aufgabe meistern zu können, brauchen wir den europäischen Zusammenhalt, auf politischer Ebene, aber vor allem auch auf gesellschaftlicher und kultureller Ebene.
 
Zu den Zielen des Goethe-Instituts gehören die Vermittlung der deutschen Sprache und der interkulturelle Dialog. An unseren Instituten weltweit lernten im vergangenen Jahr ca. 229 000 Menschen Deutsch, die Nachfrage nach Deutsch steigt. Gerade in einer Grenzregion wie Nancy sind Sprachkurse sowie Projekte an Schulen zur deutschen Sprache ein wichtiges Element der interkulturellen Verständigung. Die Goethe-Institute in Frankreich sind auch wichtige Partner bei der Weiterqualifizierung von Lehrerinnen und Lehrern im Bereich Deutsch in Schulen sowie an Hochschulen. Viele Schulprojekte, Fortbildungen und Seminare werden in enger Zusammenarbeit mit den französischen Bildungsbehörden durchgeführt. Ein besonders schönes Beispiel für die Kooperation mit der Éducation Nationale sowie der Académie Nancy-Metz ist das Projekt „Grenzgänger“. Dieses Projekt wendet sich an Schülerinnen und Schüler aus dem Bereich der beruflichen Bildung, die in Lothringen in Grenznähe zu Deutschland leben. Ziel ist es, diesen jungen Menschen durch Intensivsprachkurse in Verbindung mit der Vermittlung weiterer Schlüsselkompetenzen ein grenzüberschreitendes Berufsleben zu ermöglichen. Ein weiteres Ziel, das auch mit diesem Projekt zusammenhängt, ist die Förderung eines mehrsprachigen Europas, in dem junge Menschen ganz selbstverständlich bereits in der Schule mehrere europäische Sprachen lernen, um später auch außerhalb ihres Landes zu studieren oder zu arbeiten.
 
Aber auch die Kulturprojekte des Goethe-Instituts tragen den europäischen Gedanken in sich. Dies zeigt sich beispielsweise in dem Festival „Neue Stücke“, das das Goethe-Institut zusammen mit französischen und deutschen Partnern im November in Nancy organisiert. Oder auch in dem Beitrag des Goethe-Instituts zur europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse in Saarbrücken.

Bildung und Kultur sind – das kann man nicht häufig genug wiederholen - Schlüsselelemente für die Aufgaben, die in Europa vor uns liegen. Häufig sind es Kunst und Kultur, die den Finger in die Wunde legen und auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen sowie Wertvorstellungen hinterfragen Sie zeigen aber auch Alternative auf und machen Verständigung möglich, selbst dort, wo die Situation „festgefahren“ wirkt.
 
Gerade angesichts der Krisen in Europa wird deutlich, dass zu Europa mehr gehört als offenen Grenzen und ein freier Binnenmarkt. Zentral ist ein europäisches Bewusstsein, dass über Kulturaustausch und gemeinsame Bildung entsteht. Hierfür setzt sich das Goethe-Institut ein.
 
In diesen Tagen, in denen sich der Mauerfall zum 25. Mal jährt, wird das europäische Bewusstsein wieder besonders deutlich spürbar. Mit dem heutigen Empfang feiern wir auch die Wiedervereinigung, die unser aller Leben in Europa so fundamental geprägt hat. Kann es ein schöneres Datum für die Wiedereröffnung des Gebäudes des Goethe-Instituts Nancy geben?

Die umfassenden Arbeiten an dem historischen Gebäude des Goethe-Instituts Nancy, die weit über ein Jahr angedauert haben, zeigen, dass es uns wichtig ist, in Nancy vertreten zu sein. Wir möchten auch in Zukunft in dieser Region im Herzen Europas zusammen mit unseren Partnern vor Ort eine Plattform für einen europäischen Austausch bilden. Das können wir nun in einem besonders schönen Gebäude tun!