Jakarta
reFOURm: der vierte Game Jam in Jakarta

Im Zentrum der indonesischen Hauptstadt, genauer gesagt im neueröffneten Jakarta Creative Hub, versammelten sich von 19. bis 21. Mai  2017 insgesamt 37 Menschen um beim fünften Game Jam des Projekts ART GAMES künstlerisch-politische Spiele zu entwickeln. Wie alle Game Jams der Reihe entstand auch dieser in Kooperation mit Maschinen-Mensch und wurde durch das Auswärtige Amt gefördert. Weitere lokale Partnerinstitutionen waren das Duniaku Network und Asosiasi Game Indonesia.

Große Mühe wurde darauf verwendet, die Teilnehmenden aus Menschen mit verschiedenen beruflichen Hintergründen und Erfahrungsständen zusammenzusetzen und so gab es auch an diesem Standort eine gute Mischung an Erfahrungen mit Spielentwicklung. Nach der offiziellen Eröffnungszeremonie offenbarten Johannes Kristmann (Maschinen-Mensch), Patota Putra Tambuna (freier Entwickler) und Yanuar Tanzil (Mitglied des AGI) das geheime Thema des Game Jams „Bhinneka Tunggal Ika” – das zugleich auch das nationale Motto Indonesiens ist und übersetzt so viel wie „Einheit in Vielfalt“ bedeutet. Das Thema löste bei vielen Teilnehmenden starke und emotionale Reaktionen aus und eine spannende Diskussion entstand. Anschließend fand man sich mit der Hilfe von Kennenlernen-Spielen in Teams zusammen und begann mit der Arbeit. Erst um zwei Uhr nachts gingen die Ersten schlafen.

Der Samstagmorgen begann mit Vorträgen von Johannes Kristman und Yanuar Tanzil über das Independent Game Development, in denen sie darüber sprachen, was eine Beschäftigung in diesem Feld bedeutet und wie man sie erreichen könne; in der Hoffnung dass dieser Input besonders hilfreich für die anwesenden überwiegend jungen Professionellen sein würde.

Ein ganz besonderer Moment des Game Jams war sicherlich die Liveschaltung nach Boston über das Internet ins hiesige Goethe-Institut, wo zeitgleich ein weiterer Game Jam der Reihe stattfand. Menschen auf zwei verschiedenen Seiten der Welt nahmen Platz vor den Kameras und tauschten sich über ihre Vorstellungen von politischen Spielen und ihre eigenen Projekte aus.

Am Ende des Game Jams hatten die Teams zehn spielbare Spiele entwickelt, unter denen die lokale Jury vier Spiele auswählte: „Room of Truth“ in dem es darum geht einen angeblichen Verbrecher zu verhören, wobei der Fokus darauf liegt, die Darstellung der Polizeimethoden und die Grenzlosigkeit im Umgang mit Gewalt und Autorität der Staatsmacht aufzuzeigen. Das zweite ausgewählte Spiel „Shoojump“ ist ein kooperatives Spiel, das auf den ersten Blick wenig mit Politik zu tun hat. Die grundlegenden Mechaniken des Spiels beruhen allerdings darauf, dass jede*r Spieler*in auf sich alleine gestellt keine Chance hat und gegenseitige Absprachen und Koordination und Vertrauen unbedingt notwendig sind, um erfolgreich zu sein. Im dritten Spiel „Folg Mir!“ geht es darum eine Gefolgschaft aufzubauen. Zu Beginn legt sich der*die Spieler*in auf eine von drei verschiedenen Methoden fest, die beeinflussen, wie im Verlauf des Spiels neue Gefolgsleute akquiriert werden können. Beim letzten ausgewählten Spiel „Babel-o-Rama“ können sich Spieler*innen über eine Vielzahl von Smartphones lokal miteinander verbinden, was Spielpartien von bis zu 15 Menschen ermöglicht. Bei dem Spiel geht es darum, Worte zu übersetzen, deren Übersetzungen wiederum in Listen zu finden sind, die die anderen Spieler*innen auf ihren Smartphones sehen. Es entsteht ein Spiel bei dem die Spieler*innen sich gegenseitig stetig verschiedene Worte (in unterschiedlichen Betonungen) zurufen bis die „finale“ Übersetzung gefunden wird und die Gruppe einen Punkt erhält. Es ist dabei wunderbar zu sehen, wie der Großteil des Spiels direkt zwischen den Menschen passiert und nicht über die Geräte. Dieses Spiel wählte die Jury in Deutschland zum finalen Gewinnerspiel.  Es wird gemeinsam mit den Spielen der sieben anderen Standorte auf dem A MAZE. Festival in Berlin (25. bis 29. April 2018) ausgestellt.
 

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Goethe-Institut Jakarta