Kritikmaschine
Meredith Haaf

Die Frauen und das Fremde

Wie der Feminismus auf die Probe gestellt wird

In der Silvesternacht wurden in mehreren europäischen Städten – darunter Hamburg und Köln – massenhaft Frauen von Gruppen nicht-deutscher Männer angegriffen. Seitdem etabliert sich in Deutschland in beunruhigendem Tempo eine zunehmend feindselige Stimmung gegenüber den zahlreichen Flüchtlingen, die seit vergangenem Jahr dort angekommen sind. Die Frage danach, wie mit den Fremden im eigenen Land umzugehen ist, hat eine ungeahnte Polarisierung in der deutschen Gesellschaft zu Tage gefördert und rechte Kräfte wie der AfD (Alternative für Deutschland) oder den Aktivisten aus der so genannten Pegida-Bewegung Aufschwung verliehen. Dabei wird das Thema „Frauenrechte“ gerne als Argument benutzt: Frauen könnten sich in Deutschland nicht mehr frei bewegen, ohne sexueller Belästigung durch Fremde ausgesetzt zu sein.
 
Auch die feministische Öffentlichkeit wird in der Debatte auf die Probe gestellt wie schon lange nicht mehr. Während ein Lager die Übergriffe als Manifestation islamischer Frauenfeindlichkeit interpretiert, prangert das andere Lager solche Thesen als rassistisch an. Die Wurzeln des Konfliktes liegen jedoch tiefer. Letztendlich geht es um die Frage, wer eigentlich diejenigen sind, für die man sich als Feministin einsetzen will – und wer diejenigen sind, gegen die man sich wehrt. Feministinnen tun sich mittlerweile schon schwer damit, sich darauf zu einigen, was überhaupt eine Frau ist.  Doch wenn sie der Sache der Emanzipation nicht schaden wollen, ist es höchste Zeit, sich politisch klar zu positionieren.

Meredith Haaf in Russland / Impressionen

  •  © Andrei Gordeev
  •  © Andrei Gordeev
  •  © Andrei Gordeev
  •  © Andrei Gordeev
  •  © Andrei Gordeev
  •  © Andrei Gordeev
  •  © Andrei Gordeev
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  • Meredith Haaf in Russland © Anton Lukinski
  • Meredith Haaf in Russland © Anton Lukinski