Interview mit Ghassan Hassaki „Das Goethe-Institut Syrien ist bis auf Weiteres geschlossen.“

– heißt es auf der Homepage des Goethe-Instituts Damaskus. Aber was ist aus seinen Mitarbeitern geworden? Wir haben Ghassan Hassaki gefragt, der am 1. Oktober 2016 beim Goethe-Institut Taschkent, Region Osteuropa-Zentralasien die Leitung der Verwaltung übernimmt.

​Ghassan Hassaki vor dem Goethe-Institut Taschkent
© Goethe-Institut

Herr Hassaki, das Goethe-Institut Damaskus war eines der ersten Institute weltweit. Wie lange haben Sie dort gearbeitet, und wie sah Ihr Alltag aus?

Ich habe am 1. Mai 2000 beim Goethe-Institut Damaskus angefangen und bis Ende 2012, also 13 Jahre, dort gearbeitet.

Nach einem langen Arbeitstag bin ich mit meinen Freunden in der Altstadt spazieren gegangen. Danach haben wir uns in ein Café gesetzt, über Gott und die Welt gesprochen, Tee getrunken, Karten und Backgammon gespielt.

Sie haben die Verwaltung geleitet - was bedeutete das in der Zeit der Schließung?

Das Institut wurde im April 2011 für das Publikum geschlossen, und alle Entsandten mussten Syrien wegen der Sicherheitslage verlassen, aber alle Ortskräfte waren noch beschäftigt bis Ende 2012. Da ich an einem sicheren Ort wohnte, konnte ich täglich ins Institut kommen und mich um das Gebäude kümmern sowie Korrespondenz mit dem Regional-Institut und verschiedenen Behörden im Land führen. In dieser Zeit fiel es mir am schwersten, den Kontakt mit den Mitarbeitern zu halten, einige konnten nicht ins Institut kommen, andere haben das Land verlassen, und ich musste dafür sorgen, dass alle ihre Gehälter bekamen.
 
Wann haben Sie das Institut und das Land verlassen? Wie war die Situation zu dem Zeitpunkt, und wo sind Sie zuerst untergekommen?

Ende Februar 2013 war mein letzter Arbeitstag beim Goethe-Institut Damaskus, ich war der Letzte, der das Institut verließ, es war ein ganz trauriger Moment.

2013 war die Situation in Damaskus kritisch. Es war unsicher, es gab viele Autobomben und Entführungen, kaum Strom, Benzin oder Medikamente und die Lebensmittelpreise sind stark gestiegen. Da haben meine Frau und ich uns entschieden, das Land zu verlassen, aber es gab keine Flüge; die Kämpfe um Damaskus herum hatten zugenommen. Die einzige Möglichkeit, die Stadt zu verlassen, war über Beirut, und am 14. März 2013 bin ich von dort nach Deutschland geflogen.

Mein erster Aufenthaltsort in Deutschland war Kaiserslautern, da meine Mutter dort lebte. Sie kommt ursprünglich aus Berlin, lebte ab 1960 in Damaskus und verließ Syrien 2011 mit Tränen in den Augen. In Kaiserslautern bin ich zwei Jahre geblieben, bis ich im April 2015 nach Berlin umzog. In dieser Zeit arbeitete ich für das Goethe-Institut in der Region Nordafrika und Nahost als Springer in der Verwaltung.

Wie haben Sie Sich in Taschkent eingelebt? Was gefällt Ihnen am besten, und was vermissen Sie am meisten?

Meine Frau und ich haben uns ganz schnell hier eingelebt, die Menschen sind sehr nett, freundlich und hilfsbereit. Und wir haben schon mehrere Freunde. Was uns am besten in Taschkent gefällt, ist die Freundlichkeit der Usbeken und das Essen sowie die schöne Sonne. 

Was ich am meisten vermisse, sind meine Freunde, Bekannten und die schönen, friedlichen Abende in Damaskus.