18.12.2019: Internationale Jury hat ausgewählt Internationaler Koproduktionsfonds des Goethe-Instituts fördert 13 internationale Kulturprojekte

Mit dem Internationalen Koproduktionsfonds fördert das Goethe-Institut kollaborative Arbeitsprozesse sowie Produktionen im Bereich der darstellenden Künste, die im internationalen Kulturaustausch entstehen. Für die neue Runde wählte eine internationale Jury weitere 13 Projekte von Künstler*innen u.a. aus Südafrika, Brasilien, Indien, Hongkong, Benin, Thailand, den USA und der Slowakei aus. Sie werden ab 2020 in Zusammenarbeit mit deutschen Kulturpartner*innen neue Produktionen entwickeln.

Von insgesamt 86 Bewerbungen wählte die Jury, bestehend aus Margareta Ferek Petrić (Intendantin der Musik Biennale Zagreb 2021/23), Sandro Lunin (Leiter der Kaserne Basel), Cathy Milliken (Komponistin), Olaf Nicolai (Bildender Künstler) und Isabel Hölzl (Leiterin des Goethe-Instituts Helsinki) folgende Koproduktionen aus:
 
Musik:
„Contain“

Die globalisierte Gesellschaft, verschwimmende Identitäten und das Dazwischen mit all seinen Prägungen, Einflüssen und Emotionen stehen im Mittelpunkt von „Contain“. Neue Kompositionen des in Berlin lebenden australischen „Collaborative Composers“ Simon James Phillips und Installationen des in Hongkong lebenden Komponisten und Konzeptkünstlers Samson Young kreieren einen Erfahrungsraum, in dem das Publikum und die Musiker zwischen Video-Projektionen, Soundscapes und Interview-Fragmenten verschiedene Stadien der Desorientierung, des Verloren-Seins und des Zusammenkommens im Dazwischen erforschen.
Beteiligte: Hong Kong New Music Limited (Hongkong), Radialsystem V (Deutschland), Ensemble Resonanz (Deutschland)
 
Theater:
„Stop Me / Halt mich auf / Ustavi me“

Das slowenische Kreativduo Brodar – Lampič führt ein deutsches zeitgenössisches Werk der jungen Autorin Annika Henrich auf. Die Produktion spricht brisante Themen an, die für Slowenien und Deutschland relevant sind: Immobilien- und Wohnungsfragen, prekäre Arbeitsbedingungen, entfremdete Familienbeziehungen, neoliberale kapitalistische Entwicklungen und Fragen der Umwelt. Dabei nutzen die Künstler*innen neue kollektive künstlerische Ansätze, um das Publikum einzubeziehen und die räumliche Erfahrung im institutionellen Theater zu untersuchen.
Beteiligte: Slovensko mladinsko gledališče / Mladinsko Theatre (Slowenien), Staatstheater Nürnberg (Deutschland)
 
Tanz / Performance:
„What Does the Space Know“

„What Does the Space Know“ ist eine interaktive Tanzperformance und Installation. Das Publikum ist eingeladen, sich während der Aufführung durch den Saal zu bewegen und auf verschiedene Weise mit dem Raum und der Arbeit zu interagieren. Dabei spielen Zeugnisse des verschwundenen architektonischen Erbes in Palästina eine wichtige Rolle. Ihr Ziel ist es, eine performative und räumliche Struktur zu schaffen, die das Publikum durch eine körperliche Erfahrung von Räumen um und in sich führt, sie dazu einlädt, diese anders wahrzunehmen und sie inspiriert, sich gemeinsam undenkbare Architekturen vorzustellen.
Beteiligte: Fareh Saleh (UK, Palästinensische Gebiete), Mirjam Sögner (Deutschland)
 
„The Eerie Atlas“

Mit dem Projekt „The Eerie Atlas“ widmen sich das Odyssey Theatre und deufert&plischke dem komplexen und universellen Thema der Angst. Es geht einerseits um weltweite und gesamtgesellschaftliche Ängste wie etwa vor Terrorismus, Klimawandel oder ökonomischen Zwängen. Andererseits geht es um ganz individuelle, persönliche und private Ängste, die selten ausgesprochen werden, weil sie im Alltag oft keinen Resonanzraum finden. In lokalen Workshops mit Menschen aus verschiedenen sozialen Milieus inkl. Obdachlosen werden persönliche Erlebnisse ausgetauscht, Geschichten gesammelt, aufgeschrieben und aufgenommen, Begegnungen ermöglicht, die sonst eher vermieden werden, und schließlich ein „Atlas der Ängste“ erstellt.
Beteiligte: Odyssey Theatre Ensemble (USA), deufert&plischke (Deutschland)
 
