Deutsch-israelische Literaturtage 2019
Berlin // 4. und 8. September 2019

Louder, ever louder? German-Israeli Literature Festival © Heinrich-Böll-Stiftung

Deutsch-israelische Literaturtage 2019

mit: Sami Berdugo, Franzobel, Mati Shemoelof, Tijan Sila, Maayan Ben Hagai, Dilek Güngör, Dov Alfon, Friedrich Ani 

Mit dem Auftrieb der Populisten ist einiges ins Wanken geraten - nicht nur in den USA, Brasilien oder Italien, wo Populisten bereits das Sagen haben. Auch bei uns - in Deutschland und in Israel - werden sie immer lauter. Es sind unruhige Zeiten, in denen unsere Gesellschaften gespalten und gleichzeitig zunehmend gelähmt erscheinen. Wie viel Angst und Unzufriedenheit wollen wir uns noch einreden lassen? Wie stabil sind wir und wie immun unsere Demokratien?

Über diese Fragen und mehr diskutieren acht Autorinnen und Autoren bei den Deutsch-Israelischen Literaturtagen 2019 unter dem Titel „Lauter, immer lauter?“ am 4. und 8. September 2019 in Berlin.

Biografien der Autoren und Autorinnen

Sami Berdugo Credit: G.B. Sami Berdugo wurde 1970 als Sohn marokkanischer Einwanderer in Mazkeret Batya, Israel, geboren. Er studierte Komparatistik und Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem und gewann 1998 den Kurzgeschichten-Wettbewerb der Tageszeitung Ha'aretz. Für sein Werk erhielt er viele Preise, darunter den Yaakov Shabtai Prize, den Bernstein Prize und den Prime Minister's Prize. Bei den Deutsch-Israelischen Literaturtagen wird Berdugo seinen Roman „An Ongoing Tale on Land“ vorstellen, der für den Sapir Prize und den Kugel Prize nominiert wurde.
 
Franzobel 2018 Copyright: Georg Buxhofer/Paul Zsolnay Verlag Franzobel, geboren 1967 im oberösterreichischen Vöcklabruck, studierte Germanistik und Geschichte. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Arthur-Schnitzler-Preis und den Nicolas-Born-Preis. Sein Roman „Das Floß der Medusa“ stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und wurde 2017 mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet. Bei den Deutsch-Israelischen Literaturtagen stellt Franzobel seinen neuen Roman „Rechtswalzer“ vor.  Er lebt in Wien, Pichlwang, Buenos Aires und Orth an der Donau.
Mati Shemoelof Credit: Cfir Harbi Mati Shemoelof wurde 1972 in Haifa, Israel, geboren und ist ein arabisch-jüdischer Dichter, Autor und Herausgeber. Sein mehrfach ausgezeichnetes Werk umfasst sechs Gedichtbände, Theaterstücke und Belletristik. 2018 wurde sein Hörspiel „Das künftige Ufer“ beim WDR ausgestrahlt. In diesem Jahr erscheint sein Gedichtband “Bagdad. Haifa. Berlin” in deutscher Sprache. Shemoelof ist Mitbegründer der Berliner Veranstaltungsreihe Poetic Hafla, die Poesie und Kunst in mehreren Sprachen vorstellt, und schreibt derzeit an seinem zweiten Roman. Er lebt in Berlin.
Tijan Sila © Miriam Stanke Tijan Sila kam 1981 in Sarajevo zur Welt und emigrierte 1994 mit seiner Familie nach Deutschland. Er studierte Germanistik und Anglistik in Heidelberg. Heute lebt er in Kaiserslautern, wo er als Lehrer an einer Berufsschule arbeitet. Sein erster Roman „Tierchen unlimited" erschien 2017, für den Sila im darauffolgenden Jahr das Märkische Stipendium für Literatur erhielt.
Maayan Ben Hagai Credit: Yael Ilan Maayan Ben Hagai, geboren 1970, wuchs im Kibbutz Afiq in den Golanhöhen auf und studierte Komparatistik, Kunstgeschichte und Sozialarbeit an der Hebräischen Universität Jerusalem. Sie arbeitete mit benachteiligten Jugendlichen, äthiopischen Immigranten und in einer Buchhandlung. Seit mehreren Jahren ist sie für die Organisation Emek Shaveh tätig, die sich - unabhängig von Nationalität und Religion - für einen gerechten Umgang mit Archäologie und kulturellem Erbe als öffentliches Gut einsetzt. Ben Hagai hat zwei Romane, Kurzgeschichten und ein Jugendbuch veröffentlicht und erhielt 2016 den Devorah Omer Prize für Kinderliteratur. Sie lebt in Jerusalem.
Dilek Güngör © Ingrid Hertfelder Dilek Güngör wurde 1972 in Schwäbisch Gmünd geboren. Sie absolvierte ein Übersetzerstudium für Englisch und Spanisch in Germersheim und ein Masterstudium in Race and Ethnic Studies in Warwick, Großbritannien. Als Journalistin arbeitete sie für mehrere Zeitungen. Ihre gesammelten Kolumnen aus der Berliner Zeitung und der Stuttgarter Zeitung erschienen in den Bänden „Unter uns“ und „Ganz schön deutsch“. Für das Singspiel „Türkisch für Liebhaber“ an der Neuköllner Oper schrieb sie das Libretto. Nach „Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter“ ist „Ich bin Özlem“ ihr zweiter Roman, der Anfang 2019 veröffentlicht wurde. Güngör lebt in Berlin.
Dov Alfon Copyright Géraldine Aresteanu Dov Alfon, geboren 1961 im tunesischen Sousse, ist in Paris und Aschdod, Israel, aufgewachsen. Er war Geheimdienstoffizier bei der legendären Unit 8200, der Einheit der israelischen Streitkräfte zur Fernmelde- und elektronischen Aufklärung. Danach machte er Karriere in den Medien, u.a. als Chefredakteur der Tageszeitung Ha’aretz und des israelischen Verlags Kinneret. „Unit 8200“, Alfons erster Roman, stand monatelang auf den israelischen Bestsellerlisten und wurde 2019 in der deutschen Übersetzung veröffentlicht.
Friedrich Ani © Heike Steinweg/Suhrkamp Verlag Friedrich Ani wurde 1959 in Kochel am See geboren. Von 1981 bis 1989 arbeitete er als Polizeireporter und Hörfunkautor. Neben Kriminalromanen schreibt er Lyrik, Erzählungen, Jugendromane und Drehbücher. Sein Werk wurde mehrfach übersetzt und prämiert, u. a. mit dem Deutschen Krimi Preis, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis. Seine Romane um den Vermisstenfahnder Tabor Süden machten ihn zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Kriminalschriftsteller. Ani lebt in München und ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und des Internationalen PEN-Clubs.

