07.11.2018: „Deutsch: die erste Zweite" Zahl der Deutschlernerinnen und -Lerner in Russland steigt an

Das Interesse an der deutschen Sprache in Russland, Osteuropa und Zentralasien wächst erstmals wieder an. Nachdem die Zahlen seit 2001 kontinuierlich gesunken waren, belegen aktuelle Zahlen des russischen Bildungsministeriums einen Zuwachs von über 43.000 Deutschlernenden für das Schuljahr 2017/2018 – vier Prozent mehr als im Vorjahr. Zurückzuführen ist dieser Erfolg unter anderem auf das vom Goethe-Institut initiierte Bildungsprogramm „Deutsch: die erste Zweite“, das seit 2016 rund 2400 russische Schulen und Hochschulen bei der Einführung und dem Ausbau von Deutsch als zweite Fremdsprache unterstützt und somit auch langfristig Möglichkeiten eröffnet, um in Deutschland zu studieren und zu arbeiten.

Rüdiger Bolz, Regionalleiter der Goethe-Institute in Osteuropa und Zentralasien, betonte: „Das wachsende Interesse an der deutschen Sprache in Russland freut uns sehr – es zeigt, dass wir mit aufeinander aufbauenden Programmen wie ,Deutsch: die erste Zweite‘ oder der ,Digitalen Netzwerkuniversität‘ in die richtige Richtung gehen. Bildung und Zukunftschancen für junge Menschen sind dabei die zentralen Schlüsselbegriffe unserer Spracharbeit. Das große Interesse der Jugendlichen an Innovationen und zukunftsweisenden Bildungsprojekten führt hier zu bemerkenswerter Offenheit gegenüber internationalem Austausch. Und dies bereitet auch den Weg, um sich für ein Studium, eine Ausbildung oder einen Beruf in Deutschland zu entscheiden.“
 
Trotz sinkender Zahl der Deutschlehrer und -lehrerinnen wird Deutsch als Fremdsprache wieder beliebt: Erstmals seit 2001 vermeldet das statistische Amt des russischen Bildungsministeriums eine Steigerung der Deutschlernenden in Russland. Von 1.022.646 im Schuljahr 2016/17 ist nun ein Wachstum von 4 Prozent auf 1.072.752 Millionen Deutschlernerinnen und -lerner in Russland zu verzeichnen. Mit einem Anteil von 7 Prozent liegt Deutsch als Fremdsprache nun nach Englisch auf dem zweiten Platz. Nach 2001 waren die Deutschlernerzahlen in Russland von 3,7 Millionen sukzessiv auf knapp 1 Million im Jahr 2015/16 zurückgefallen. Dieser Trend ist nun gestoppt. Der Einbruch war darauf zurückzuführen, dass Englisch sich auch in Russland als internationale Verkehrssprache durchgesetzt hat. Die Nachfrage nach Deutschangeboten in sowie außerhalb von den Schulen steigt im zweiten Jahr nun stetig an.
 
Ein Grund für das wachsende Interesse von Russinnen und Russen an der deutschen Sprache ist die Bildungsinitiative „Deutsch: die erste Zweite“, die das Goethe-Institut Moskau gemeinsam mit seinen russischen Partnern im Jahr 2016 ins Leben gerufen hat. Das Programm verfolgt das Ziel, es Schulen zu erleichtern, Deutsch in ihren Lehrplan aufzunehmen und den Deutschunterricht in Russland modern und attraktiv zu gestalten. Dies geschieht durch Kontaktstellen in den jeweiligen Regionen, die die Schulen methodisch bei der Einführung von Deutsch begleiten, beispielsweise indem sie Maßnahmen und Handreichungen für die Schulleitung, für Lehrerinnen und Lehrer sowie für Eltern und Deutschlernende bereitstellen. So konnte die Initiative seit ihrem Start 2016 ihre Reichweite deutlich erhöhen: 2016 haben 134 Schulen in 11 Regionen Deutsch als Fremdsprache eingeführt, 2017 waren es 1038 Schulen und 2018 sind es 2400 Schulen in 45 Regionen, die sich an dem Programm beteiligen.
 
Im Rahmen von Werkstattkonferenzen in fünf verschiedenen russischen Städten entwickelt das Goethe-Institut jetzt gemeinsam mit Expertinnen, Lehrern und Akteuren aus der Praxis neue Konzepte und Formate zur Optimierung eines zukunftsfähigen Deutschunterrichts für das Bildungsprogramm. Nach Stationen in Jaroslawl, Barnaul, Sankt Petersburg und Moskau findet die letzte Konferenz in Tjumen (9. und 10. November 2018) statt. Explizit geht es dabei auch darum, dem Lehrermangel für Deutsch als Fremdsprache entgegenzuwirken. Neben bereits stattfindenden Fortbildungsmaßnahmen für Lehrerinnen und Lehrer, erarbeitet das Goethe-Institut Moskau derzeit ein Konzept für eine virtuelle Deutschlehrer-Akademie.
 