„Dive“

Unsere Sicht und unser Umgang mit Körpern haben eine politische Dimension: Wir beurteilen sie optisch und bezeichnen sie eindeutig und konkret als „Wert“, Macht und Platz in Hierarchien. Weit entfernt von Gleichheit zeigt sich deutlich die aktuelle Rechtsverlagerung. Verschiedene Körperschaften beanspruchen bestimmte „Rechte“ und diese Entwicklung erfolgt gleichzeitig mit dem Versuch, eine Art politischer Korrektheit zu schaffen, eine Sichtbarkeit und eine korrekte Bezeichnung für alle Gruppen und Minderheiten zu bilden. Das Tanzprojekt „Dive“ greift diese Thematik auf und hinterfragt bisherige Zuschreibungen und Stigmatisierungen von Körpern.
Beteiligte: South African State Theatre (Südafrika), Anna Konjetzky (Deutschland)
 
„Performances do fascismo e da religião“

In Zusammenarbeit mit der 11. Berlin Biennale und dem Internationalen Festival für darstellende Kunst Porto Alegre em Cena realisiert Teatro da Vertigem eine künstlerische Intervention im öffentlichen Raum, sowohl in Berlin als auch in Porto Alegre. Das Projekt ist als urbane Performance in Form eines Marsches konzipiert, der einen Chor, lokale Akteur*innen aus der jeweiligen Stadt und die Öffentlichkeit zusammenbringt. Thematisiert wird das Zusammenspiel von Religion, Protofaschismus und Populismus. Dabei geht es konkret um die aktuellen Auswirkungen des Protofaschismus in Brasilien als auch um die Neuauflage rechter, menschenfeindlicher Weltanschauungen in Deutschland und Europa.
Beteiligte: Teatro da Vertigem (Brasilien), Berlin Biennale for Contemporary Art - KUNST-WERKE BERL (Deutschland), Festival Internacional de Artes Cênicas Porto Alegre em Cen (Brasilien)
 
„Bee Dances“

Die Schwänzeltänze der Honigbiene, bedrohter Bestäuber und ausgewiesen soziales Insekt, werden symbolisches Leitbild dieses Projekts. „Bee Dances“ ist eine behutsame Untersuchung danach, wie unterschiedlich sich zeitgenössische und klassisch indonesische Tanztechniken auf den Körpern der Tanzenden einschreiben — und wie kultureller Austausch in der postkolonialen Zeit möglich ist. „Bee Dances“ geht dabei Fragen der kulturellen Aneignung, der Entschädigungen und Sichtbarkeit der Kolonialzeit nicht aus dem Weg, sondern begegnet ihnen mit kraftvollen tänzerischen Einlagen, Mitgefühl und einer Prise Humor.
Beteiligte: Adhika Annissa (Indonesien), Kareth Schaffer (Deutschland), Tanzfabrik Berlin (Deutschland), Rumah Sanur (Indonesien)
 
„Other World“
„Other World“ ist die erste ortsspezifische Performance in einer Schulklasse in Thailand, die in Zusammenarbeit zwischen der thailändischen Theaterregisseurin Pattarasuda Anuman Rajadhon und dem deutschen Choreografen Alfredo Zinola entsteht. Ziel ist es, einen Treffpunkt zwischen einer europäischen und einer thailändischen Perspektive zu schaffen. Durch immersive Elemente wird zusätzlich der Klassenraum in seiner festgelegten Funktion infrage stellt. Durch diese Erfahrungen sollen die Kinder neue Möglichkeiten erhalten, wie sie sich selbst in ihrem täglichen Umfeld sehen und wie alltägliche Sichtweisen sich verändern können.
Beteiligte: Bangkok International Children's Theatre Festival – BICT Fest (Thailand), Alfredo Zinola Production (Deutschland)
 
„The Manufactured Series: Ten Duets“

„Duet # 5: Michele Di Stefano and a book“ „Manufactured“ ist konzipiert als eine Serie von zehn Tanzduetten, jedes durchgeführt von einem menschlichen und einem nichtmenschlichen Körper. Mittels Bewegung und fortlaufenden Verflechtungen verbinden sich die beiden Körper miteinander. Alle Duette der Serie werden in einem schlichten Galerieraum gezeigt. Im „Duet # 5“ performt Michele Di Stefano gemeinsam mit einem Buch.
Beteiligte: Centro Cultural Conde Duque (Spanien), Work of Act GbR / Fabrice Mazliah (Deutschland), Künstlerhaus Mousonturm (Deutschland)
 
