Tschechien Theoriefestival #LutherLenin in Prag

Theoriefestival #LutherLenin im Prager Theater Studio Hrdinu | Foto: Studio hrdinu Praha, 2017
Theoriefestival #LutherLenin im Prager Theater Studio Hrdinu | Foto: Studio hrdinu Praha, 2017

2017 jähren sich zwei historische Ereignisse, die einen nachhaltigen Einfluss auf das damalige Weltbild hatten: Luthers Thesenanschlag und die russische Oktoberrevolution. Doch welche Relevanz haben die beiden historischen Zäsuren im Zeitalter sozialer Netzwerke und Hashtags? Diese Frage greift das Theoriefestival „#LutherLenin. Eine Sendung“ in Prag mit einer 36-stündigen Live-Radioinszenierung auf, die am 2. und 3. Dezember Gespräche und Vorträge mit internationalen Gästen aus Philosophie, Kunst und Ökonomie im Internet überträgt.

Prag
2. und 3. Dezember

„Ich fürchte, diesem Teil der Welt steht eine Revolution bevor“, schrieb Erasmus von Rotterdam 1517. Wenige Wochen später veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und legte den Gläubigen nahe, in ein selbstverantwortliches Verhältnis zu Gott zu treten. 400 Jahre später, im Jahr 1917 markierte die Oktoberrevolution in Russland den Auftakt zur Entstehung des Sowjetimperiums und der damit einhergehenden Spaltung der Welt in zwei ideologische Machtblöcke.
 
Bei beiden Ereignissen spielten die jeweils vorherrschenden Medien eine gewichtige Rolle: Flugblätter und Bücher zu Zeiten Luthers, Plakate, Kino und die Funktechnologie zu Zeiten Lenins. Darüber hinaus sind beide Daten konstitutiv für eine Moderne, die gekennzeichnet ist durch die stetige Suche nach den Möglichkeiten eines autonomen und selbstbestimmten Seins des Subjekts – deren Suche sich ungebrochen bis heute in den in sozialen Medien fortschreibt. 

Bibel, Radio und Facebook 

Das Zusammenfallen beider Jubiläen in diesem Jahr stellt den Ausgangspunkt für das internationale Theoriefestival „#LutherLenin. Eine Sendung“ dar, das vom 2. bis 3. Dezember in Prag stattfindet. In einem Programm aus Lesungen und Vorträgen, Gesprächen und Diskussionen, kommentierten Musikkonzerten und Live-Musik geht es darum, die gemeinsamen Elemente und Ideenkonzepte beider Ereignisse zu reflektieren und über ihre Wirksamkeit bis heute nachzudenken. Dabei geht es um Fragen der Autonomie des Subjekts und des Einflusses von Medien sowie der Relevanz von Revolutionen in heutigen Zeiten.
 
​Zu den internationalen Gästen zählen u.a. der Berliner Komponist und Performer Nicholas Bussmann mit einer Welturaufführung, die slowakische documenta-Künstlerin Anna Daucikova, der tschechische Starökonom Tomas Sedlacek, Deutschlands größter freier Radiosender Radio Corax, der Medienhistoriker Andreas Bernard, die japanischen Medienaktivisten Sazae-Bot sowie Kurator und Queer-Aktivist Arakis. Neben den Gesprächen und Interventionen gibt es ein Nachtprogramm mit revolutionärer Musik und Tanzmöglichkeiten. 

„On Air“ im Netz 

Das Festival lässt sich dabei vom Motiv des Radios leiten, das sich als erstes Massenmedium durchsetzte. Dafür verwandeln sich die Bühnen des Prager Theaters „Studio Hrdinů“ in drei Radiosendestationen, die jeweils verschiedenen Ausprägungen des Radios nachempfunden sind: Der Staatssender stellt die Situation nach, wie sie in einem funktionierenden autoritären Staat herrscht, der das Monopol über die Massenmedien innehat. Der Privatsender steht für die Aufklärung und Unterhaltung als Ergebnis privatwirtschaftlicher Initiativen. Der Kommunesender steht symbolisch für basisdemokratische Organisationsformen eines Radios „von unten“. Alle Programme werden live als Radio #LutherLenin im Internet gestreamt und können so über das Smartphone mitverfolgt werden.

Das Festival „#LutherLenin. Eine Sendung“ ist eine Veranstaltung von Studio Hrdinů Prag, dem Goethe-Institut Tschechien und dem Büro für prekäre Konzepte Berlin und Prag.

Kontakt

Viola Noll
Stellv. Pressesprecherin
Goethe-Institut Hauptstadtbüro
Tel.: +49 30 25906 471
noll@goethe.de
 
Jakob Racek
Leiter Kulturprogramme
Goethe-Institut Prag
Tel.: 00420 221 962 212
jakob.racek@prag.goethe.org