Minsk „Geniale Dilletanten“

Die Tourneeausstellung „Geniale Dilletanten“ ist die bisher umfangreichste Präsentation der deutschen Subkultur der 1980er Jahre. Die Ausstellung vereint Bild- und Tondokumente, die das Bild einer Bewegung zwischen provokativer Verweigerung und internationalem Ruhm nachzeichnen. Sie startet am 23. April im belarussischen Minsk. Ab Ende Juni ist sie auch im Haus der Kunst in München zu sehen, wo sie mit einem Konzert der „Einstürzenden Neubauten“ eröffnet wird.

Minsk
Ab 23. April 2015

München
Ab 25. Juni 2015
 

FM Einheit Einstürzende Neubauten Bochum 1982 FM Einheit Einstürzende Neubauten Bochum 1982 | Foto: Wolfgang Burat „Geniale Dilletanten“ lautete der absichtlich falsch geschriebene Titel eines Konzerts, das 1981 im Berliner Tempodrom stattfand. Es wurde zum Synonym einer kurzen Epoche des künstlerischen Aufbruchs. Vor allem im Umfeld von Kunsthochschulen erblühte eine Avantgarde, die sich durch künstlerische Vehemenz, genre-übergreifendes Experimentieren und den Wunsch nach Selbstorganisation auszeichnete. Damit einher ging die Gründung zahlreicher Musikbands, Plattenlabels, Magazine, Galerien und Clubs.

Subkultur mit Nachhall

Die Ausstellung „Geniale Dilletanten“ präsentiert ab 23. April in Minsk (Belarus) und im Anschluss auf Welt-Tournee den bisher umfangreichsten Überblick über die deutsche Subkultur der 1980er-Jahre. Von Juni bis Oktober wird sie auch im Münchner Haus der Kunst zu sehen sein. Die Protagonistinnen und Protagonisten der Szene, die verstärkt statt des Englischen die deutsche Sprache in Songtexten und Bandnamen einsetzten, fanden mit ihrer gezielten Abgrenzung vom Mainstream auch international Anerkennung.

Namhafte Protagonisten

Die „Einstürzenden Neubauten“ erforschten mit einem aus Schrott und Alltagsgegenständen zusammengestellten Instrumentarium die Grenzen zwischen Musik und Lärm. „Die Tödliche Doris" experimentierte mit verschiedenen künstlerischen Formen wie Musik, Film, Fotografie, Objektkunst und Malerei. Das Duo „Deutsch Amerikanische Freundschaft (D.A.F.)“ kombinierte provokative Texte mit harten Schlagzeug-Beats, gepaart mit Synthesizer-Effekten und einer Bühnenshow zwischen Ekstase und Krawall. „Der Plan“ trat mit surrealen Kostümen und ironisch-sarkastischen Texten hervor. „Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.)“ wurde von Redaktionsmitgliedern des Underground-Magazins „Mode & Verzweiflung“ gegründet und interessierte sich vor allem für kulturelle Brüche. Die Musik von „Palais Schaumburg" gewann ihren besonderen Charakter durch die Kombination von Synthesizern, Sample-Geräten mit Trompete und skurril-atonal vorgetragenem Gesang. Trotz erschwerter Umstände engagierten sich Ost-Berliner Künstler und Musiker im avantgardistischen Band-Projekt „Ornament und Verbrechen", das durch Jazz, Industrial und elektronische Musik beeinflusst war.

Interviews und Konzerte

Die breit angelegte Ausstellung thematisiert zugleich parallele Entwicklungen in Kunst, Film, Mode und Design. Sie umfasst einen eigens produzierten Interviewfilm, Video-und Fotomaterial, Hörbeispiele, Magazine, Plakate und weitere Dokumente. Ein Begleitprogramm mit Konzerten und Symposien trägt zur Vertiefung des Themas bei.

„Geniale Dilletanten“ ist eine Tourneeausstellung des Goethe-Instituts. Für die Präsentation im Haus der Kunst wird die Ausstellung maßgeblich erweitert. Die Ausstellung wurde vom Bereich Bildende Kunst des Goethe-Institut initiiert; sie wurde kuratiert von Mathilde Weh in Zusammenarbeit mit Aline Fieker.

Weitere Informationen unter:
www.goethe.de/bildendekunst

Ansprechpartnerin:
Mathilde Weh
Goethe-Institut Zentrale
Referentin für Bildende Kunst
Tel.: +49 89 15921 115
weh@goethe.de