Boston: Ideas are THREE: der dritte Game Jam in Boston

Die USA gelten als Geburtsstätte der Indie-Game-Development-Szene und so traf es sich hervorragend, dass der dritte ART GAMES – Game Jam von 19. bis 21. Mai in der wunderschönen, stuckgeschmückten Haupthalle des Goethe-Instituts Boston stattfand. 34 Teilnehmer*innen verschiedener (Arbeits-)Hintergründe trafen sich, um Spiele zu Kunst und Politik zu entwickeln.

Maschinen-Mensch aus Berlin waren, wie bei jedem Game Jam der ART GAMES-Reihe, Mitveranstalter und so moderierte Riad Djemili aus dem Berliner Indie-Game-Studio die Eröffnung. Auf die Einführung von Annette Klein aus dem Goethe-Institut Boston folgte eine herausfordernde Keynote des Künstler*innen-Kollektivs Tale of Tales. Diese hinterließ besonderen Eindruck bei den Teilnehmer*innen, die immer wieder deren Worte als Inspiration für spätere Entscheidungen in der Spielentwicklung nannten.

Nach der Vorstellung der deutschen Jurymitglieder enthüllte Riad Djemili das geheime Thema des Game Jams: „Unrealities“. Der Professor und Kurator für Neue Medien George Fifield gab allen Anwesenden ein paar letzte motivierende Worte mit auf den Weg, bevor der Game Jam schließlich mit einer Vorstellungsrunde begann. Es wurde viel gelacht und dazugelernt als Gruppen, die sich zufällig gebildet hatten, gebeten wurden, sich auf einen Schlagwort für Komplexe wie „das interessanteste Spiel“, „Boston“ oder „die Zukunft der USA“ zu einigen. Anschließend folgte in der lebhaften Runde eine Ideenfindung darüber welche Spiele in Hinblick auf das Thema entwickelt werden könnten.

Nachdem sich Teams zu den elf vielversprechendsten Ideen gebildet hatten, hieß es für die nächsten zwei Tage „Finger um die Stifte und Hände auf die Tastaturen“. Die Teilnehmenden brachten unterschiedlich viel Erfahrung mit: Das Team des Spiels „Harmoni-us“ bestand aus Spieleentwicklungs-Veteranen. Einer von ihnen kann eine Laufbahn von über 20 Jahren vorweisen, die bis in die Zeiten des legendären Spieleentwicklungs-Unternehmen Sierra-Entertainment zurückreicht.  Ein weiteres Team („You Are What You Read“) bestand aus vier Mitgliedern von denen drei relativ wenig Erfahrung in der Spielentwicklung haben und die gemeinsam ihren allerersten Game Jam bestritten.

Dieses Wochenende war etwas Besonderes, denn zum ersten Mal fanden zwei ART GAMES – Game Jams gleichzeitig statt: auf der anderen Seite der Erdkugel waren motivierte Art Gamer*innen in Jakarta, Indonesien am Entwickeln. Trotz des Zeitunterschieds von 11 Stunden, nutzen Teams auf beiden Seiten die konstante Verbindung über einen Live-Stream, um sich über Spielideen auszutauschen.

Der Game Jam endete nach 48 Stunden mit müden aber glücklichen Teams. Das Resultat war beeindruckend: elf spielbare Spiele. Die lokale Jury, bestehend aus Annette Klein vom Goethe-Institut Boston, Riad Djemili vom Berliner Studio Maschinen-Mensch und der Kuratorin der Cyberarts Gallery Boston Stephanie Dvareckas, tat sich sehr schwer damit aus den vielfältigen Spielen und wichtigen Themen drei auszuwählen. Am Ende entschieden sie sich für „Harmoni-us“, „You Are What You Read“ und „Struggling Dreams“. Letzteres wiederum, in dem der*die Spielende versucht, Menschen auf der Flucht in Sicherheit zu bringen, prämierte die deutsche Jury, die jedes Mal die finale Auswahl trifft. Wie bei den anderen Game Jams der Reihe werden Vertreter*innen des Teams das Gewinnerspiel 2018 in Deutschland vorstellen. Die Vielzahl an unterschiedlichen Spielen zeigt, wie sehr der Game Jam von der Diversität der Teilnehmenden und ihrer Perspektiven profitierte.