São Paulo High FIVE: der fünfte Game Jam in São Paulo

Der fünfte Game Jam der ART GAMES-Reihe fand in Sao Paulo statt. Vom 23. bis 25. Juni 2017 kamen 47 Spieleentwickler*innen, Künstler*innen, Musiker*innen und Spielebegeisterte aus anderen Bereichen im Goethe-Institut São Paulo zusammen, um gemeinsam Spiele zu entwickeln.

Einige der Teilnehmenden brachten viel Erfahrung mit, andere waren zum ersten Mal bei einem Game Jam dabei. „Ich wollte schon immer mal bei einem Game Jam mitmachen, habe mich bisher aber nicht getraut, da ich als Geisteswissenschaftler nicht aus dem Bereich komme. Daher fand ich es toll, dass für diesen Game Jam auch explizit nach Personen ohne ausgewiesene Vorkenntnisse gesucht wurde“, sagte ein Teilnehmer zum Auftakt des Jams. Andere fanden es toll, dass sich der Jam auf Spiele mit gesellschaftskritischem Potenzial fokussiert: „Das ist genau das, worauf ich immer gewartet habe“, sagt der Journalist und Autor Ian Quint Leisner. „Computerspiele können die Welt verändern, davon bin ich überzeugt. Als ich die Ausschreibung für den Jam gesehen habe, wollte ich unbedingt dabei sein. Menschen zu unterhalten und gleichzeitig zum Denken anzuregen, das ist für mich die perfekte Kombination.“

Prof. Gilson Schwartz, Medienwissenschaftler an der Universidade de São Paulo, hielt den Einführungsvortrag über das emanzipatorische Potenzial des Spielens in der Tradition Schillers – Spielen als Erfahrung der Ganzheitlichkeit und Freiheit. Daraus leitete sich auch das Thema des Game Jams ab: Emanzipation. Nach dem ersten Brainstorming fanden sich die Teilnehmenden schnell zu elf Gruppen zusammen und der eigentliche Game Jam konnte beginnen. Die Ideen der Spiele waren dabei so vielfältig und spannend wie die Teilnehmenden: von eindrucksvollen VR-Simulationen, über komplexe Politikspiele bei denen die Mitspielenden durch das Emporstrecken ihres Mobiltelefons abstimmten, bis hin zu einem berührenden virtuellen Museum über coming-out-Erfahrungen arbeiteten die Gruppen hochkonzentriert an ihren Ideen.

In den folgenden 48 Stunden verteilten sich die Jamer*innen über das gesamte Institut und waren in der Bibliothek, in der Cafeteria, im Auditorium, im Garten, in den Hängematten des Lesegartens und in den Fluren anzutreffen. Am Sonntagnachmittag präsentierten die stolzen Gruppen unter Jubel ihre Ergebnisse, bevor alle Spiele gemeinsam gespielt wurden. Noch bis in die späten Abendstunden wurde die gemeinsame Spielekunst besprochen und zelebriert. Nicht ohne Stolz verkündete eine Spieleentwicklerin, dass zum ersten Mal eines ihrer Spiel einen Spieler zu Tränen gerührt hatte.

Schließlich entschieden sich Sérgio Nesteriuk, Professor für Gamedesign an der Universidade Anhembi Morumbi und Kurator des BIG Festivals für Independent Games in São Paulo; Claudio Gusmão, Professor für Animation an der Universidade Anhembi Morumbi; Eduardo Cachucho, bildender Künstler aus Südafrika, und Katharina von Ruckteschell-Katte, Regionalleiterin der Goethe-Institute in Südamerika, für vier Spiele: „The Fire Inside“, „Link“, „A.M.E.“ und „Freeman“. Die Jury in Deutschland wiederum, der die Spiele aller Jams zur finalen Auswahl vorgelegt werden, entschieden sich für: „Link“. Das Spiel wird nun 2018 in Deutschland präsentiert. Unabhängig von der Jurywahl steht fest: Die während ART GAMES geschlossenen Bekanntschaften und Netzwerke bleiben noch lange nach dem Game Jam bestehen.