Interdisziplinär:
„If We Vanish“

„If We Vanish" ist eine audio-visuelle Performance, die eine Auswahl der leisesten Orte der Welt zeigt, basierend auf einer Reihe von Audio-Feldaufnahmen von Nikhil Nagaraj und Felix Deufel. Die beiden Klangkünstler*innen erforschen gemeinsam mit einem bildenden Künstler und einem Solokünstler die ästhetische Repräsentation dieser Klanglandschaften.
Beteiligte: Nikhil Nagaraj (Indien), Felix Deufel (Deutschland), Paul Schengber (Deutschland), Ronita Mookerji (Indien)
 
„Shameless“
Dieses Projekt basiert auf einer performativen Auseinandersetzung mit dem Roman „Shameless“ der südafrikanischen Autorin Futhi Ntshingila. Das Buch befasst sich mit sozialen Themen, die Frauen innerhalb der Post-Apartheid der südafrikanischen Gesellschaft betreffen. Eine ausschließlich weibliche Besetzung von Tänzerinnen, Sängerinnen, Schauspielerinnen, Regisseurinnen und Filmemacherinnen aus Südafrika, Benin, Togo, Deutschland und Serbien wird trotz oder gerade durch die unterschiedlichen Erfahrungen Gemeinsamkeiten finden, die es ihnen ermöglichen, eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen zu schaffen.
Beteiligte: Doyaga (Benin), Lena Müller (Deutschland), Ikélèhou Kossiwa / ESSIOMLE (Togo)
 
„Kykeon Trilogy“

„Kykeon Trilogy“ ist ein VR-Stück, das das Publikum durch zeitgenössischen Tanz tief in eine Realität aus schamanischer Weisheit eintauchen lässt. Inspiriert vom Wissen und der Weisheit der Vorfahren wird das Stück das Publikum einladen, an einem neuen Ritual teilzunehmen. Das Ergebnis dieser Kollaboration wird im Juni 2020 beim Sensorium-Festival in Bratislava (SK), im Herbst 2020 in Mainz (DE) und im November 2020 bei TADAEX in Teheran (IR) gezeigt.
Beteiligte: Maria Judova (Slowakei), Motion Bank (Deutschland), Imagináriun - Sensorium Festival (Slowakei)
 
„Shoppen kannste woanders“
„Shoppen kannste woanders“ ist ein interkulturelles performatives Kooperationsprojekt über Werte, Austausch und Migration und die unterschiedlichen Sichtweisen, die darüber vorherrschen. „Shoppen kannste woanders“ verbindet Interventionen und neue Musikkompositionen. Die Stücke sind eine Kombination traditioneller musikalischer Ansätze aus Europa und Vietnam mit experimenteller Musik, Klangkunst und Improvisation einzigartiger Klanghybride jenseits jedes Cross-Overs.
Beteiligte: Kim Ngoc Tran (Vietnam), Phoenix16 (Deutschland), Melati Suryodarmo (Indonesien)
 
Die nächsten Bewerbungsfristen des Internationalen Koproduktionsfonds sind am 15. April und 15. Oktober 2020. Weitere Informationen unter: www.goethe.de/ikf
 
Mit dem „Internationalen Koproduktionsfonds“ des Goethe-Instituts werden Koproduktionen von Künstlerinnen und Künstlern in den Bereichen Theater, Tanz, Musik und Performance gefördert, was auch hybride und interdisziplinäre Formate einschließt. Zu den Vergabekriterien zählen neben einer hohen künstlerischen Qualität das Innovationspotential, die Relevanz der beteiligten Künstlerinnen und Künstler in ihren Szenen, der Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Diskurse sowie die Nachvollziehbarkeit des Finanzplans. Bewerben können sich Künstlerinnen und Künstler sowie Ensembles und Initiativen im Ausland und in Deutschland. Aus der gemeinsamen Bewerbung muss klar hervorgehen, dass bereits gute Arbeitskontakte bestehen und ein beidseitiges Interesse an der gemeinsamen Produktion vorliegt. Die Bewerbung erfolgt durch den ausländischen Partner. Begleitet wird die Ausschreibung von den örtlichen Goethe-Instituten weltweit. Der Fonds fördert nicht nur die Produktionsentwicklung, sondern ermöglicht auch regionale Künstlertreffen, die durch die lokalen Goethe-Institute durchgeführt, den Austausch und die Nachhaltigkeit der Projekte sichern.
 
Kontakt:
 
Carolina Mora
Internationaler Koproduktionsfonds
Goethe-Institut e.V.
Tel.: +49 89 15921 563
Carolina.Mora@goethe.de
 
Dr. Jessica Kraatz Magri
Pressesprecherin und
Bereichsleiterin Kommunikation
Goethe-Institut e.V.
Tel.: +49 89 15921 249
Jessica.KraatzMagri@goethe.de