29.11.2019: „THE OTHER BEETHOVEN(S)“ GOETHE-INSTITUT BELEUCHTET 2020 BEETHOVENS WIRKEN AUS NICHTEUROPÄISCHER PERSPEKTIVE

Der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens wird im Jahr 2020 deutschlandweit gefeiert. Mit dem Projekt „The other Beethoven(s)“ würdigt auch das Goethe-Institut das Schaffen des weltweit bekannten Bonner Komponisten und nimmt sein Interesse an nichteuropäischen Perspektiven in den Blick. Künstler*innen und Musiker*innen aus Asien, Afrika, Osteuropa und Deutschland spüren dieser Weltoffenheit nach und übersetzen Beethovens Werk in eine neue, zeitgenössische Sprache. Das Ergebnis ist eine Reihe von Konzerten, Installationen und Performances, die ab 2020 sowohl in Deutschland als auch in den beteiligten Ländern zu sehen sein werden. Erste Workshops starten u.a. ab November 2019 in Bangkok und ab Januar 2020 im Irak.

Zur Zeit Beethovens galt die „morgenländische“ Kultur als Inbegriff einer exotischen Welt, die um 1800 östlich von Wien begann und bis nach China und Japan reichte. Als Kind seiner Zeit bediente sich Beethoven wie etliche andere namhafte Komponisten an dem musikalischen „Alla turca-Topos“, er interessierte sich für den Isis-Kult der ägyptischen Mythologie und in späteren Jahren auch für die indische Kultur. Diese Einflüsse wirkten sich auch auf sein Schaffen aus. Während sich Beethoven und seine Zeitgenossen für den exotischen „Orient“ interessierten, verbreitete sich die westliche Musik in der Region ihrer Projektionen, meist befördert durch koloniale Strukturen. Noch heute werden Beethovens Werke in vielen dieser Länder rezipiert und bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für neue Interpretationen.
 
Unbekannte Perspektiven auf die Künstlerpersönlichkeit und sein Œuvre eröffnet ab 2020 die internationale Projektreihe „The other Beethoven(s)“ des Goethe-Instituts. Künstler*innen aus Ägypten, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Griechenland, Hongkong, Indien, Irak, Iran, Japan, Korea, Rumänien, Taiwan, Thailand, Türkei und Deutschland haben gemeinsam mit den lokalen Goethe-Instituten eigene Projekte entwickelt, die den nichteuropäischen Einflüssen in Beethovens Werk nachspüren und in eine zeitgenössische Sprache übersetzen. Die Ergebnisse werden sowohl in den jeweiligen Ländern als auch in Deutschland im Rahmen des Beethovenjahrs 2020 präsentiert.

Die iranische Komponistin Mahdis Kashani beispielsweise komponiert für Singstimme, Klavier und traditionelle Instrumente aus dem Iran sechs neue Lieder, die sich an Beethovens Liederzyklus „An die ferne Geliebte“ orientieren. Zentrale Themen sind die Sehnsucht nach Liebe und Freiheit. Produziert und uraufgeführt wird das Werk „Re-inventing to the distant beloved“ am 14. April 2020 im Rahmen des Internationalen Musikfestivals Heidelberger Frühling, die zweite Aufführung ist für Herbst 2020 in Teheran in Planung.
 
Im Irak zählt Beethovens Bühnenmusik zu Goethes „Egmont“ zum Standardrepertoire des Iraqi National Symphony Orchestra. Für das Projekt „Egmont im Irak“ schaffen deutsche und irakische Musiker*innen und Schriftsteller*innen gemeinsam einen neuen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Workshops starten im Januar 2020. Die erste Aufführung wird im nächsten Jahr in Bagdad stattfinden.
 
In Bangkok und Bangalore beleuchtet das Trickster Orchestra Beethoven als genialen Durcheinanderwirbler der Musikgeschichte: Mit „Disturbing the Universal“ wird in gemeinsamen Workshops mit lokalen Musiker*innen eine neue zeitgenössische, musikalische Sprache entwickelt. Die daraus resultierenden Kompositionen werden anschließend mit einer multimedialen Installation und einem diskursiven Format im Oktober 2020 im Radialsystem in Berlin aufgeführt.
 
In Tokyo lässt der Performance-Künstler Michikazu Matsune sich von einem Skandal um den „japanischen Beethoven“ Mamoru Samuragochi zu „Beethovens Ghostwriter“ inspirieren, einer Lecture-Performance um Geniekult, die Sehnsucht nach Unverwechselbarkeit und Einschaltquoten und entwickelt eine aktuelle Perspektive auf die hindernisreiche Suche nach künstlerischer Wahrhaftigkeit. Im Herbst 2020 wird das Stück in Tokyo aufgeführt. 
 
Die Komponistin Cathy Milliken bringt sechs Frauenchöre aus Südosteuropa zusammen, um Beethovens „Ode an die Freude“ in eine „Ode for all“ zu verwandeln. In mehreren Workshops erarbeiten die Frauen ab November 2019 gemeinsam das Repertoire. Das Ergebnis wird voraussichtlich im Sommer 2020 in Istanbul und im Oktober 2020 im Radialsystem in Berlin zu erleben sein.
 
Eine Themenseite informiert online ab voraussichtlich Mitte Dezember 2020 über alle Projekte und Termine.
 
Die Pressemappe mit weiteren Projekten zu „The other Beethoven(s)“ finden Sie unter:
www.goethe.de/pressemappen   
 
„The other Beethoven(s)“ ist ein Projekt des Goethe-Instituts. Ausgewählte Veranstaltungen des Projekts in Deutschland erhalten Förderungen durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von BTHVN2020.

 
Kontakt:
 
Hannah Cuvalo
Pressereferentin  
Goethe-Institut Hauptstadtbüro
Tel.: +49 30 25906 481
hannah.cuvalo@goethe.de
 
Nicole Braun
Referentin Fachbereich Musik
Goethe-Institut e.V.
Tel.: +49 89 15921 529
nicole.braun@goethe.de