Um die deutsche Sprache darüber hinaus zu fördern, verfolgt das Goethe-Institut in Russland die konsequente Entwicklung von passgenauen und aufeinander aufbauenden Angeboten für die gesamte Bildungslaufbahn von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Im Fokus der Angebote steht dabei auch immer der Bezug zu sozialen oder naturwissenschaftlichen Fächern, um die Wege für eine Ausbildung oder ein Studium in Deutschland zu erleichtern. Zu den Programmen gehören die „Digitale Kinderuniversität“ (2. bis 4. Klasse), die „Digitale JuniorUniversität“ (5. bis 8. Klasse), „Deutsch: die erste Zweite“ (4. bis 9. Klasse), die Studienbrücke (ab 9. Klasse) und die „Digitale Netzwerkuniversität“ (Studierende).
 
Bildungsprogramme des Goethe-Instituts Moskau im Überblick:  

Digitale Kinderuniversität (Kinder von 8 bis 12 Jahren)
Die kostenlose interaktive Lernplattform richtet sich an Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren und wurde auf der Basis der Sendung mit der Maus (WDR) entwickelt. Mit vielfältigen Bildungsinhalten aus den Bereichen „Mensch“, „Natur“ und „Technik“ soll die Wissbegier geweckt und das Erlernen der deutschen Sprache gefördert werden. Rund um die frei zugänglichen Online-Module bietet das Programm auch thematisch passende didaktische Materialien für Lehrerinnen und Lehrer an. Außerdem nimmt die „Digitale Kinderuniversität“ an verschiedenen Präsenzveranstaltungen teil, so können Kinder ihr Wissen live vertiefen und erweitern.
 
Digitale JuniorUni (Kinder von 12 bis 14 Jahren)
Die „Digitale JuniorUni“, die im Oktober 2018 gestartet ist, ist ein kostenloses Bildungsprojekt und als Fortführung der „Digitalen Kinderuni“ angelegt. Sie besteht ebenfalls aus den drei Bereichen „Online“, „an Schulen“ und „live“. Russische Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren erlernen hier über die Beschäftigung mit den Bereichen Robotik, Raumfahrt, Energie und Nachhaltigkeit, Naturforschung sowie Technologien spielerisch Deutsch. Alle Vorlesungen zu den Themen sind jederzeit über die Online-Lernplattform abrufbar. Damit die „JuniorUni“ auch im Schulunterricht eingesetzt werden kann, stehen Lehrenden Unterrichtsmodule zur Verfügung, die speziell zu den Themen der „Digitalen JuniorUni“ konzipiert wurden.
 
Studienbrücke (Jugendliche von 14 bis 17 Jahren)
Die „Studienbrücke“ ist ein Programm zur sprachlichen, fachsprachlichen und lernkulturellen Studienvorbereitung und ermöglicht russischen Schülerinnen und Schülern die Aufnahme eines Studiums an einer deutschen Partneruniversität unmittelbar nach dem Schulabschluss ohne zusätzliche Vorbereitungskurse und Aufnahmeprüfungen. In Deutschland erhalten erfolgreiche Bewerberinnen und Bewerber zudem Unterstützung durch ein gesondertes Betreuungsprogramm vor Ort. Das Programm richtet sich an Schülerinnen und Schüler mit herausragenden Leistungen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik (MINT-Fächer) oder Wirtschaftswissenschaften und setzt entsprechende Deutschkenntnisse voraus.
 
Digitale Netzwerkuniversität (Junge Erwachsene ab 17 Jahren)
Die „Digitale Netzwerkuniversität“, die im Oktober dieses Jahres eröffnet wurde, ist ein virtueller Zusammenschluss von derzeit zehn Universitäten und Hochschulen aus Deutschland, Österreich, Russland, Georgien und der Ukraine. Das internationale Bildungsnetzwerk umfasst digitale Studienformate zu den vier Themenbereichen Transkulturelles Lernen, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Friedens- und Konfliktforschung sowie Deutsch als Fremdsprache. Seit dem Wintersemester 2018/19 können sich Studierende der teilnehmenden Universitäten aus den Fachrichtungen Kultur- und Sprachwissenschaften, Ökologie sowie aus den Bildungs- und Sozialwissenschaften erstmals für die E-Learning-Kurse einschreiben, um dann nach erfolgreichem Abschluss ECTS-Punkte zu erhalten. Da die meisten Kurse auf Deutsch stattfinden, werden entsprechende Deutschkenntnisse von den Studierenden erwartet.
 
Weitere Informationen erhalten Sie unter:
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Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Mit 159 Instituten in 98 Ländern fördert es die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland, pflegt die internationale kulturelle Zusammenarbeit und vermittelt ein aktuelles Deutschlandbild. Durch Kooperationen mit Partnereinrichtungen an zahlreichen weiteren Orten verfügt das Goethe-Institut insgesamt über rund 1.000 Anlaufstellen weltweit. In der Region Osteuropa und Zentralasien gibt es acht Goethe-Institute, darunter in Moskau, Kiew, Almaty, Minsk, Nowosibirsk, Taschkent, Tiflis und St. Petersburg. Darüber hinaus betreut das Goethe-Institut in der Region über 20 Sprachlernzentren, die sich in ihren Lern- und Service-Angeboten an den Qualitätsstandards des Goethe-Instituts orientieren.

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