PROGRAMM am Mittwoch, 4. September 2019


Mittwoch, 4. September 2019 - 20:00 Uhr
Deutsches Theater, Kammerspiele, Schumannstraße 13a, 10117 Berlin

Begrüßung: 
Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts
Dr. Ellen Ueberschär, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung
 
Lesung und Diskussion

Get together

Gespalten - so bezeichnen wir derzeit fast inflationär unsere Gesellschaften. Aber waren wir überhaupt jemals vereint? In welchen Welten leben wir, und was verbindet uns?

Sami Berdugo – Franzobel

Moderation: Shelly Kupferberg

Programm am Sonntag, 8.09.2019

Sonntag, 8. September 2019 – ganztägiges Programm (Einlass ab 11 Uhr)
Heinrich-Böll-Stiftung

In den Pausen gibt es ein israelisches Buffet

12.00 Uhr - Lesung und Diskussion

Europa und kein Land in Sicht

2012 wurde die EU für ihren Einsatz für Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte in Europa mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Mit dem Erstarken der Populisten zeigt sich jedoch: Unsere freiheitliche demokratische Grundordnung steht auf äußerst wackeligen Beinen. Mati Shemoelof und Tijan Sila zeichnen ein düsteres Bild, wie das zukünftige Europa aussehen könnte.

Mati Shemoelof - Tijan Sila 

13.30 Uhr - Lesung und Diskussion

Drei, zwei, eins … meins


Wem gehört was? Und wer gehört überhaupt dazu? Mit der Rückkehr des Nationalismus haben diese Fragen wieder Konjunktur. Haben wir den Nationalismus aber je überwunden?

Maayan Ben Hagai - Dilek Güngör

 
15.30 Uhr - Lesung und Diskussion

Faking Facts


Wann ist ein Fakt ein Fakt? Was ist Realität und was Fiktion? In unserer Informationsgesellschaft scheinen wir immer mehr den Überblick zu verlieren. Die Kriminalautoren Dov Alfon und Friedrich Ani gehen Verbrechen und unangenehmen Wahrheiten nach.

Dov Alfon - Friedrich Ani
 

Informationen

Sprache
Alle Lesungen finden in deutscher und hebräischer Sprache mit Simultanübersetzung statt.

Projektteam
Heike Friesel / Claudia Amthor-Croft (Projektleitung, Goethe-Institut), Christian Römer (Projektleitung, Heinrich-Böll-Stiftung), Frank Domhan (Kurator), Karin Lenski (Projektkoordination, Heinrich-Böll-Stiftung), Dr. Anne-Bitt Gerecke (Asisstenz der Projektleitung, Goethe-Institut), Carola Söllner (Projektorganisation)
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Theater

Pressekontakt
Tatjana Kirchner
kirchner@kirchner-pr.de
Tel.: 030-84 71 18 12

www.boell.de/literaturtage