Dr. Bruno Gross am 22. Juli 2016 Grußwort von Dr. Bruno Gross zur Internationalen Deutscholympiade

Internationale Deutscholympiade und Jahrmarkt der Kulturen in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort.
 
Sehr geehrter Herr Prof. Hoppe,
liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Internationalen Deutscholympiade,
liebe Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer aus der ganzen Welt,
sehr geehrte Gäste von nah und fern,
 
sich spielerisch mit anderen messen, die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen ausloten und dabei Schnittstellen verschiedener Kulturen und Disziplinen herstellen, dafür steht die Internationale Deutscholympiade und unser Jahrmarkt der Kulturen – auch in diesem Jahr.

Gemeinsam freuen wir uns deshalb auf die diesjährige Veranstaltung und ihren Wettbewerb hier im Technikmuseum Berlin. Einen besseren Ort kann ich mir dafür nicht vorstellen. Danke auch an Herrn Prof. Böndel, der heute leider nicht anwesend ist, und (stellvertretend) auch ein großes Dankeschön an Sie, Herr Prof. Hoppe.
 
Die scheinbare Autonomie von Sprache und den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft ist längst überholt: ohne die dafür passende Sprache lässt sich in keiner Disziplin ein Gedanke fassen, ist ein Austausch und ein gegenseitiges Lernen unmöglich.
Die zunehmende Spezialisierung der Disziplinen erfordert Fachsprachen. Gleichzeitig lassen sich viele globale Fragen, die uns derzeit beschäftigen nicht mehr von einer einzigen Disziplin oder einem einzigen Land/Kulturkreis beantworten. Daraus entsteht die Notwendigkeit von interdisziplinären Ansätzen und internationalen Netzwerken. Hierfür bedarf es an „Übersetzern“, die Brücken zwischen den Fachsprachen (z.B. Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften) und den Kulturkreisen bauen.
Ein Phänomen, das sich vielleicht am besten mit den Worten „Sprache als Kulturtechnik“ beschreiben lässt.
Viele Schülerinnen und Schüler weltweit entscheiden sich bewusst für Deutsch als Fremdsprache, um in Deutschland studieren zu können. Dabei besteht großes Interesse gerade an Studienfächern wie beispielsweise Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, den sogenannten MINT-Fächern.

Gemeinsam an Technik-Projekten zu arbeiten macht nicht nur Spaß, sondern fördert auch das Sprachen lernen. Insbesondere durch den wachen Forschergeist der Jugendlichen, durch ihr natürliches Bedürfnis sich auszuprobieren, sich mitzuteilen, Begriffe zu finden, einzuordnen und zu vertiefen. Forschende Jugendliche sind hoch motivierte Sprachenlerner. Sie wollen Phänomene benennen, beschreiben, Vermutungen ausdrücken, die Perspektive eines anderen einnehmen, Schlüsse ziehen – kurz: Sie wollen entdecken, verstehen und übersetzen.
 
Das Goethe-Institut bildet hierfür an rund 160 Standorten in 90 Ländern eine Plattform. Dabei unterstützen wir das Erlernen der deutschen Sprache im In- und Ausland, initiieren, gestalten und führen Kulturprogramme durch und vermitteln ein aktuelles Deutschlandbild. Damit bilden wir jedoch nicht nur ein physisches Netzwerk, sondern bieten Raum für kollaborative sowie interdisziplinäre Arbeit – immer auf Augenhöhe!

Internationale Lerngemeinschaft und Koproduktion sind hier die Stichworte.

Ein zentrales Anliegen des Goethe-Instituts ist es, den Spracherwerb nicht als solitären Ansatz zu betrachten, sondern durch aktive Vernetzung der Jugendlichen, auch gerade über Landesgrenzen hinweg, ein Partnernetzwerk der Deutschlerner zu schaffen – eine weltweite Community wie beispielsweise Deutsch für Dich. Interkulturelle Kompetenz ist gerade in international agierenden Unternehmen längst zu einer der wichtigsten Kompetenzen, gar zur Schlüsselfunktion, geworden.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt, ja der gesamten Gesellschaft, führt dazu, dass die Grenzen von Organisationen durchlässig werden. Projektarbeit in offenen, weltweit verteilten Teams ist heute selbstverständlich.
 
Heute sind daher nicht nur sprachliche, sondern gerade auch interkulturelle Kompetenzen und die Fähigkeit in internationalen Teams kooperativ zusammen zu arbeiten, gefragt.
 
Neben dem Sprachwettbewerb lernen die Olympioniken bei dem zweiwöchigen Aufenthalt in Berlin, Deutschland, seine Kultur und seine lokalen Besonderheiten näher kennen und damit den olympischen Gedanke des friedlichen und kooperativen Zusammenlebens und –arbeiten, des fairen Miteinanders und des Reichtums der verschiedenen Kulturen, leben und erleben.

Ein Mehrwert, der nicht nur symbolisch gegen einen aktuell erkennbaren Trend des Nationalismus und Populismus steht. Die Brisanz zeigt sich auch am Beispiel der Europäischen Union und damit ganz aktuell am BREXIT sowie der Notwendigkeit und Bedeutung von Engagement, Vernetzung und Partizipation junger Menschen. Eine digitale Vernetzung oder gar Partizipation nur über z.B. Facebook ist hier nicht ausreichend, denn wählen kann nur, wer physisch erscheint – zumindest heute gilt das noch.

Wie das gelingen kann, konnte man zu Beginn dieser Woche in München erleben. So hat eine Gruppierung junger, weltoffener Menschen eine Gegendemonstration zu einer geplanten Pegida-Veranstaltung gestartet. Das Besondere: Die Gegner der rechten Gruppierung haben diese Aktion mit einer Pokémon-Jagd verbunden, um damit „eine beachtliche Zahl an Spielern zu mobilisieren“. Laut Presseberichten kamen rund 500 Pokémon-Spieler zusammen, um für ein tolerantes München und Europa zu werben. An diesem Beispiel kann man gut sehen, wie auf spielerische Art die digitalen Möglichkeiten nutzend, eine politisch-aktivistische Botschaft vermittelt werden kann.

Bei der diesjährigen Internationalen Deutscholympiade stehen 125 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus rund 64 Ländern stellvertretend für 15 Millionen Deutschlerner weltweit. Dabei setzen Sie, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, exemplarisch, ein überzeugendes Zeichen gegen Abschottung, Ausgrenzung und Ablehnung anderer Kulturen.
 
Die internationale Deutscholympiade 2016 und der heutige Jahrmarkt der Kulturen wären ohne eine großartige Förderung und Unterstützung von staatlicher Seite und von Seiten verschiedenster Institutionen und Unternehmen nicht möglich. Man sieht es mir hoffentlich in diesem Zusammenhang nach, dass ich aus Zeitgründen leider nicht alle nennen kann. Auf dem Jahrmarkt dabei sind u.a. die Verlage Cornelsen, Hueber und Klett-Langenscheidt. Ihnen darf ich im Namen des Goethe-Instituts für die Unterstützung danken. Recht herzlich möchte ich mich zudem bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Deutschen Technikmuseum Berlin bedanken, die das, was Sie hier erleben können, möglich gemacht haben. Nun wünsche ich Ihnen eine spannende und anregende Reise durch unseren Jahrmarkt der Kulturen und der Internationalen Deutscholympiade. Viel Spaß!