Interactive Online Event Archive und Vermächtnisse in den darstellenden Künsten

Archives and Legacies Cunningham (c) Annie Leibovitz, Bausch (c) Tanztheater Wuppertal

So, 02.08.2020

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Cunningham (c) Annie Leibovitz, Bausch (c) Tanztheater Wuppertal

Ein Gespräch mit Bettina Wagner-Bergelt und Trevor Carlson

Wie werden die Werke darstellender Künstler*innen nach deren Tod behandelt? Sollten ihre Vermächtnisse kuratiert, lizenziert oder archiviert werden und wenn ja, wie? Bettina Wagner-Bergelt, künstlerische Leiterin des Tanztheaters Wuppertal, und Trevor C. Carlson, ein langjähriger Mitarbeiter von Merce Cunningham und ehemaliger Exekutivdirektor der Merce Cunningham Dance Foundation und Treuhänder des Merce Cunningham Trust, teilen am Sonntag, 2. August, ihre Erfahrungen im Umgang mit Künstlerarchiven und Vermächtnissen.
 


Pina Bausch, die ihre Arbeit als Choreografin 1968 begann, ist die Erfinderin des Tanztheaters, wie es heute bekannt ist. Seit ihrem frühen Tod im Jahr 2009 hat die Kompanie ihre 46 choreografischen Arbeiten auf Tourneen in der ganzen Welt fortgesetzt. Nach ihrem Tod gründete ihr Sohn Salomon die gemeinnützige Pina-Bausch-Stiftung, in die er ihr gesamtes künstlerisches Erbe nach ihren Wünschen einbrachte. Neben der umfangreichen Sammlung von Archivmaterial umfasst dieser Nachlass auch das Urheberrecht an ihren Stücken und Choreographien sowie an den Bühnen- und Kostümentwürfen von Rolf Borzik.

Merce Cunningham war einer der wichtigesten amerikanischen Tanzkünstler. Cunningham schuf 180 Repertoiretänze und mehr als 700 ortsspezifische Events. Während seiner 70-jährigen Schaffenspraxis hat Cunningham die Landschaft des Tanzes, der Musik und der zeitgenössischen Kunst massiv beeinflusst. Er arbeitete mit Komponist*innen, Musiker*innen, bildenden Künstler*innen und anderen, die die Kunst und Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts prägten. Als Cunningham 2009 starb, wurde der Legacy Plan, in Angriff genommen, der die geplante Schließung seiner Stiftung, seiner Tanzkompanie, seiner Schule und seines Archivs signalisierte. Drei Jahre später wurde eine abschließende Welttournee unternommen. Gegenwärtig verwaltet der Merce Cunningham Trust sein Lebenswerk durch die Lizenzierung seiner Tänze für Repertoirekompanien und Schulen, durch das Unterrichten und Kodifizieren der Cunningham-Technik und als Ressource für Wissenschaftler*innen und Künstler*innen.


Bettina Wagner-Bergelt (c) Tanztheater Wuppertal Bettina Wagner-Bergelt übernahm im Januar 2019 die künstlerische Leitung des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch. Von 2000 bis 2016 war sie stellvertretende Intendantin des Bayerischen Staatsballetts und von 1990 bis 2016 dessen Chefdramaturgin. In München baute sie ein herausragendes, internationales Repertoire moderner und avantgardistischer Werke auf. Mit dem von ihr entwickelten Ausbildungsprogramm CAMPUS Staatsballett initiierte Bettina Wagner-Bergelt ein richtungsweisendes interdisziplinäres Vermittlungskonzept für Tanz und Ballett. 1987 gründete sie das Münchner Festival TANZ - Internationales Tanzfestival der Landeshauptstadt München und war 1987, 1989, 2008 und 2010 dessen künstlerische Leiterin.
Bettina Wagner-Bergelt wurde u.a. mit dem TANZPREIS der Landeshauptstadt München 2016, dem Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres 2014 und dem Kinder zum Olymp-Preis ausgezeichnet. Sie ist Vorstandsmitglied des bayerischen Verbandes Tanz BLZT und des Dachverbandes Tanz Deutschland.
Bettina Wagner-Bergelt studierte deutsche und spanische Literatur mit Theater- und Filmwissenschaften in Köln und Berlin. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Trevor Carlson (c) Mark Seliger Trevor Carlson hatte seit 1998 mehrere Positionen bei der Merce Cunningham Dance Company inne. Im Jahr 2005 wurde er zum Exekutivdirektor der Cunningham Dance Foundation ernannt und diente in dieser Funktion, nach dem Tod von Cunningham 2009, bis zur Schließung im Jahr 2011. Zusammen mit Merce Cunningham schuf Trevor The Legacy Plan um die digitale Bewahrung von Cunninghams Werk, die Organisation einer zweijährigen Farwell-Tournee der Merce Cunningham Dance Company und Pläne für den Finanz- und Karrierewechsel für alle Tänzer, Techniker, Musiker und Mitarbeiter zu schaffen. Im Jahr 2011 schloss sich Carlson vier weiteren Treuhändern des Merce Cunningham Trust an. Der Trust ist für die Rechte an Cunninghams Werk und seinem Vermächtnis verantwortlich.
Trevor ist Absolvent der Juilliard School mit einem Bachelor-Abschluss in Tanz und hat in ganz Süd- und Nordamerika, Europa und dem Nahen Osten Vorträge gehalten. Gegenwärtig ist er Executive Director von Thorus Arts mit Sitz in Barcelona. Zu seinen Projekten gehörten die Tournee-Produktion der Barbican-Produktion Antigone von Ivo Van Hove unter der Regie von Ivo Van Hove mit Juliette Binoche. Er produzierte Not a moment too soon, einer Solo-Performance über Trevors Zeit mit Cunningham, die von Ferran Carvajal kreiert und inszeniert wurde, und die Produktion des Merce Cunningham Centennial (2018-19).
Trevor ist derzeit als Treuhänder des John Cage Trust tätig.

 

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