Belgien Konferenz „European Angst“

In Europa ist eine Atmosphäre aus Furcht, Wut und Skepsis spürbar. Mit der Konferenz „European Angst“ geht das Goethe-Institut am 6. und 7. Dezember 2016 in Brüssel den gegenwärtigen Entwicklungen mit Künstlern und Intellektuellen auf den Grund. Unter ihnen die Nobelpreisträgerin Herta Müller, der Philosoph Slavoj Žižek und die Schriftstellerin Elif Shafak.

Brüssel
6. bis 7. Dezember 2016
 

Konferenz „European Angst” in Brüssel | Grafik: Sandra Kastl Konferenz „European Angst” in Brüssel | Grafik: Sandra Kastl Populistische Rhetorik schafft sich einen immer größer werdenden Raum – mit unabsehbaren Folgen, wie das Referendum über den Brexit bereits gezeigt hat. Das in vielen Ländern angespannte gesellschaftspolitische Klima befeuert populistische und nationalistische Parteien und Bewegungen. Während extreme Kräfte wie die AfD in Deutschland, die UKIP in Großbritannien oder der Front National in Frankreich an Boden gewinnen, erscheinen die etablierten politischen und kulturellen Institutionen zunehmend ratlos. Weshalb nimmt die sogenannte „European Angst“ momentan derart zu? Und welche Rezepte sind gegen sie wirksam?
 
Diesen drängenden Fragen schafft das Goethe-Institut mit der Konferenz „European Angst“ eine breite und prominente Plattform. Um die Ursachen von Extremismus und Europaskepsis zu analysieren, treffen sich Anfang Dezember Intellektuelle, Autorinnen und Wissenschaftler im Brüsseler Kunstzentrum BOZAR.

Keine Freiheit ohne Risiko

Nach der Eröffnung durch den Präsidenten des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann wird die Nobelpreisträgerin Herta Müller das Konferenzthema aus ihrer Sicht angehen. In einem Interview hat die Schriftstellerin erst kürzlich ihre Haltung verdeutlicht: „Es ist unverantwortlich, Angst politisch zu instrumentalisieren. Dabei gibt es doch gar keine Freiheit ohne Risiko“.
 
Unter dem Titel „How did it come upon us? An analysis of extremism’s reasons and manifestations“ tauschen sich in der ersten Diskussionsrunde der französische Philosoph und Essayist Didier Eribon, die tschechische Politologin Vladimíra Dvořákova und die Leiterin des Berliner Gorki-Theaters Shermin Langhoff aus. Außerdem diskutiert der niederländische Soziologe Paul Scheffer mit anderen Gästen im Podiumsgespräch „Scapegoating: Why racism could gain so much ground and how it feels to be a migrant in contemporary Europe“ Fragen zu Ausgrenzung und Ressentiments.

Handlungsstrategien und Manifest

Der für seine kontroversen Haltungen bekannte Philosoph Slavoj Žižek sucht mit der türkischen Schriftstellerin Elif Shafak („Der Bastard von Istanbul“) unter dem Titel „Facing the challenge: an approach towards productive methods and narratives to face extremism and the disintegration of Europe“ nach konkreten Handlungsstrategien.
 
Der polnische Journalist Lukasz Warzecha spricht mit der deutschen Journalistin und Fernsehmoderatorin Sonia Seymour Mikich über den Einfluss von Verschwörungstheorien, polarisierenden Talkshows und Social Media auf unsere Realitätswahrnehmung. Zum Abschluss der Konferenz wird der EU-Politiker und Präsident des European Movement International Jo Leinen Fragen aus dem Publikum beantworten. Eine besondere Rolle nehmen dabei rund 40 Studierende ein: Sie werden Fragen für die geladenen Gäste vorbereiten, sich aktiv in die Diskussionen einmischen und ein Manifest verfassen, das Wege aus der gegenwärtigen Krise umreißen soll.
 
Aus den verschiedenen Ansichten und Erklärungsmustern soll ein tieferes Verständnis der gegenwärtigen Situation gewonnen werden. Die Konferenz wird mit einem gemeinsam verfassten Manifest beschlossen.
 
„European Angst“ ist eine Initiative des Goethe-Instituts zusammen mit BOZAR sowie vier Mitgliedern von EUNIC (dem Istituto Italiano di Cultura Bruxelles, der Alliance française de Bruxelles-Europe, dem Czech Centre und dem Polish Institute in Brussels). Unterstützung kommt vom European Movement International, von der Evens Foundation und von der Ambassade de France en Belgique. Medienpartner ist der EUObserver.
 

Kontakt:

Christina Steenken
Pressereferentin
Goethe-Institut Hauptstadtbüro
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christina.steenken@goethe.de
 
Andreas Wüst
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Goethe-Institut Brüssel
Tel. +32 2 2303 970
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