Ausstellung RE-VISITING ORIENTALISM

RE-VISITING ORIENTALISM GZ Baku

8.04.2021, 15:00 - 18:00

Historisches Museum Tbilissi / Georgisches Nationalmuseum

Sionistr.8
0105 Tbilissi

Eine Ausstellung des Goethe Zentrums Baku

Im jahrhundertealten Dialog zwischen Europa und dem Orient haben die bildenden Künste eine entscheidende Rolle gespielt, zunächst als Dokument der Natur oder des Lebensstils und später als poetisches und manchmal romantisiertes, exotisches Bild von Nordafrika und dem Nahen Osten. Die Umwälzungen des 20. Jahrhunderts, die mit dem Ersten Weltkrieg und dem anschließenden Untergang des Osmanischen Reiches begannen, haben die moderne und zeitgenössische Kunst gezwungen, die Region kritischer zu betrachten.
Andréas Lang stellt historischen orientalistischen Gemälden zeitgenössische Landschaften voller politischer und sozialer Konnotationen gegenüber. In seinem Palimpsest überlagern zeitgenössische Eindrücke verwischtes historisches Material. Während dieser verführerische ästhetische Ansatz die meisten Geheimnisse der orientalischen Vergangenheit bewahrt, enthüllt er auch die Konflikte und Widersprüche der heutigen Gesellschaft.
Der Künstler forschte nicht nur an klassischen orientalischen Orten wie in Tunesien, der Türkei oder dem Persischen Golf, sondern auch im Südkaukasus, wo die osmanische und persische Kultur mit dem russischen und später dem sowjetischen Einfluss kollidierte, der, übrigens, seine eigene, besondere Form des Orientalismus in Kunst, Musik, Literatur und Architektur hervorbrachte. Die Ausstellung, die von Langs Residenz und Einzelausstellung in der „Kulturakademie Tarabya“ in Istanbul inspiriert wurde, ist ein "work in progress"  und wurde als Online-Projekt gestartet, gefolgt von einer „in situ“ -Installation in Tbilissi. Tourneen nach Baku und in andere orientalische Orte sind geplant.​
 
Kurator: Alfons Hug, Leiter Goethe Zentrum Baku

Partner der Ausstellung: Georgisches Nationalmuseum. Historisches Museum Tbilissi

Artist Statement
In meiner Arbeit betrachte ich die verschiedenen Ebenen von Geschichte, Mythologie und Gegenwart, um ein narratives Bild entstehen zu lassen. Eine Art visuelle Archäologie, die sich überlagert oder auch kollidiert mit unmittelbaren sozialen, politischen und ökologischen Realitäten. So wird das Bild auch zum Projektionsraum und erscheint oft wie ein Filmset, im Schwebezustand zwischen Imagination und Realität, Vergangenheit und Gegenwart.
Nach einer Phase intensiver Recherche reise ich zu den betreffenden Orten, um Bilder zu produzieren. In meinen jüngsten Projekten wurde das Archiv- und Recherchematerial auch verarbeitet und Bestandteil der ausgestellten Arbeiten. In dem Projekt "Re-Visiting Orientalism" habe ich mich zum ersten Mal entschlossen, die verschiedenen Ebenen zu kombinieren und in kritischen Kompositionen zu überlagern. Das Werk wird zu einer subversiven Dekonstruktion der westlichen orientalistischen Perspektive, indem es ihre Ästhetik verwendet und ein Palimpsest des Jetzt und der orientalistischen Bilderwelt schafft.           A.L.

                                                                                                                                             
Mehr über das Projekt: RE-VISITING ORIENTALISM

ANDRÉAS LANG (geboren in Zweibrücken, Deutschland) begann seine künstlerische Arbeit in Paris, heute lebt er in Berlin und beschäftigt sich neben der Fotografie auch mit Videoinstallation. Langs Bildzyklen befassen sich mit Landschaften und deren verbor­gener Geschichte, u. a. mit der geistig-kulturellen DNA Europas und der damit einhergehenden Hegemonie. Sein letztes Langzeitprojekt (2011–16) über Kolonialismus in Zentralafrika geht auf Fotografien und ein Tagebuch seines Urgroßvaters zurück. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien – u. a. 2017 das Arbeitsstipendium Bildende Kunst des Kultursenats Berlin und 2016 das AArtist in Residency Stipendium des Auswärtigen Amts und Lan­desverbands Berliner Galerien. Seine Arbeiten wurden u. a. auf der La­gos Biennale (2019), im n.b.k. Berlin (2018), auf der Mercosul Bienna­le, Porto Alegre/Brasilien (2017), im Deutschen Historischen Museum, Berlin (Solo 2016), bei der Alfred Ehrhardt Stiftung, Berlin (Solo 2016), im Münchner Stadtmuseum (Solo 2013), im Haus der Fotografie, Deichtorhallen, Hamburg (2011) und im Centro de Cultura Contempor­ania de Barcelona (2007) gezeigt. Von September bis Dezember 2018 war Andréas Lang Stipendiat an der Kulturakademie Tarabya in Istanbul. Er arbeitet an einem neuen Langzeitprojekt zur Erinnerungskultur in der Türkei und sein Stipendi­um wurde für 2020 verlängert.




 

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