Portugal Ausstellung „Hubert Fichte: Liebe und Ethnologie“

Hubert Fichte-Ausstellung | Foto: Ramiro Guerreiro, Untitled, 2009
Hubert Fichte-Ausstellung | Foto: Ramiro Guerreiro, Untitled, 2009

Hubert Fichte war nicht nur Schriftsteller, Journalist und Ethnologe, sondern auch Pionier der von ihm selbst betitelten „Ethnopoesie“. Die internationale Ausstellung „Hubert Fichte: Liebe und Ethnologie“ beleuchtet nun sein Schaffen. Halt macht sie an den Orten, an denen Fichte gelebt und gearbeitet hat. Der Auftakt findet am 23. September im Kunstraum Lumiar Cité in Lissabon statt. Weitere Stationen sind Salvador da Bahia, Rio de Janeiro, Santiago de Chile, New York, Dakar und Berlin.

Lissabon, Salvador da Bahia, Rio de Janeiro, Santiago de Chile, New York, Dakar, Berlin
23. September 

Seit 1969 hielt sich der Hamburger Schriftsteller und Ethnologe Hubert Fichte immer wieder, oft monatelang, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und Fotografin Leonore Mau in Brasilien auf. Er traf unter anderem den Schriftsteller Jorge Luis Borges in Argentinien oder den Politiker und Arzt Salvador Allende in Chile. Weitere Reisen führten ihn unter anderem in den Senegal, nach Belize, Haiti und in die afro-diasporischen Zentren der USA. Was Fichte die „afroamerikanischen Religionen“ nannte, faszinierte ihn als die große Alternative zur westlichen Kunst. Aus lyrischer Perspektive schrieb er über seine Eindrücke ethnografische Bücher wie „Xango“ (1976) und „Petersilie“ (1980) und brachte gemeinsam mit Leonore Mau Fotobände heraus. 

Orte mit Lebensbezug

Das auf mehrere Jahre angelegte Projekt „Hubert Fichte: Liebe und Ethnologie“ des Goethe-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kulturen der Welt (HKW) zeichnet nun einen Teil der literarischen Reise Fichtes in Textform und Ausstellungen nach. Ziel ist es, Fichte trotz seiner unbestrittenen Bedeutung als Vordenker für die Gegenwart neu zu erschließen und im lokalen Kontext seiner Reiseziele zu reflektieren. Grundlage bilden die Übersetzungen einer Reihe von Fichtes Romanen und Texten in die Sprachen der Orte, von denen sie handeln: Portugiesisch, brasilianisches Portugiesisch, chilenisches Spanisch, Französisch, Wolof und amerikanisches Englisch. Die Veröffentlichung der Übersetzungen wird durch Ausstellungen begleitet, in denen Arbeiten von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern gezeigt werden. Sie haben sich mit dem Schaffen und den Werken Fichtes auseinandergesetzt.
 
Bereits am 22. September werden in Lissabon in der „Cinemateca Portuguesa“ Fichtes Buch „Um Amor Feliz“ und vier seiner Kurzfilme vorgestellt. Die erste Ausstellung des Projekts eröffnet schließlich am Folgetag, den 23. September, im Kunstraum Lumiar Cité in Lissabon. Die fünf Künstlerinnen und Künstler Gabriel Barbi, Ramiro Guerreiro, Ana Jotta, Euridice Kala und Simon Thompson haben zusammen mit dem Kurator Jürgen Bock eine werkübergreifende Ausstellung entwickelt. Weitere Stationen sind das Museum of Modern Art in Salvador da Bahia (Oktober – November) und das Centro Municipal de Arte Hélio Oiticica in Rio de Janeiro (November bis Dezember 2017). Ab 2018 folgen Santiago de Chile, New York, Dakar und Berlin. Das Projekt wird von Diedrich Diederichsen und Anselm Franke zusammen mit weiteren lokalen Kuratorinnen und Kuratoren konzipiert. Ab Herbst gibt es zusätzlich ein Webjournal zur Ausstellung. 

Pionier der Postcolonial Studies 

Der (Sub-)Kulturforscher Fichte wird als Impulsgeber für heutige Disziplinen wie die Queer Studies oder die Postcolonial Studies verstanden. In seinen Schriften klingen heutige Themen der Ökonomiekritik, (Homo-)Sexualität und Selbstreflexion als poetische und politische Motive in literarischen und essayistischen Texten an. Sie sind von Witz, persönlicher Dringlichkeit und scharfen Positionen gegenüber sich selbst und anderen gekennzeichnet. Eingebettet ist das Projekt am HKW in die Reihe „Kanon-Fragen“, welche die Ressourcen kultureller Kanonisierungs-Prozesse des 20. Jahrhunderts untersucht. 
 
„Hubert Fichte: Liebe und Ethnologie“ ist eine Kooperation von Goethe-Institut und Haus der Kulturen der Welt mit Unterstützung der S. Fischer Stiftung und der Forberg-Schneider-Stiftung.

Kontakt

Viola Noll
Stellv. Pressesprecherin
Goethe-Institut Hauptstadtbüro
Tel.: +49 30 25906 471
noll@goethe.de
 
Anne Maier
Leitung Presse / Pressesprecherin
Haus der Kulturen der Welt
Tel.: + 49 30 39787 153
presse@hkw.de