Deutschland Verleihung der Goethe-Medaille

Von links nach rechts: Urvashi Butalia (Foto: Showkat Shafi / Al Jazeera), Emily Nasrallah (Foto: Emily Nasrallah), Irina Scherbakowa (Foto: Körber-Stiftung)
Von links nach rechts: Urvashi Butalia , Emily Nasrallah, Irina Scherbakowa | Fotos: Showkat Shafi/ Al Jazeera, Emily Nasrallah, Körber-Stiftung

Drei mutige Frauen: Die indische Verlegerin Urvashi Butalia, die libanesische Schriftstellerin Emily Nasrallah und die russische Bürgerrechtlerin Irina Scherbakowa werden mit der Goethe-Medaille 2017 ausgezeichnet. Am 28. August übergibt der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann die Auszeichnung für besondere Verdienste im internationalen Kulturaustausch im Residenzschloss Weimar.
 
Weimar
28. August

Die jährliche Verleihung der Goethe-Medaille steht 2017 unter dem Motto „Sprache ist der Schlüssel“. Mit dem offiziellen Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland werden drei Frauen ausgezeichnet, die je auf ihre eigene Weise mutig Stellung zu Tabuthemen ihrer Gesellschaft beziehen – von Gewalt gegen Frauen bis zur Erinnerungspolitik.

Kampf um Emanzipation

Die indische Verlegerin, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Urvashi Butalia setzt sich seit über vierzig Jahren für marginalisierte Gruppen in ihrer Heimat ein. Als Feministin streitet sie für einen Wandel in der indischen Gesetzgebung zu Vergewaltigung und Mitgift. „Die Frauenbewegung in Indien ist eine der stärksten weltweit“, sagte Butalia 2016 in einem Interview. Neben der Leitung ihres Verlages Zubaan („Zunge, Sprache, Stimme“) veröffentlicht sie regelmäßig Essays in renommierten Zeitungen und Magazinen wie „The Guardian“ und „Lettre International“. Auf Deutsch erschienen sind Butalias Erzählungsband „Frauen in Indien“ (2006) sowie das historische Sachbuch „Geteiltes Schweigen: Innenansichten zur Teilung Indiens“ (2015).  
 
Emily Nasrallah zählt zu den bekanntesten Schriftstellerinnen der arabischen Welt. Ihre Texte für Erwachsene und Kinder beschreiben poetisch den Alltag im bürgerkriegsversehrten Libanon. „Die meisten meiner Werke entstanden unter Bombardement“, erinnert sich die Autorin von Werken wie „Septembervögel“ (1962) oder „Kater Ziku lebt gefährlich“ (1998). Im Zentrum von Nasrallahs Schaffen stehen das dörfliche Leben im Libanon, Emanzipationsbestrebungen von Frauen oder Identitätsfragen im Bürgerkrieg. Sie selbst weigerte sich während der jahrelangen Kämpfe ins Exil zu gehen. 

Einsatz für Erinnerungspolitik

Irina Scherbakowa kämpft seit Jahrzehnten für die umfassende Aufklärung der Repressionspolitik in der ehemaligen Sowjetunion. „Nur ein kleiner Teil der Gesellschaft interessiert sich für die individuellen Schicksale der Kriegs- und Nachkriegszeit“, beklagt sie. Scherbakowa war 1988 Gründungsmitglied der ersten sowjetischen NGO „Memorial“ und steht seit 2016 auf der Liste der „ausländischen Agenten“. Sie hat zahlreiche Bücher zu Stalinismus und Erinnerungskultur veröffentlicht. Große Aufmerksamkeit fand 2015 ihr mit Karl Schlögl verfasstes Dialogbuch „Der Russland-Reflex. Einsichten in eine Beziehungskrise“.  
 
Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Goethe-Instituts, übergibt die Medaillen am 28. August im Residenzschloss Weimar. Die Laudationes halten die ehemalige Stasi-Beauftragte Marianne Birthler, die Journalistin Emily Dische-Becker und die Soziologin Christa Wichterich. 

Die Verleihung der Goethe-Medaille 2017 wird in enger Partnerschaft mit der Klassik Stiftung Weimar und der Stadt Weimar veranstaltet. Das Gespräch mit den drei Preisträgerinnen ist eine Kooperation mit dem Kunstfest Weimar. Der Diskussionsabend mit Irina Scherbakowa und Karl Schlögel ist ebenfalls eine Kooperation mit dem Kunstfest Weimar und wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes.

Kontakt

Viola Noll
Stellv. Pressesprecherin
Goethe-Institut Hauptstadtbüro
Tel.: +49 30 25906 471
noll@goethe.de
 
Magda Löb
Kommunikation „Goethe-Medaille“
Goethe-Institut Hauptstadtbüro
Tel.: +49 176 64240666
magda.loeb.extern@goethe.de