Kritikmaschine
Armin Nassehi

Mehr Kritik bitte!

Kritiküberschuss prägt moderne Gesellschaften spätestens seit dem Buchdruck, vor allem aber nach der medialen Revolution, der Erfindung der Zeitung, des Fernsehens und der nachfolgenden elektronischen Medien. Fast nichts bleibt unwidersprochen, fast nichts ist vor Kritik sicher, nicht einmal die Kritik selbst. Kritik ist dabei diejenige Instanz, die das Bestehende mit anderen Versionen und Möglichkeiten versorgt.

Die hohe Zeit der Kritik war diejenige, in der Gesellschaften sich in liberalen Öffentlichkeiten über bessere oder wenigstens alternative Versionen des Bestehenden vergewissert haben. Derzeit scheint man sich darüber einig zu sein, dass Kritik zahnlos geworden sei, schon weil schlicht alles thematisierbar geworden ist und liberale Öffentlichkeiten kaum mehr ein Publikum finden. Das ist Anlass genug, über neue Formen und Ziele von Kritik nachzudenken, die für gegenwärtige Gesellschaften angemessen sind. Denn auch heutige Gesellschaften sind darauf angewiesen, mit anderen Versionen und Möglichkeiten konfrontiert zu werden. Exakt das übrigens ist das Geschäft des Kursbuchs, der 1965 von Hans Magnus Enzensberger gegründeten Kulturzeitschrift, die sich heute auf neue Kritikkonstellationen einstellen muss.

Armin Nassehi in Boston / Impressionen

  • Armin Nassehi © Goethe-Institut/Rebecca Walpuski
  • Armin Nassehi © Goethe-Institut/Rebecca Walpuski
  • Armin Nassehi © Goethe-Institut / Rebecca Walpuski
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